Brennender Eurofighter
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Nach Flugunglück in Mecklenburg-Vorpommern Tödlich verunglückter Eurofighter-Pilot befand sich in Weiterbildung

BRISANT | 25.06.2019 | 17:15 Uhr

Nach dem Absturz zweier Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern hat die Luftwaffe Details zu den beiden Piloten bekannt gegeben. Dem überlebenden Piloten gehe es "den Umständen entsprechend gut".

Brennender Eurofighter
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Er schwebe nicht in Lebensgefahr. Er befindet sich in gesundheitlich stabiler Lage in einem Rostocker Krankenhaus. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, sagte ein Presseoffizier des Geschwaders 73 "Steinhoff". Der Pilot war von Rettungsmannschaften lebend aus einem Baum geborgen worden. Der Oberstleutnant sei ein "erfahrener Eurofighter-Pilot und Fluglehrer" und habe bereits mehr als 3.500 Flugstunden absolviert. Bei dem tödlich verunglückten Piloten handelte es sich demnach um einen Oberleutnant. Dieser hatte der Luftwaffe zufolge seine Grundausbildung in Spanien erfolgreich abgeschlossen und befand sich in der "verbandsinternen Aus- und Weiterbildung" am Standort Laage.

Geschwader 73 "Steinhoff" bildet Piloten in Kampfjets aus

Wrackteil Eurofighter
Ein Wrackteil eines der abgestürzten Eurofighter liegt auf einem Parkplatz neben einem Sportplatz im Ort Nossentiner Hütte. Bildrechte: dpa

Beide Eurofighter gehörten zum Taktischen Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff" in Laage bei Rostock. Das Luftwaffengeschwader ist nach eigenen Angaben unter anderem für die Ausbildung aller Eurofighter-Piloten der Luftwaffe zuständig. In Laage findet nach Angaben des Sprechers "bis auf Weiteres" kein Flugbetrieb statt. Die anderen Eurofighter-Geschwader seien nicht betroffen. Die Crews müssten den Vorfall erst verarbeiten. Normalerweise starten die Eurofighter aus Laage etwa 20 Mal pro Tag, hieß es.

Bürgermeister kritisieren Tiefflüge über Müritz

Das Gebiet, in dem sie fliegen, könne dabei jeden Tag wechseln, da es von der Deutschen Flugsicherung zugewiesen werde. Manchmal werde wie am Montag über der Seenplatte geflogen, manchmal auch über Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Brandenburg, sagte der Sprecher. Der Geschwader-Kommodore Oberst Gero von Fritschen will den Angaben zufolge einen Auslandseinsatz vorzeitig beenden und auf den Stützpunkt zurückkehren. Die Flagge weht dort auf Halbmast. Der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD), hat sich prinzipiell für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen ausgesprochen. "Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden", sagte Möller. Sein Mitgefühl gelte den Familien der betroffenen Piloten, sagte der Bürgermeister. Man solle aber prüfen, ob gerade Tiefflüge über dem größten deutschen Binnensee und den umliegenden Gewässern abgehalten werden müssten.

Eurofighter-Wrackteil schlägt unweit von Spielgeräten ein

Auch die Bürgermeisterin von Silz und Nossentin, Almuth Köhler (CDU), wo eines der verunglückten Flugzeuge abstürzte, stellte ähnliche Forderungen. Am Morgen war ein Wrackteil in unmittelbarer Nähe eines Kindergartens gefunden worden. Ein Mitarbeiter der Gemeinde Nossentiner Hütte entdeckte das etwa einen halben Meter lange Bauteil auf einem benachbarten Sportplatz, nach Angaben der Kindergartenleiterin etwa 40 Meter entfernt von den Spielgeräten.

Mitarbeiter der Flugsicherheit der Bundeswehr untersuchen ein Wrackteil eines Eurofighters auf der Spielwiese eines Kindergartens.
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Ein Mitarbeiter der Flugsicherheit der Bundeswehr mit einem Schutzanzug trägt ein Trümmerteil auf einem Feld.
Ein Mitarbeiter der Flugsicherheit der Bundeswehr mit einem ABC-Schutzanzug trägt ein Trümmerteil auf einem Feld. Bildrechte: dpa

"Wir können von Glück reden, dass wir so davon gekommen sind", sagte sie. Einige der Kinder hätten den Absturz eines der beiden Kampfjets am Montag vom Fenster aus beobachtet. Bundeswehrangehörige bargen das zerbeulte Wrackteil, äußerten sich aber nicht zu dessen Funktion. Die beiden Eurofighter waren am frühen Montagnachmittag etwa 20 Minuten nach dem Aufsteigen zusammengestoßen und abgestürzt. Die Maschinen waren zusammen mit einem dritten Eurofighter auf einem Übungsflug, bei dem sie einen Luftkampf simulierten. Sie waren nach Angaben der Luftwaffe unbewaffnet. Die zum Teil brennenden Eurofighter fielen nach der Kollision in ein Waldstück nordöstlich des Fleesensees, eines Gewässers westlich der Stadt Waren an der Müritz.

Absturzregion zum "militärischen Sicherheitsbereich" erklärt

In beiden Fällen konnten die Piloten noch ihren Schleudersitz aktivieren. Der jüngere und unerfahrenere Pilot kam ums Leben, der Oberstleutnant wurde nach Angaben der Luftwaffe lebend aus einer Baumkrone gerettet. Die Flugunfalluntersuchung hat die Abteilung "General Flugsicherheit des Luftfahrtamts der Bundeswehr" übernommen. In der Nacht zum Dienstag suchten rund um die Absturzstellen etwa 300 Bundeswehrsoldaten teilweise mit Scheinwerfern und Nachtsichtgeräten nach Wrackteilen, wie ein Luftwaffen-Sprecher sagte. Zudem sicherten sie die Absperrung der zum militärischen Sicherheitsbereich erklärten Regionen ab. Die Suche wurde auch am Dienstag fortgesetzt. Ob bereits die Flugschreiber der Maschinen gefunden wurden, wollte der Sprecher mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Ein Feldjäger steht auf einer abgesperrte Straßen in der Nähe der Absturzstellen eines Eurofighters in der Nähe von Jabel.
Ein Feldjäger (Militärpolizist) steht auf einer abgesperrten Straßen in der Nähe der Absturzstellen eines Eurofighters in der Nähe von Jabel. Bildrechte: dpa

Nach Angaben der Luftwaffe gibt es in Deutschland insgesamt vier Eurofighter-Geschwader - neben Laage das Taktische Luftwaffengeschwader 31 "Boelcke" in Nörvenich/Kerpen in Nordrhein-Westfalen, das Luftwaffengeschwader 71 "Richthofen" im ostfriesischen Wittmund und das Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau (Oberbayern). Insgesamt verfügt die Luftwaffe demnach über 140 Eurofighter.

Verteidigungsministerium: Einsatzfähigkeit der Eurofighter bei 60 Prozent

Das Verteidigungsministerium hat Spekulationen über die Ursache des Unglücks zurückgewiesen. Die Einsatzfähigkeit der Maschinen sei inzwischen deutlich gestiegen und liege nun bei 60 Prozent, sagte ein Sprecher am Dienstag in Berlin. Wenn die Quote der einsatzbereiten Jets weiter Richtung 70 Prozent steige, sei Deutschland unter den besten Ländern. Bei der Wartung ist vor allem die Industrie gefordert. In jüngster Vergangenheit dauerten Wartung und Überholung der Flugzeuge nach Ministeriumsinformationen zu lange.

Dies wirkte sich auch auf die Zahl der verfügbaren Flugstunden aus. Weniger Flugstunden führten dazu, dass weniger Piloten einsatzfähig waren. Die Mindestzahl von 140 Flugstunden im Jahr und weiteren 40 Stunden in einem Simulator werde nicht unterschritten, sagte ein Sprecher. Die Eurofighter ist das sicherste Kampflugzeug in der Geschichte der Bundeswehr. Seit 2004 sei kein deutscher Eurofighter abgestürzt, hatte der Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, am Montag erklärt.

Eurofighter der österreichischen Luftwaffe
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Hintergrund: Der Eurofighter Der Eurofighter ist ein von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien entwickelter Kampfjet. Die Luftwaffe der Bundeswehr unterhält nach eigenen Angaben 140 Maschinen. Der typischerweise einsitzige Jet ist 15,9 Meter lang und fliegt mit zweifacher Schallgeschwindigkeit. Er kann sowohl für Luft-Luft- als auch für Luft-Boden-Kämpfe bewaffnet werden.

Um das einstige europäische Prestigeprojekt gab es unter anderem in Deutschland lange politische Diskussionen. So wurden neben den Anschaffungskosten von mehr als 100 Millionen Euro pro Jet mehrmals technische Mängel an dem Flugzeug kritisiert. Deutschland hatte 2015 deshalb die Abnahme weiterer Flugzeuge kurzfristig ausgesetzt.

Auf den Exportmärkten wird der Eurofighter als "Typhoon" vermarktet. Nach Hersteller-Angaben wurden bisher mehr als 500 Eurofighter an sieben Länder ausgeliefert.

Quellen: afp/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2019, 18:14 Uhr

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