Wolf, Wildschwein, Waschbär Wildtiere in der Stadt - Das müssen Sie beachten

Seit Jahrzehnten besiedeln Wildtiere wie Fuchs, Hase, Waschbär und Co. urbane Räume in Deutschland. Dafür gibt es gute Gründe. Zum einen werden die Tiere in der Stadt nicht gejagt, zum anderen gibt es reichlich Nahrung.

Rotfuchs auf Nahrungssuche zwischen Waldblumen
Der Rotfuchs gehört in deutschen Städten zum Dauerbewohner. (Archiv) Bildrechte: imago images / blickwinkel

Wildschweine, Füchse, Waschbären, Biber und sogar Wölfe: Viele Wildtiere sind inzwischen in kleinen und großen deutschen Städten heimisch. Die Tiere werden vom großen Futterangebot angelockt, stören sich nicht am Lärm und finden auf Brachflächen und in Gärten nahezu paradiesische Lebensräume. Für viele Wildtiere sind Städte ein regelrechter Supermarkt, in dem sie in Mülltonnen und Gärten nur noch zulangen müssen. 

Großes Nahrungsangebot für Waschbär, Wildschwein, Wolf, Hase und Fuchs

Das große Nahrungsangebot ist aber nicht der einzige Grund, warum Feldhase, Wolf, Rotfuchs und Co. den Weg in die Städte finden. Der Fuchs beispielsweise ist ein regelrechter Nahrungsopportunist. Er fängt Kleintiere wie Mäuse, Tauben und Wildkaninchen und labt sich ebenso an Abfällen. Auch Wildschweine haben die Erfahrung gemacht, dass sich in Mülltonnen, Gärten und Komposthaufen Essbares finden lässt.

Wildschwein schaut hinter einem Baum hervor.
Wildschweine bedienen sich gern an Mülltonnen oder in Gärten. (Archiv) Bildrechte: imago images / blickwinkel

Wildnis mitten in der Stadt

"In den Städten gibt es große Parkanlagen, Friedhöfe, Gärten: Da finden viele Wildtiere die Wildnis, die sie auf dem Land in der Form nicht mehr haben, weil es da zum Beispiel Monokulturen mit großen Maisfeldern gibt", sagt Eva Goris von der Deutschen Wildtierstiftung dem MDR. Zudem würden die Wildtiere in Städten in der Regel auch nicht bejagt, heißt es vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Auch der Temperaturunterschied von Stadt zu Land ist für viele Wildtiere attraktiv, was ebenfalls mit dazu geführt habe, dass sich die Tiere in den Stadtwäldern und auf Brachflächen ansiedeln.

Diese Tiere gibt es in der Stadt zu sehen

Ein Wildkaninchen sitzt auf einer Straße
Wildkaninchen Die Tiere leben laut NABU auch in der Stadt in Gruppen von acht bis zwölf Tieren. Wildkaninchen sind etwas kleiner als Feldhasen und leben bevorzugt in Parks und Grünanlagen mit sandigen Böden. Gärtner ärgern sich manchmal über die Tiere, weil diese Gehölze in Bodennähe abfressen oder Gemüse vernichten. Bildrechte: imago images / alimdi
Ein Wildkaninchen sitzt auf einer Straße
Wildkaninchen Die Tiere leben laut NABU auch in der Stadt in Gruppen von acht bis zwölf Tieren. Wildkaninchen sind etwas kleiner als Feldhasen und leben bevorzugt in Parks und Grünanlagen mit sandigen Böden. Gärtner ärgern sich manchmal über die Tiere, weil diese Gehölze in Bodennähe abfressen oder Gemüse vernichten. Bildrechte: imago images / alimdi
Eine Zwergfledermaus fliegt nachts aus ihrer Deckung an einem Schieferdach
Zwergfledermaus Die Tiere sind nur wenige Zentimeter groß, wiegen wenige Gramm und gehören damit zu den kleinsten Fledermaus-Arten in Deutschland. Zwergfledermäuse leben auch in Städten in den Simsen von Häusern, in Mauerspalten und Dachritzen. Sie jagen in Parks und Alleen wenige Meter über dem Boden nach Insekten. Zwergfledermäuse sind streng geschützt. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Steinmarder zwischen Autos
Steinmarder Die geschickten Kletterer bewohnen in Städten Schuppen, Garagen und sind auch auf Dachböden von Häusern zu finden. Steinmarder sorgen inzwischen auch bei Autofahrern in Ballungszentren für Ärger, weil sie hin und wieder in Motorräumen "vorbeischauen" und Dämmmaterial und Kabel anbeißen. Bildrechte: imago images / blickwinkel
Ein Wildschwein in der Innenstadt von Siegen
Wildschwein Die Tiere wandern gern aus Stadtwäldern oder Waldgebieten in Stadtnähe selbst in dicht besiedelte Gebiete ein und suchen sich dort Verstecke für den Tag. Laut NABU haben Wildschweine schnell gelernt, dass sie nachts sicherer vor ihrem einzigen Feind sind. Sie sind daher bevorzugt in der Dunkelheit unterwegs. Die gute Nahrung auf Maisfeldern und die zunehmend milderen Winter haben dazu geführt, dass sich die Tiere zuletzt stark vermehrt haben. Bildrechte: imago images / Rene Traut
Ein Waschbär versucht in den USA, aus einem Vogelhaus Samen zu angeln
Waschbär Die Wildtiere mit der auffälligen Banditenmaske wurden ursprünglich als Pelzlieferanten nach Deutschland importiert. Inzwischen werden sie aber vielerorts zur echten Plage, weil die Tiere Mülltonnen plündern, bei Hausbesitzern die Dämmung zerlegen, Vogeleier fressen und Nester besetzen. In Sachsen-Anhalt wurden im letzten Jagdjahr fast 30.000 Waschbären erlegt, in Sachsen waren es mehr als 15.000. Darauf reagieren die Tiere auf ihre Art: Sie bekommen mehr Nachkommen. Bildrechte: imago images / Nature Picture Library
Ein Fuchs nimmt ein Sonnenbad auf einer Wasserleitung in Berlin
Fuchs Die Tiere leben inzwischen selbst in dicht besiedelten Stadtbezirken. Die Allesfresser suchen dort selbst am Tag ihre Nahrung in Gärten, Parks und Mülltonnen. Die Tiere nerven unter anderem Gartenbesitzer, weil sie sich unter Zäunen hindurchbuddeln und Träger des Fuchsbandwurms sein können. Sorgen wegen Tollwut muss man sich kaum machen: Deutschland wird nach großangelegten Impf-Aktionen mit Fressködern als weitgehend tollwutfrei eingeschätzt. Bildrechte: imago images / Lars Reimann
Alle (6) Bilder anzeigen

Richtiges Verhalten

Die Städte glänzen förmlich mit Artenreichtum. Im Berliner Stadtgebiet gibt es beispielsweise zwei Drittel aller Vogelarten, die als Brutvögel in Deutschland vorkommen. Begegnungen mit Steinmardern, Waschbären, Füchsen, Wölfen, Wildschweinen und Rehen sind demzufolge nicht ungewöhnlich. Es ergeben sich daraus aber auch Ängste, wenn die Tiere beispielsweise keine Fluchtdistanz mehr haben.

Oder es kommt Ärger auf, weil der Rasen im Garten von Wildschweinen umgewühlt wurde oder Waschbären durch die Katzenklappe ins Haus eindringen. Häufig entsteht dann die Frage, wie man sich den Wildtieren gegenüber richtig verhält. Eva Goris sagte dazu dem MDR: "Ich sage mal, wenn sie ein Wildschwein sehen, das sich an ihrem Müll zu schaffen macht, dann sollten sie nicht unbedingt hingehen und versuchen, das Tier zu streicheln."

Waschbär
Auch Waschbären fühlen sich in deutschen Großstsädten pudelwohl. (Archiv) Bildrechte: The Comedy Wildlife Photography Awards 2020/Jill Neff

Wildtiere nicht füttern

Grundsätzlich gilt, dass Wildtiere nicht gefüttert werden sollten. Es empfiehlt sich, Mülltonnen zu verschließen und nach Möglichkeit in Garagen, Schuppen oder Kellerabteilen unterzustellen, um den Zugang für Wildtiere zu erschweren. Katzenklappen sollten nachts verschlossen werden, da auch sie ein Zutrittstor sein können. Seit ein paar Jahren boomt die Kleintierhaltung im urbanen Raum. Wer Hühner, Enten oder Kaninchen hegt und pflegt, sollte darauf achten, dass die Ställe ausreichend gesichert sind, damit Fuchs, Waschbär und Co. nicht eindringen können.

Anders verhält es sich bei Wildschweinen. Haben diese eine Mülltonne in ihre Mangel genommen, sollten Menschen das Schwarzwild in Ruhe lassen und sich bei der Umweltbehörde oder Polizei melden, damit diese den zuständigen Stadtjäger oder Förster informieren.

bri/mdr/nabu

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. Mai 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren