Tödlicher Unfall in Berlin Polizist soll betrunken gewesen sein

BRISANT | 06.02.2019 | 17:15 Uhr

Vor einem Jahr fährt ein Streifenwagen in Berlin in das Auto einer 21-Jährigen. Die junge Frau stirbt. Gegen den Polizisten am Steuer läuft ein Gerichtsverfahren. Nun stellt sich heraus: Er soll betrunken gewesen sein.

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall am Alexanderplatz im Januar 2018 mit einem Polizeiauto gibt es neue Erkenntnisse. Der Polizist am Steuer soll betrunken gewesen sein. Das schreibt die "Berliner Morgenpost" am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte: "Es besteht der Verdacht, dass der Fahrer beim Unfall alkoholisiert war." Die Nebenklagevertretung habe anonyme Hinweise bekommen. Die Staatsanwaltschaft habe daraufhin Patientenakten beschlagnahmt, aus denen hervorgehe, dass der Fahrer zum Zeitpunkt der Blutentnahme im Krankenhaus alkoholisiert war.

Crash mit mindestens 90 km/h

Es ist Montagmittag, der 29. Januar 2018. Ein Raubüberfall wird gemeldet, der sich später als falscher Alarm herausstellt. Ein Einsatzfahrzeug mit zwei Beamten macht sich auf den Weg, rast mit Blaulicht durch die Stadt. Der Polizeiwagen ist auf der äußersten linken Spur unterwegs. Damit fährt er direkt an den Parkbuchten entlang, wo eine 21-Jährige gerade einparkt. Die junge Frau ist auf Behördentour - zwei Tage später will sie ihr Café nahe dem Checkpoint Charlie eröffnen.

Nach bisherigen Ermittlungen soll das Polizeiauto im rechten Winkel auf den Renault der jungen Fabien M. gekracht sein. Das Polizeiauto soll im Moment des Aufpralls mindestens Tempo 90 gefahren sein, zuvor sollen die Polizisten sogar mit 134 km/h durch die Stadt gerast sein.
Die Fahrerin des Renaults stirbt noch am Unfallort. Die beiden Polizisten werden schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Dort sei beim Fahrer ein Alkoholwert von etwa 1,0 Promille festgestellt worden. Noch sei allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen, dass der Beamte auch schon zum Unfallzeitpunkt betrunken war. In der "Morgenpost" ist allerdings von "anonymen Hinweisen" die Rede, dass der Fahrer auch schon betrunken war, als der tödliche Unfall passierte.

Polizeipräsidentin: "Verdacht erschüttert"

Die Polizei schrieb am Mittwochmorgen auf Twitter, dass neue Erkenntnisse zu dem Unfall vorlägen. "Der Unfall war entsetzlich, an Schwere kaum zu übertreffen."

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik erklärte in dem kurzen Statement: "Ich sichere der Familie zu, dass ich mit vollem Nachdruck und rückhaltlos alles zur Aufklärung Erforderliche beitragen werde."

Ermittlungen wegen Straßenverkehrsgefährdung in Folge von Trunkenheit

Durch diese neue Erkenntnis werde gegen den Fahrer des Polizeiwagens jetzt nicht nur wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, sagt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Silke Becker. Dazu komme nun auch der Verdacht der Straßenverkehrsgefährdung in Folge von Trunkenheit. Auf welche Weise sich dadurch ein mögliches Strafmaß verändert, sei allerdings pauschal nicht vorherzusagen. Das würde von der jeweiligen Person und den Umständen abhängen.

Berlin: Polizisten und Feuerwehrmänner arbeiten an einem Unfallort, an dem ein Polizeifahrzeug während eines Einsatzes mit einem weiteren Auto zusammenprallte.
Rettungskräfte sichern die Unfallstelle in der Grunderstraße (Archiv) Bildrechte: dpa

Familie der 21-Jährigen fassungslos

Die Eltern von Fabien M. fühlen sich vom Staat alleingelassen. Eine Erfahrung, die auch Angehörige anderer Unfallopfer gemacht haben. "Wir sind bestrebt, dass Ermittlungsverfahren, das für die Angehörigen unerträglich ist, so schnell wie möglich zu Ende zu bringen", erklärte Silke Becker von der Staatsanwaltschaft. Vom Fahrer des Polizeiwagens liege zu der jetzt bekannt gewordenen Trunkenheit noch keine Aussage vor. Nun gehe es darum, die Erkenntnisse zu verifizieren.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2019, 19:52 Uhr

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