Coronavirus Zweiter Booster - Stiko empfiehlt vierte Impfung nach sechs Monaten und ab 60

Bislang hat die Ständige Impfkomission in Deutschland die vierte Impfung nur Menschen ab 70 Jahren und bestimmten Risikogruppen empfohlen. Das hat sich sich mit der neuen Empfehlung geändert. Auch die neuen Impfstoffe, die an die Omikron-Varianten angepasst sein sollen, befinden sich auf der Zielgeraden. Nach Angaben von Gesundheitsminister Lauterbach gibt es bereits mögliche Starttermine.

Wegweiser mit Schriftzug "Vierte Impfung"
Die Stiko will eine vierte Corona-Impfung offenbar auch für Menschen ab 60 Jahren empfehlen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Steinach

Während die Infektionszahlen sinken und die Sommerwelle immer weiter abflacht, stellen die Corona-Experten in Deutschland die Weichen auf einen potenziell angespannten Herbst bzw. Winter. Im Fokus steht dabei besonders die vierte Impfung gegen das Corona-Virus mit seinen Omikron-Varianten.

Stiko folgt den EU-Vorgaben

Die Ständige Impfkommission (Stiko), die für Impfempfehlungen in Deutschland verantwortlich ist, empfiehlt die vierte Corona-Impfung, also den zweiten Booster, nicht mehr nur Menschen ab 70 Jahren und Risiko-Gruppen, sondern auch Personen im Alter zwischen 60 und 69. Die Stiko folgt damit den Empfehlungen der EU-Behörden, die den zweiten Booster schon länger für diese Altersklasse empfehlen.

Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission STIKO
Stiko-Chef Thomas Mertens hatte sich bislang für einen zweiten Booster ab 70 Jahren ausgesprochen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / IPON

Vierte Impfung für Risiko-Gruppen bereits ab fünf Jahren?

Bedingung soll sein, dass die erste Auffrischungsimpfung oder die letzte Corona-Infektion mindestens sechs Monate zurückliegt. Nur in "begründeten Einzelfällen" könne der Abstand auf vier Monate reduziert werden, steht in dem Papier zur Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung. Und weiter: Allen Menschen ab fünf Jahren mit erhöhtem Risiko für schwere Covid-19-Verläufe wegen einer Grunderkrankung wie Immundefizienz, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen werde ebenfalls eine vierte Impfung empfohlen.

Immungesunde Menschen unter 60 würden nach Angaben des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, nicht von einem zweiten Booster mit den aktuellen Impfstoffen profitieren. Aus diesem Grund werde "dieser auch nicht pauschal empfohlen".

Neues Infektionsschutzgesetz ab Herbst

Bundes-Gesundheitsminister Karl Lauterbach, der schon länger für eine Viertimpfung für bestimmte Menschen unter 60 Jahren plädiert, begrüßte die Beschlussempfehlung der Stiko: Sie sei "ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", schrieb er bei Twitter. Gute Nachrichten also für den Minister, der zuletzt immer wieder Kritik für den Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes, den er gemeinsam mit Justizminister Marco Buschmann entwickelt hat, einstecken musste.

Karl Lauterbach (r, SPD), Bundesminister für Gesundheit, und Marco Buschmann (FDP), Bundesminister der Justiz, nehmen an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt teil.
Karl Lauterbach (re.) und Marco Buschmann haben für ihren Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetztes viel Kritik eingesteckt. (Archiv) Bildrechte: dpa

Maskenpflicht ab 1. Oktober?

Eines der Streitthemen ist die potenzielle Maskenpflicht ab Herbst. Dem Entwurf des neuen Infektionsschutzgesetzes zufolge sollen die Bundesländer ab 1. Oktober eine Maskenpflicht in Innenräumen einführen - unabhängig von der Inzidenz. Die Länder könnten auch darauf verzichten, betonte Lauterbach. Doch er erwarte, dass alle Bundesländer die Maßnahme ergreifen, da sich die Corona-Lage nach dem Ende der Sommerferien "wohl wieder verschlechtern" werde.

Ob der Entwurf tatsächlich zum neuen Infektionsschutzgesetz wird, entscheidet sich möglicherweise bald: Bereits am 24. August soll das Bundeskabinett grünes Licht für den Entwurf geben. Danach muss er noch durch den Bundestag.

Termine für neue Impfstoffe stehen fest

Die Impfungen gegen das Coronavirus ab Herbst können aller Voraussicht nach mit angepassten Impfstoffen stattfinden. Die europäische Zulassung der Impfstoffe gegen die Omikron-Varianten BA.1 und BA.5 ist im September zu erwarten, sagte Lauterbach. Am 1. September stehe dies für BA.1 an und am 27. September für BA.5. Am jeweiligen Tag darauf könnten die Vakzine ausgeliefert werden. "Die Bundesregierung hat beide Impfstoffe in auskömmlicher Menge besorgt", so Lauterbach weiter.

Eine Mitarbeiterin vom mobilen Impfteam bereitet in einem Zug der NordWestBahn eine Spritze mit dem Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer gegen Corona vor.
Die Omikron-Impfstoffe könnten ab 2. bzw. 28. September ausgeliefert werden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Impfung mit altem oder angepasstem Impfstoff?

Damit liegt die Frage, wer sich wann mit welchem Impfstoff impfen lassen soll, auf der Hand. Dazu der Gesundheitsminister: Wer älter, vorerkrankt oder in ständigem Kontakt zu vielen Menschen sei, solle nicht auf die angepassten Impfstoffe warten. Auch die bisherigen Vakzine könnten schwere Folgen einer Infektion bis zum Tod verhindern. Jüngeren empfahl er erneut, ihren Hausarzt zu fragen, ob die vierte Impfung jetzt schon zu empfehlen sei. Lauterbach: "Der Hausarzt kann sagen: Nein, auf keinen Fall, oder der Hausarzt kann sagen: Um Gottes Willen, Sie sind ja so ein starker Asthmatiker, dann auf jeden Fall."

Die Stiko dazu in ihrem Beschlussentwurf: Sobald Varianten-adaptierte Impfstoffe zugelassen und verfügbar seien, werde man die "Empfehlung gegebenenfalls anpassen".


(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. August 2022 | 17:15 Uhr

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