Bereits 2.000 Freiwillige wollen mitmachen Absichtliche Corona-Infektionen für Impfstoff-Tests?

Trauriger Rekord: Weltweit fast eine Million Tote vermeldet die US-amerikanische Johns Hopkins Universität. Die Zahl der im Zusammenhang mit Covid-19 Gestorbenen hat sich in den vergangenen drei Monaten verdoppelt. Der Ruf nach einem Impfstoff gegen das Virus wird immer lauter. Um schneller zum Erfolg zu kommen, wollen Wissenschaftler in London nun Menschen absichtlich mit dem Coronavirus infizieren.

Testproben in einem Labor
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Laut "Financial Times" sollen gesunde, erwachsene Freiwillige einen potenziellen Impfstoff verabreicht bekommen. Anfang kommenden Jahres werden sie dem Bericht zufolge in London unter kontrollierten Quarantäne-Bedingungen dem Coronavirus ausgesetzt. Man arbeite mit Partnern zusammen, um mithilfe von "Human Challenge"-Tests die Entwicklung von Impfstoffen zu beschleunigen, bestätigte ein Regierungssprecher in London.

Stichwort: Human Challenge Trials Eine Human-Challenge-Studie, auch als kontrollierte Infektionsstudie am Menschen bezeichnet, ist eine Art klinische Studie für einen Impfstoff oder ein anderes Arzneimittel, bei der die Testperson absichtlich der getesteten Bedingung ausgesetzt wird.

Vorteil: Wirksamkeit des Impfstoffs unmittelbar feststellbar

"Human Challenge Trials" sind unter Wissenschaftlern umstritten. Einige betonen den großen Nutzen, den solche Studien für eine ganze Gesellschaft haben können: Die Wirksamkeit eines Impfstoffs kann damit unmittelbar festgestellt werden. Bei üblichen Verfahren müssen dagegen oft Zehntausende Menschen geimpft werden. Dann wird geschaut, ob sich weniger Menschen auf natürliche Weise infizieren als in einer ungeimpften Kontrollgruppe.

Enorme gesundheitliche Risiken

Doch es gibt auch große ethische Bedenken: Kritiker verweisen auf enorme gesundheitliche Risiken, die die Infektion mit einem in vieler Hinsicht noch unerforschten Erreger wie Sars-CoV-2 haben könnte. Kommende Woche soll das Projekt, das federführend von dem Londoner Imperial College geleitet wird, offiziell vorgestellt werden und im Januar beginnen. Dem Bericht zufolge handelt es sich dabei um die ersten Versuche dieser Art weltweit. Rund 2.000 gesunde, erwachsene Freiwillige sollen sich für das Projekt schon gefunden haben.

Potenzielle Impfstoffe bereits in Testphase III

Unabhängig von dieser Studie werden weltweit schon etliche potenzielle Impfstoffe gegen das Coronavirus getestet. Einige aussichtsreiche Impfstoffe befinden sich bereits in der wichtigen Testphase III, in der überprüft wird, ob das Mittel nicht nur verträglich, sondern auch tatsächlich wirksam ist.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. September 2020 | 17:15 Uhr

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