Wirbelsturm wütet in Bocholt Tornado-Gefahr in Deutschland?

BRISANT | 05.06.2019 | 17:15 Uhr

In Bocholt hat in der Nacht auf Mittwoch (05.06.) eine sogenannte Windhose für erhebliche Schäden gesorgt - Experten bestätigten mittlerweile, dass es sich um einen Tornado gehandelt hat.

Animation eines Wirbelsturms. (Archiv)
Animation eines Wirbelsturms. (Archiv) Bildrechte: dpa

Eine Person verletzt

Wie ein Sprecher der Stadt sagte, ist ein Auto zehn Meter weit durch die Luft gewirbelt und ein Dach komplett abgedeckt worden. Insgesamt seien neun Häuser beschädigt und etwa 100 Bäume entwurzelt worden oder hätten schwere Schäden davongetragen. "Da hat eine lokale Windhose massiv gewütet", so der Sprecher weiter. Eine Person sei zudem leicht verletzt worden.

Krisenstab eingerichtet

Rund 90 Feuerwehrleute waren den Angaben zufolge in der Nacht über Stunden im Einsatz. Am Morgen setzten sie die Aufräumarbeiten fort. Auch Dachdecker waren bereits im Einsatz, um die schlimmsten Schäden zu beheben. Ein Krisenstab wurde eingerichtet.

"Das könnte ein Tornado gewesen sein", sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) nach dem Unwetter. Genauere Untersuchungen ergaben nun, dass der Sturm als Tornado eingestuft wurde. "Die Schäden, die wir da gesehen haben, können nur durch einen Tornado verursacht worden sein", so DWD-Experte Andreas Friedrich.

Rettungskräfte sind in der Nacht in Bocholt im Einsatz.
Schwere Schäden in Bocholt. Bildrechte: ---/Feuerwehr Bocholt/dpa

17 Tornados 2018 in Deutschland

Zerstörerische Wirbelstürme sorgen in Deutschland eher selten für Aufsehen: Im Mai 2018 war allerdings ein Tornado durch einen Ortsteil von Viersen am Niederrhein gefegt und hatte dort einen Millionenschaden angerichtet. Vor knapp drei Monaten schlug ein Tornado eine Schneise der Verwüstung im Eifel-Örtchen Roetgen.

Im Jahr 2018 verzeichnete der DWD bundesweit 17 Tornados, vier ereigneten sich in NRW. Die Dunkelziffern dürften weit darüber liegen, für eine genaue Radarmessung sind die Tornados laut DWD aber zu klein. Sie entstehen meist unter einer tiefen Wolkenbasis.

Warten auf das nächste schwere Unwetter

Insgesamt war das Gewitter, das in der Nacht über Nordrhein-Westfalen zog, jedoch schwächer als erwartet. Über Belgien und die Niederlande war es zuvor noch mit Böen von mehr als 100 km/h gezogen. Von mehreren wetterbedingten Einsätzen sprach auch die Polizei im Kreis Borken. In Xanten (Kreis Wesel) sperrte die Polizei wegen umgestürzter Bäume eine Straße.

Im Laufe des Mittwochs bleibe es laut DWD-Prognose zunächst ruhig. In der Nacht auf Donnerstag könnten dann aber von Südwesten her wieder schwere Unwetter mit Tornado-Potential aufziehen.

Das Dach eines Hauses ist in Bocholt beschädigt.
Das Dach eines Hauses in Bocholt ist schwer beschädigt. Bildrechte: ---/Stadt Bocholt/dpa

Aktuelle Gefahrenlage in Deutschland

Wer sich einen Überblick über die aktuelle Gefahrenlage in Sachen Tornados verschaffen will, kann das hier beim Deutschen Wetterdienst tun. Die dortigen Karten werden laufend aktualisiert.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Juni 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2019, 17:56 Uhr

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