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Viele Impfskeptiker warten auf einen Totimpfstoff, wie den von Novavax. (Themenbild) Bildrechte: imago images/Pixsell

Vakzine im ZulassungsverfahrenTotimpfstoffe - Das ist der Stand bei Novavax und Valneva

Stand: 15. Dezember 2021, 13:37 Uhr

In Deutschland ist die Zahl der Ungeimpften nach wie vor hoch. Viele der etwa 14 Millionen Menschen warten auf einen sogenannten Totimpfstoff, um sich gegen das Coronavirus immunisieren zu lassen. Doch warum? Lohnt sich das Warten auf Novavax und Valneva tatsächlich? Ein Überblick.

Knapp 40 Prozent der Ungeimpften in Deutschland sind nicht generell gegen eine Impfung, sondern einfach nur zögerlich und im Grunde sogar impfbereit. Das hat eine repräsentative Befragung des Cosmo-Projekts der Universität Erfurt und des Robert-Koch-Instituts (RKI) ergeben. Für einen Teil von ihnen könnten sogenannte Totimpfstoffe ein Weg sein, sich doch noch impfen zu lassen. Solche Vakzine gelten bei Impfskeptikern als sicherer, heißt es in der Auswertung der Cosmo-Befragung. Nicht zuletzt durch den Fall Kimmich bekam die Debatte über Totimpfstoffe zuletzt neues Futter.

Unterschiede zu mRNA- und Vektor-Impfstoffen

Zwei dieser Impfstoffe könnten in den kommenden Monaten in der EU zugelassen werden - Novavax und Valneva. Bei beiden Mitteln laufen derzeit die Zulassungsverfahren bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). Wann genau sie abgeschlossen sind, ist derzeit unklar. Bisher sind in der EU vier Impfstoffe gegen das Corona-Virus zugelassen. Und zwar die Präparate von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna werden mit der mRNA-Technologie hergestellt, die Mittel von Astrazeneca und Johnson & Johnson sind Vektorimpfstoffe. Novavax und Valneva funktionieren nach einem anderen Prinzip.

Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. (Themenbild) Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Wie funktioniert der Impfstoff von Valneva?

Der Impfstoff von Valneva enthält für die Immunisierung abgetötete Bestandteile des Coronavirus, die nicht mehr in der Lage sind, sich zu vervielfältigen. Damit nutzt er eine ähnliche Technologie wie Grippe-Impfstoffe und entspricht einem klassischen Totimpfstoff.

Was ist an Novavax anders?

Auch Novavax wird als Totimpfstoff bezeichnet. Zutreffender ist aber die Bezeichnung Proteinimpfstoff, der im Gegensatz zu den klassischen Totimpfstoffen mithilfe gentechnischer Methoden hergestellt wird. Novavax verwendet für sein Vakzin das sogenannte Spike-Protein von Sars-CoV-2 und reproduziert dieses massenhaft in Insektenzellen. Das menschliche Immunsystem bildet nach der Impfung damit Antikörper gegen das Protein und kann so eine Covid-19-Erkrankung abwehren.

Die genau Bezeichnung für Novavax wäre Protein-Impfstoff. (Themenbild) Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Wie ist die Wirksamkeit von Novavax und Valneva?

Beide Impfstoffe hatten in ersten Studien vielversprechende Ergebnisse geliefert. Im Oktober hatte Valneva "positive" Ergebnisse aus der klinischen Phase-3-Studie mit dem Impfstoff bekannt gegeben. Das Mittel sei dabei wirksamer als der Astrazeneca-Impfstoff, hieß es, und "im Allgemeinen gut verträglich". Novavax hat nach Herstellerangaben eine Wirksamkeit von rund 90 Prozent und schütze vor "moderaten und schweren" Krankheitsverläufen.

Wirksamer als mRNA- oder Vektorimpfstoffe?

Nach Angaben von Impfstoffexperte Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Charité Berlin, im Magazin "Der Spiegel" seien beide Mittel "gut verträglich". Direkt vergleichbare Daten zur Grundimmunisierung mit mRNA- und Vektorimpfstoffen würden aber noch fehlen. Übrigens lassen sich im Grunde auch mRNA- und Vektorimpfstoffe zu den Totimpfstoffen zählen, da sich ihre Bestandteile ebenfalls nicht vermehren können. Fachleute diskutieren daher, ob die Definition noch zeitgemäß ist.

Valneva und Novavax sollen nach Expertenangaben gut verträglich sein. (Themenbild) Bildrechte: imago images/Sven Simon

Boostern mit Totimpfstoffen?

Vergleichbare Daten zur Booster-Wirkung der Impfstoffe sind bereits verfügbar. Dafür gab es in Großbritannien eine großangelegte Studie. Zu den Ergebnissen sagt Sander im "Spiegel"-Bericht: "Alle Booster haben funktioniert". Die Auffrischungsimpfungen mit mRNA-Impfstoffen hätten jedoch mit Abstand am besten abgeschnitten. Sander zufolge gebe es keinen Grund, das Impfen aufzuschieben. Im Gegenteil: "Das größte Problem ist und bleibt das Warten, durch das Menschen eine Infektion in Kauf nehmen, die sie oder andere womöglich mit schwerer Krankheit oder ihrem Leben bezahlen", so Sander weiter.

Novavax- und Valneva-Dosen für die EU

Bereits vor der Zulassung der neuen Impfstoffe hat die EU-Kommission einen Liefervertrag mit Valneva geschlossen. Wie die Kommission schon im November mitteilte, sieht die Vereinbarung die Lieferung von bis zu 60 Millionen Corona-Impfdosen in den kommenden beiden Jahren vor, wenn die EMA das Mittel tatsächlich zulässt. Auch mit Novavax hat die EU-Kommission bereits einen Kaufvertrag über bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen in diesem und im kommenden Jahr geschlossen. Außerdem enthält der Vertrag eine Option auf 100 Millionen weitere Impfdosen in den Jahren 2021, 2022 und 2023.

DieEU hat zahlreiche Dosen von Valneva und Novavax bereits vorbestellt.(Themenbild) Bildrechte: imago images/TT

Novavax und Valneva gelten aber vor allem in ärmeren Ländern als Hoffnungsträger. Nicht wegen ihrer Wirkungsweise, sondern vor allem, weil sie sich - anders als beispielsweise das Präparat von Biontech/Pfizer - bei Kühlschranktemperatur lagern lassen.

(BRISANT/dpa/afp)

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