Tropische Zecken
Links: Holzbock - rechts: Hyalomma marginatum Bildrechte: IMB / Lidia Chitimia-Dobler

Jetzt auch in Deutschland Neue Krankheiten im Gepäck: Experten warnen vor Tropen-Zecken

BRISANT | 22.08.2018 | 17:15 Uhr

Der heiße, trockene Sommer hat viele Nebenwirkungen. Eine davon: In Deutschland sind neue, tropische Zecken-Arten entdeckt worden. Die Hyalomma sind größer und schneller. Und sie haben neue Krankheiten im Gepäck!

Tropische Zecken
Links: Holzbock - rechts: Hyalomma marginatum Bildrechte: IMB / Lidia Chitimia-Dobler

Etwas fünf Mal so groß wie der heimische Holzbock, die Beine auffällig gestreift  und ziemlich schnell: Die Tropen-Zecke, die Hyalomma, ist zum ersten Mal in Deutschland aufgetaucht. Gefunden wurden Exemplare im Raum Hannover, in Osnabrück und in der Wetterau. Vermutlich wurden sie über Vögel eingeschleppt, an denen sich die Larven und Nymphen der Zecken festbeißen. Und es werden nicht die einzigen bleiben.

Wenn man jetzt sieben oder acht Zecken findet, heißt das noch lange nicht, dass das die einzigen Zecken sind in Deutschland. Und die Tiere vermehren und verbreiten sich halt sehr schnell.

Diplom-Biologe Dr. Peter Hagedorn | Robert Koch-Institut

Hyalomma sind Jäger!

Erwachsene Tropen-Zecken bevorzugen große Beutetiere. Hunde, Schafe, Rinder, Pferde gehören dazu - und eben auch Menschen. Und Hyalomma sind Jagdzecken. "Das 'omma' steht für Auge", sagt die Parasitologin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim. "Das heißt, die Tiere können Sie sehen. Sie laufen auf Sie zu und sind dadurch auch viel agiler also viel schneller."

Sie sehen uns, können auf uns aus bis zu zehn Meter Entfernung reagieren. Und die Tiere können uns durchaus auf einer Distanz von bis zu einhundert Metern verfolgen.

Parasitologin Ute Mackenstedt | Uni Hohenheim

Überträger des mitunter tödlichen Krim-Kongo-Fiebers

Alle Zecken können Krankheiten übertragen. Jede Zeckenart ist auf bestimmte Erreger spezialisiert. Bei den bisher untersuchten Hyalomma aus Deutschland fanden die Wissenschaftler ein Bakterium, das Fleckfieber auslösen kann. Die Krankheit ist gut mit Anibiotika zu behandeln. Doch Tropen-Mediziner kennen Hyalomma auch als Überträger des Krim-Kongo-Fiebers. "In den meisten Fällen hat man leichte Verläufe mit Fieber, Bauchschmerzen, Übelkeit", erklärt der Tropenmediziner Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. In einigen Fällen verläuft die Krankheit aber auch tödlich.

Diese Erkrankung kann mit schweren Blutungen einhergehen, die dann letztendlich zum Tod führen, weil man einfach verblutet.

Tropenmediziner Prof. Jonas Schmidt-Chanasit | Bernhard-Nocht-Instituts

Am Institut für Tropenmedizin in Tübingen beobachtet man die neuen Zecken aufmerksam. Grund zum Alarm sehen die Experten aber nicht. "In der Summe ist die Wahrscheinlichkeit, dass man eine solche Infektion durch eine Zecke, die sich hier befindet, bekommt, sehr gering", erklärt Alfred L. Bissinger.

So können Sie sich schützen

Hyalomma kommen in heißen Gegenden vor, in Europa bislang vor allem in der Türkei und im Kosovo, aber auch in Teilen Spaniens. Normalerweise ist es ihnen hierzulande zu kalt und die Tiere sterben. Das ist in diesem Sommer anders. Bei der tropischen Wärme fühlen sich die Zecken auch im Norden wohl. Um sich zu schützen, sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen angebracht.

Ein Mann sitzt im Schneidersitz im Wald. 5 min
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  • Sie können verhindern, dass die Tiere zustechen, indem Sie beispielsweise Socken über die Hosenbeine stülpen. So können die Zecken nicht in die Hosenbeine hineinlaufen.
  • Sie sollten sich aufmerksam anschauen und Tiere absammeln wenn Sie draußen waren.
  • Sie können mit Substanzen arbeiten, die Zecken nicht besonders attraktiv finden. Gängige Insektenschutzmittel etwa helfen auch gegen die Tropen-Zecke.
  • Bei einem Biss das Tier so schnell wie möglich entfernen, damit es seine Krankheitserreger nicht weitergeben kann.

Bei Symptomen zum Arzt

Erkrankte müssen streng isoliert werden. Denn wird das Virus nicht durch die Zecke, sondern durch das infizierte Blut eines Menschen übertragen, ist es fast immer tödlich. "Wenn man beispielsweise in der Türkei von einer Zecke gebissen wurde und Symptome bekommt, dann sollte man natürlich zum Arzt gehen", rät Prof. Schmidt-Chanasit. "Dann wird eine Diagnostik veranlasst. Wenn diese positiv ist, kann man durch eine Medikamentengabe einen schweren Verlauf verhindern."

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. August 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2018, 21:39 Uhr