Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
Ein Mitglied der "Freien Kameradschaft Dresden" wird aus dem Amtsgericht Dresden geführt. Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

Internet-Zugang im Gefängnis, Liebschaft mit Schöffin Unglaubliche Pannen im Prozess gegen Neonazis in Sachsen

BRISANT | 09.11.2018 | 17:15 Uhr

Der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" läuft schon seit mehr als einem Jahr. Nun hat eine Schöffin eingeräumt, mit dem Hauptbeschuldigten Benjamin Z. eine Beziehung gehabt zu haben. Doch damit nicht genug.

Zwei maskierte Polizisten bringen einen Festgenommenen aus dem Amtsgericht Dresden.
Ein Mitglied der "Freien Kameradschaft Dresden" wird aus dem Amtsgericht Dresden geführt. Bildrechte: MDR/TeleNewsNetwork

Nach mehr als einem Jahr Prozess gegen Mitglieder der "Freien Kameradschaft Dresden" ist das Verfahren am Landgericht Dresden bis zum kommenden Freitag ausgesetzt worden. Hintergrund sind mehrere Befangenheitsanträge der Strafverteidiger gegen Schöffen, Richter und Ergänzungsrichter.

Verhältnis mit einer Schöffin

Auslöser der Befangenheitsanträge sind Recherchen des MDR-Magazins "exakt", wonach der Hauptbeschuldigte Benjamin Z. ein Verhältnis zu der Schöffin im Verfahren hatte. Wie MDR "exakt" aus Kreisen der Verfahrensbeteiligten erfuhr, hat die Schöffin das Verhältnis schon vor einiger Zeit gegenüber dem Ergänzungsrichter und einem weiteren Schöffen offenbart. Beide sollen diese verfahrensrelevanten Informationen aber nicht weitergegeben haben. Das Verhältnis zwischen Benjamin Z. und der Schöffin soll in die Zeit der vorgeworfenen Taten reichen.

Internet-Zugang im Gefängnis

Zuvor hatte das Magazin berichtet, dass sich auf einem beschlagnahmten Tablet-Computer des Rechtsextremisten Hinweise auf eine Affäre befinden. Das Gerät wurde im Juli in der JVA Torgau beschlagnahmt, nachdem Benjamin Z. monatelang heimlich über das Internet Kontakt zu Kameraden hielt und versuchte, Zeugenaussagen zu beeinflussen. Das mit der Auswertung des Datenträgers beauftragte Landeskriminalamt hatte in den Textdateien keine verfahrensrelevanten Hinweise entdecken können.

In dem seit mehr als einem Jahr laufenden Verfahren sind fünf Männer und eine Frau wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion angeklagt. Darunter befindet sich der mutmaßliche Rädelsführer der Neonazi-Gruppierung.

Das Landgericht Dresden. Hier hat auch die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ihren Sitz.
Benjamin Z. muss sich vor dem Landgericht Dresden u.a. wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung verantworten Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. November 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2018, 21:04 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren