Radioaktive Belastung? Kaum Löscherfolge: Waldbrände um Tschernobyl dauern an

Seit gut zwei Wochen brennt es in der radioktiv belasteten Sperrzone rund um den havarierten Reaktor des Atomkraftwerks von Tschernobyl. Die Angaben der ukrainischen Behörden sind widersprüchlich - sowohl in Sachen Löschfortschritte als auch hinsichtlich der radioaktiven Belastung.

Tschernobyl
Seit über zwei Wochen dauern die Waldbrände in der radioaktiv belasteten Sperrzone von Tschernobyl an. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Seit gut zweieinhalb Wochen brennt und schwelt es in den Wäldern rund um das 1986 havarierte Atomkraftwerk von Tschernobyl - nach offiziellen Angaben der ukrainischen Behörden ist eine Fläche von 11.500 Hektar abgebrannt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht sogar von mehr als dem Vierfachen aus.

Waldbrand in Tschernobyl
Laut offiziellen Angaben der ukrainischen Behörden ist mittlerweile eine 11.500 Hektar große Fläche abgebrannt. Bildrechte: dpa

Brände um Tschernobyl noch nicht gelöscht

Nachdem es von ukrainischer Seite immer wieder hieß, dass die Einsatzkräfte die Löscharbeiten im radioaktiv belasteten Gebiet im Griff hätten, lässt die Deutsche Presseagentur jetzt wissen, dass dem wohl nicht so ist. Nach Angaben des Katastrophenschutzes kämpften am Dienstag (21. April 2020) mittlerweile 1.400 Feuerwehrleute gegen mindestens sechs Schwelbrände. Unterstützt von schwerer Technik der Armee seien inzwischen über 400 Kilometer Brandschutzschneisen geschlagen worden. Löschhubschrauber unterstützen die Arbeit.

In der benachbarten Region Schytomyr sind an der Grenze zur Ex-Sowjetrepublik Belarus weitere 1.000 Feuerwehrleute im Einsatz. Dort sind am Donnerstag ausgebrochene Waldbrände auf Dörfer übergegriffen und haben 38 Wohnhäuser zerstört. Etwa 50 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

Technische Unterstützung auch aus Deutschland

Unterstützung im Kampf gegen die Flammen gab es auch von deutscher Seite. 80 Dosimeter zur Messung der Radioaktivität und rund 15 Kilometer Feuerwehrschläuche, sollen der Ukraine zur Verfügung gestellt worden sein, wie die deutsche Botschaft in Kiew mitteilte. Zudem werde ein für Wald- und Vegetationsbrände ausgestattetes Tanklöschfahrzeug angeschafft.

Radioktivität weiterhin unterhalb der Grenzwerte?

Die ukrainischen Behörden versicherten erneut, dass die Radioaktivität in den an das Sperrgebiet angrenzenden besiedelten Gebieten weiterhin unterhalb der Grenzwerte liege. In der Vergangenheit hatte es dazu unterschiedliche Angaben gegeben.

In der knapp 70 Kilometer vom Sperrgebiet entfernten Hauptstadt Kiew hält sich aufgrund der Brände dichter Smog. Die Stadtverwaltung hat dazu geraten, die Fenster zu schließen und nicht auf die Straße zu gehen. Eine erhöhte Radiaktivität soll die Dreimillionenstadt jedoch nicht verzeichnen.

Die internationale Ärzteorganisation zur Verhinderung eines Atomkriegs IPPNW warnte indes vor einer Verharmlosung der Lage in und um Tschernobyl. Es gebe radioaktive Wolken über der Ukraine. "Bei ungünstiger Wetterlage und Windrichtung könnte auch der Rest Europas, könnte auch Deutschland von den radioaktiven Wolken betroffen sein."

Autos fahren auf einer Straße in Kiew durch  Smog
Durch die Brände ist Kiew in dichten Smog gehüllt. Die radioaktiven Werte sollen nicht erhöht sein. Bildrechte: dpa

Ursache Brandstiftung?

Bereits in den Vorjahren ist es immer wieder zu Feuern in den unbesiedelten Gebieten der Sperrzone rund um den Reaktor von Tschernobyl gekommen. Als Ursache wurde meist Brandstiftung vermutet - auch dieses Mal. Die Polizei hat mehrere Anwohner festgenommen, weil sie Laub, Zweige und Gras angezündet haben sollen. In mindestens einem Fall gehen Lokalaktivisten von gezielter Brandstiftung aus. Ob kleine Gartenfeuer einen derart großen Brand verursachen konnten, ist allerdings fraglich.

Tschernobyl - größte Atomkatastrophe in der Geschichte der Kernkraft

Nach der Explosion von Block vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl sind radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt worden. Die Havarie im Jahr 1986 gilt bis heute als größte Atomkatastrophe in der zivilen Nutzung der Kernkraft. Es gab Tausende Tote und Verletzte, Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Seit mehreren Jahren ist das Gebiet für geführte Touristengruppen zugänglich. Zuletzt ist die Katastrophe von Tschernobyl in der gleichnamigen und mehfach prämierten Miniserie "Tschernobyl" thematisiert worden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. April 2020 | 17:15 Uhr

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