Chargeback-Verfahren Thomas-Cook-Pleite: Wie bekommen betroffene Kunden ihr Geld zurück?

Schlimm genug, wenn man eine Reise geplant hat und sie wegen der Pleite des Reiseanbieters nicht antreten kann. Noch schlimmer, wenn der bereits angezahlte Betrag nicht oder nur teilweise zurückerstattet wird. So geht es vielen Reisenden, die über die deutsche Thomas Cook gebucht haben. Die steht nämlich kurz vor ihrer Zerschlagung, da sich potentielle Investoren nur für einzelne Tochterfirmen interessieren. Welche Chance haben die Kunden, an ihr Geld zu kommen?

Die Insolvenz des deutschen Ablegers Thomas Cook hat viele Menschen getroffen, die bis zum Jahresende eine Reise über das Unternehmen oder eine seiner Tochterfirmen gebucht hatten. Jetzt zeichnet sich ab, dass die deutsche Thomas Cook als Gesamtunternehmen wohl nicht weiterbestehen wird. Denn potentielle Investoren interessieren sich bislang nur für einzelne Firmentöchter. Damit stehen nicht nur gut 1.000 Jobs auf dem Spiel - auch Kunden, die eine geplante Reise nicht antreten können oder konnten, obgleich sie diese bereits voll oder zum Teil bezahlt haben, werden sich fragen, wie es für sie nun weitergeht.

Entschädigungen sollen ab Dezember ausgezahlt werden

Anfang Dezember soll es losgehen. Dann will der insolvente Tourismus-Konzern Thomas Cook mit der Auszahlung der Entschädigungen an seine Kunden beginnen. Dafür zuständig ist die Zurich Versicherung. Doch die ließ nun wissen, das bislang nicht feststeht, wie viel Geld die einzelnen Kunden zurückbekommen, da die Höhe der Gesamtsumme der Forderungen noch unklar ist.

Klar ist bereits, dass die durch Thomas Cook versicherte Summe für eine vollständige Rückzahlung an die Kunden nicht ausreicht. Die Geschädigten werden also auf jeden Fall nur einen Teil ihrer Auslagen erhalten. Laut Zurich Versicherung ist bislang ein Schadensvolumen von 250 Millionen Euro gemeldet worden. Versichert war die deutsche Thomas Cook aber nur bis 110 Millionen Euro.

Bildkombo zeigt ein Flugzeug von Thomas Cook, mehrere Hundert-Euro Geldscheine und eine Kreditkarte.
Wer seine Reise mit Visa-Kreditkarte oder Master Card bezahlt hat, kann das so genannte Chargeback-Verfahren beantragen. Bildrechte: MDR Sachsenspiegel/Aviation-Stock/SKATA

Nutzen Sie das Chargeback-Verfahren!

Die besten Chancen, an zumindest einen Teil des bereits gezahlten Geldes zu kommen, haben Reisende, die eine Pauschaulreise gebucht und/oder mit Master Card oder Visa-Kreditkarte bezahlt haben.

Kunden die einzeln und keine ganze Pauschalreise gebucht haben, sind nicht gegen Insolvenz abgesichert. Sie sollten sich schleunigst an ihre Kartenausgebende Bank (nicht an das Kreditkartenunternehmen!) wenden und dort das so genannte Chargeback-Verfahren beantragen. Das kann man online erledigen oder sich in seiner Bankfiliale das entsprechende Formular geben lassen. In der Regel bekommt man sein Geld erstattet, wenn man eine Leistung bezahlt, aber nicht erhalten hat.

Das ist auch möglich, wenn man eine Pauschalreise gebucht hat. Allerdings erst, wenn einem die Insolvenzversicherung mitgeteilt hat, wie viel Geld man zurückbekommen wird. Denn die greift (nur) bei Pauschalreisen. Den Differenzbetrag kann man sich dann über das Chargeback-Verfahren erstatten lassen. Bekommt man von der Insolvenzversicherung innerhalb von 60 Tagen keine Antwort, dann kann man über seine Bank den kompletten Kreditkartenumsatz widerrufen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2019, 19:46 Uhr

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