Tochter hat Leukämie Kollegen spenden Urlaubstage und Überstunden an Mutter in Not

Urlaubstage und Überstunden sind ein wichtiger Ausgleich für geleistete Arbeit. Dennoch gibt es hin und wieder Kollegen, die bezahlten Urlaub in Notsituationen dringender brauchen. Hier kommt die Urlaubsspende ins Spiel.

Frei - Schriftzug und Smiley in einem Terminkalender.
Urlaubstage lassen sich unter bestimmten Voraussetzungen an Kollegen spenden. Bildrechte: imago images / imagebroker / begsteiger

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Daniela Berlit ist eine fürsorgliche Mutter. Die 38-Jährige nimmt sofort ihren ganzen Jahresurlaub, als ihre vierjährige Tochter Fiona an Leukämie erkrankt. Die Mutter kümmert sich um ihr schwerkrankes Kind, doch das geht nicht unbegrenzt. Daniela Berlit müsste eigentlich zurück in den Job, da sie auf das Gehalt angewiesen ist, doch dann passiert etwas bemerkenswertes: Danielas Kollegen aus dem Unternehmen sammeln Überstunden und Urlaubstage, um sie an ihre Kollegin zu spenden.

Kollegen spenden mehr als vier Jahre Urlaub

Den Anstoß für die Aktion gab Daniela Berlits Freundin und Kollegin Claudia Seelentag: "Ich konnte ihr ja die die Sorge und den Kampf gegen den Krebs nicht abnehmen. Aber ich konnte eine Lösung suchen, wie ich (...) eine andere Sicherheit geben kann." Die Resonanz war enorm. 429 Mitarbeiter der Firma, in der Daniela Berlit arbeitet, spendeten letztlich mehr als viereinhalb Jahre bezahlten Urlaub. "Das hat wahnsinnig geholfen. Die erste Zeit ist es einfach nur so, dass man einfach nur fällt und fällt und fällt. Und wenn auf einmal ganz viele Hände da sind, die einen auffangen (...), dann tut das sehr, sehr gut", sagte Daniela Berlit zur Unterstützung ihrer Kollegen.

Arbeitgeber gründet Zeitfonds

Die hinzugewonnene Urlaubszeit hat Daniela Berlit auf jeden Fall genutzt. Inzwischen ist ihre Tochter Fiona krebsfrei, auch wenn sie weiter Medikamente einnehmen muss - mindestens noch für zwei Jahre. Dennoch kann Mutter Daniela im November voraussichtlich zurück zur Arbeit. Die restlichen dreieinhalb Jahre Urlaub werden vom Arbeitgeber in einem Zeitfonds gesammelt - falls mal wieder Mitarbeitende in eine Notsituation geraten.

Urlaubsspende - Wie geht das?

Grundsätzlich gibt es keine Regelung, die eine Übertragung von Urlaubstagen oder Überstunden vorsieht oder untersagt. Deshalb können solche Vereinbarungen mit dem Einverständnis des Arbeitgebers durchaus getroffen werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass eine Übertragung des gesetzlichen Mindesturlaubs unzulässig ist. Bei einer Fünf-Tage-Woche sind das mindestens 20 Tage pro Jahr, die nicht übertragen werden können. Zudem dürfen Überstunden nur gespendet werden, wenn sie nicht nach der täglichen Höchstarbeitszeit entstanden sind. Generell ist es ratsam, schriftliche Vereinbarungen über die Spenden zu treffen. Auch die Einverständniserklärung des Arbeitgebers sollte schriftlich vorliegen.

(BRISANT/rnd)

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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