Hoffen auf ein Wunder in Spanien Schacht-Drama: Rettung des Jungen frühestens am Freitag

BRISANT | 17.01.2019 | 17:15 Uhr

Rettungskräfte der Guardia Civil helfen bei der Suche nach einem zweijährigen Jungen, der beim Spielen in einen 110 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt sein soll
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Die Suche wird immer mehr zum dramatischen Wettlauf gegen die Uhr: In Totalán in der südspanischen Provinz Málaga soll ein kleiner Junge beim Spielen in einen mehr als 100 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt sein. Nach vier Tagen gibt es von dem zweijährigen Julen weiterhin kein Lebenszeichen. Der Bau von zwei Tunneln, die direkt an das Ende des Brunnenschachts führen sollen, wo der Kleine vermutet wird, verzögert sich.

Beträchtliche Probleme beim Tunnelbau aufgetaucht

Da die Arbeiten zur Vorbereitung des komplizierten, hügeligen Terrains an der Unfallstelle länger als vorgesehen gedauert hätten, sei bis Donnerstagmittag nicht mit dem Graben angefangen worden, berichtete die Zeitung "El País" unter Berufung auf Sprecher der Rettungsteams. Mehrere von Medien befragte Experten erklärten, die Bergung des Kindes sei eine "Frage von Tagen, nicht von Stunden". "Das wird mindestens noch zwei, drei, vier Tage dauern", sagte der Sprecher des Verbandes der Mineningenieure in Málaga, Juan López Escobar.

Weil beim Bau des horizontalen Tunnels beträchtliche Probleme aufgetaucht seien, würden die Hoffnungen nun vor allem auf den Tunnel gesetzt, der parallel zum Schacht gegraben werden soll. Um die Bohrungsarbeiten aufnehmen zu können, werde derzeit eine Plattform gebaut, auf der die benötigten Fahrzeuge und Maschinen dafür genügend Halt finden. Hoffentlich am Freitag werde die Plattform fertig sein, sagte er. Zeiten für den weiteren Ablauf zu nennen, sei unmöglich.

Wenn alles, wirklich alles gut läuft, kann man 50 Meter in zwölf bis 16 Stunden schaffen. Es kann aber auch sein, dass man Tage braucht.

Juan López Escobar | Sprecher des Verbandes der Mineningenieure in Málaga

Höhlenforscher: "Ich glaube noch an ein kleines Wunder"

Trotz der Rückschläge gibt man in Spanien die Hoffnung nicht auf. "Ich glaube noch an ein kleines Wunder. Es ist ja schon vorgekommen, dass Menschen nach mehreren Tagen lebend geborgen wurden", wurde der Höhlenforscher José Berrocal von "El País" zitiert.

Helfer suchen in Spanien weiter verzweifelt nach dem zweijährigen Jungen, der beim Spielen in einen mehr als 100 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt sein soll.
Helfer suchen in Spanien weiter verzweifelt nach dem zweijährigen Jungen, der beim Spielen in einen mehr als 100 Meter tiefen Brunnenschacht gestürzt sein soll. Bildrechte: dpa

Süßigkeiten und Haare gefunden

Julen soll am Sonntag bei einem Ausflug mit seiner Familie in der Gemeinde Totalán in der Provinz Málaga in das Loch gefallen sein. Bei Kameraaufnahmen wurde in dem vermutlich illegal angelegten Schacht in einer Tiefe von knapp 75 Metern eine Tüte mit Süßigkeiten entdeckt, die der Junge bei sich gehabt hatte. Lose Erde verhinderte den Versuch, mit der Kamera tiefer vorzudringen. Nun wurden zudem Haare gefunden, die den spanischen Behörden zufolge von dem Jungen stammen.

Vater dankt den Helfern

Der Vater des Jungen hat sich am Mittwoch bei allen Helfern bedankt, die unermüdlich nach dem Zweijährigen suchen. Zahlreiche Rettungskräfte, darunter vor allem die Feuerwehr, seien pausenlos im Einsatz, um das Kind in dem nur 25 Zentimeter breiten Schacht zu finden, sagte José Roselló vor Journalisten. Er bedankte sich auch bei den Psychologen, die die Angehörigen betreuten. Der arbeitslose Marktverkäufer wirkte gefasst - nachdem er am Dienstag noch weinend die Behörden beschimpft hatte, nicht genügend Mittel für die Rettung des kleinen Julen zur Verfügung zu stellen.

Julens älterer Bruder starb an Herzversagen

Er und seine Frau Victoria seien "am Boden zerstört", sagte der Vater. Aber sie gäben die Hoffnung nicht auf, dass Julen lebend geborgen werde. Das Paar war bereits im Mai 2017 vom Schicksal hart getroffen worden: Bei einem Strandspaziergang starb damals Julens älterer Bruder Oliver (3) an einem Herzversagen.

Wir haben einen Engel, der uns helfen wird, so dass mein Sohn so schnell wie möglich dort herauskommt.

José Rosello | Vater des zweijährigen Julen

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2019, 17:15 Uhr

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