Mehr als 100 Tote Verheerende Explosionen lassen Beirut traumatisiert zurück

Am Tag nach den verheerenden Explosionen im Hafen von Beirut bietet sich in der libanesischen Hauptstadt ein unfassbares Bild der Verwüstung: Die halbe Stadt ist ein Trümmerfeld, reihenweise wurden Häuser durch die Wucht der Detonation dem Erdboden gleich gemacht.

Ein Hubschrauber fliegt einen Löscheinsatz nach einer massiven Expolsion im Hafen von Beirut
Ein Hubschrauber fliegt einen Löscheinsatz nach einer massiven Expolsion im Hafen von Beirut Bildrechte: dpa

Die Bilanz nach den verheerenden Explosionen in Beirut ist grauenhaft: Mehr als 100 Tote, etwa 4.000 Verletzte, Zehntausende Obdachlose. Die ohnehin durch die Corona-Pandemie überlasteten Krankenhäuser sind komplett überfordert und stehen vor dem Kollaps.

Versorgung droht zusammenzubrechen

Hinzu kommt, dass nun auch die Versorgung der Stadt zusammenzubrechen droht: Der Hafen war der wichtigste Umschlagpunkt für Importe. Hilfsorganisationen befürchten Engpässe bei Nahrungsmitteln und Medikamenten. "Der Libanon importiert 80 Prozent seiner Lebensmittel. Ich habe sofort gedacht: leere Supermarktregale, erhöhte Preise", sagt Maya Terro von der libanesischen Hilfsorganisation "Food Blessed".

Am Dienstag (04. August) waren in einem Lagerhaus am Hafen mutmaßlich 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat detoniert. Die erste kleinere Explosion hatte zahlreiche Neugierige an die Fenster und auf die Balkone gelockt. Mit ihren Handys filmten sie das Geschehen, als die zweite massive Detonation viele in die Tiefe riss.

Ammoniumnitrat Explosion im Hafen von Beirut

Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Ein Anwohner hat die Explosion am Hafen mit seinem Handy gefilmt. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Ein Anwohner hat die Explosion am Hafen mit seinem Handy gefilmt. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Zuerst erkennt man nur eine Rauchwolke, dann explodiert die Lagerhalle. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Nach ersten Erkenntnissen detonierten am Hafen fast drei Tonnen Ammoniumnitrat. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Die Druckwelle ist in diesen Smartphone-Bildern deutlich zu erkennen. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion am Hafen hat Beirut erschüttert.
Sekunden nach der Explosion schießt dunkler Rauch in den Himmel von Beirut. Bildrechte: AP
Ein gewaltige Explosion in Beirut hat das Hafenviertel in Schutt und Asche gelegt.
Einen Tag später zeigen Luftaufnahmen die Ausmaße der gigantischen Zerstörung. Bildrechte: AP
Ein Hubschrauber fliegt einen Löscheinsatz nach einer massiven Expolsion im Hafen von Beirut
Mit Hubschraubern wird im Hafen von Beirut gelöscht. Bildrechte: dpa
Menschen evakuieren Verwundete nach einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut
Ganze Straßenzüge in der libanesischen Hauptstadt sind zerstört. Bildrechte: dpa
Libanesische Soldaten suchen in den Trümmern nach Überlebenden nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut
Libanesische Soldaten suchen am Morgen nach der Katastrophe in den Trümmern nach Überlebenden. Bildrechte: dpa
Menschen stehen nach einer Explosion auf einer Straße neben umgekippten Autos, während im Hintergrund Rauch aufsteigt.
Fassungslos stehen Anwohner nach der Explosion auf einer Straße neben von der Detonationswelle umgeworfenen Autos. Bildrechte: dpa
Rauchsäule nach einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut
Die Rauch- und Staubwolke war nach der Explosion kilometerweit zu sehen. Bildrechte: dpa
Rauch steigt nach einer Explosion über einem zerstörten Gebäude auf.
Gebäude und Anlagen im Hafenviertel sind komplett zerstört. Bildrechte: dpa
Menschen laufen nach einer Explosion durch eine mit Trümmern übersäte Straße.
Da die Explosion so nah an der belebten Innenstadt stattfand, gab es viele Tote und Verletzte. Bildrechte: dpa
Ein Mann hilft nach einer Explosion einem Verletzten auf einer Straße.
Ein Mann hilft direkt nach der Explosion einem Verletzten auf der Straße. Bildrechte: dpa
Ein Mann trägt nach einer Explosion im Hafen von Beirut ein verletztes Kind
Der Druck der Detonation ließ Fenster zerbersten und Gebäude einstürzen, auch Kinder wurden verletzt. Bildrechte: dpa
Menschen inspizieren einen nach einer massiven Explosion im Hafen von Beirut beschädigten Lieferwagen
Die Erschütterungen sollen mit einem Erdbeben der Stärke 3,5 vergleichbar gewesen sein. Bildrechte: dpa
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"Pilzwolke wie bei einer Atombombe"

Die riesige Rauchwolke habe ihn an eine "Pilzwolke wie bei einer Atombombe" erinnert, berichtet der Büroleiter der deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung im Libanon, Kristof Kleemann. Als die "Riesendruckwelle" auf ihn zugekommen sei, habe er sich hinter einer Wand in Sicherheit gebracht. Alle Fenster und Türen seiner Wohnung seien aus den Angeln gehoben worden.

Die Druckwelle riss einem Erdbeben gleich die Gebäude am Hafen nieder, kippte Autos um und ließ Fensterscheiben in der ganzen Stadt bersten. Am Tag nach der Katastrophe durchkämmten Rettungskräfte noch immer fieberhaft die Trümmer auf der Suche nach Toten und Verletzten.

Rauchsäule nach einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut
Dass Nitrat explodiert ist, deutet diese rote Wolke an. Bildrechte: dpa

Chaos in den Krankenhäusern

In den völlig überforderten Krankenhäusern von Beirut spielten sich chaotische Szenen ab. Die Menschen drängten sich in den überfüllten Fluren in der Hoffnung auf Hilfe, viele mussten abgewiesen werden. Das Saint-Georges-Krankenhaus wurde selbst durch die Explosion schwer beschädigt, mehrere Mitarbeiter starben.

Noch Stunden nach den Explosionen hatte sich am Hafen von Beirut ein fast apokalyptisch anmutender Anblick geboten: Container waren wie Konservendosen verbogen, ihr Inhalt auf dem Boden verstreut. Schiffe standen in Flammen, zahlreiche Autos brannten aus. In den umliegenden Straßenzügen wurden Fensterscheiben und Schaufenster zertrümmert. Über der gesamten Hafen-Gegend lag eine riesige Rauchwolke.

Ein Mann trägt nach einer Explosion im Hafen von Beirut ein verletztes Kind
Die Krankenhäuser sind überfordert Bildrechte: dpa

Angst vor Plünderern

Über Stunden hinweg war das unablässige Heulen der Sirenen der Krankenwagen zu hören, die immer neue Verletzte in die Krankenhäuser brachten. Tausende verließen noch am Dienstagabend die Hauptstadt, um sich und ihre Familien in Sicherheit zu bringen. Doch viele der plötzlich obdachlos gewordenen Menschen saßen ohne Zufluchtsort fest oder wollten ihre zerstörten Häuser nicht Plünderern überlassen. Die verheerenden Explosionen haben das ohnehin durch eine schwere Wirtschaftkrise gebeutelte Land hart getroffen - und die Bewohner Beiruts traumatisiert zurückgelassen.

(ten/afp/dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. August 2020 | 17:15 Uhr

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