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Für wen ist das Risiko, an Post oder Long Covid zu erkranken, besonders hoch? Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Mögliche UrsachenLong Covid - Wer ist besonders gefährdet?

Stand: 29. Juni 2022, 17:17 Uhr

Ist die Corona-Infektion überstanden, geht das Leiden für einige Betroffene weiter: mit Long oder auch Post Covid. Wen die lang andauernden Folgen einer Covid-19-Erkrankung am häufigsten treffen, dazu gibt es mittlerweile verschiedene Studien. Ein Überblick.

Fatigue, Kurzatmigkeit, Gedächtnisstörungen, trockener Husten, Kopf- und Muskelschmerzen: Weshalb sich die Corona-Erkrankung für manche Betroffene über Monate hinzieht, das ist bis heute nicht bekannt. Dafür geben mittlerweile Zahlen darüber Auskunft, welche Menschen besonders häufig von Long Covid betroffen sind.

Menschen mit schwerem und mildem Covid-19-Verlauf von Long Covid betroffen

Etwa die Hälfte der Menschen, die wegen eines schweren Covid-19-Verlaufs im Krankenhaus oder sogar intensivmedizinisch betreut werden musste, ist nach der Genesung nicht fit. Obgleich die eigentliche Erkrankung überstanden ist, haben sie mit länger andauernden oder sogar dauerhaften Beschwerden zu kämpfen.

Auch Menschen mit einem leichten Corona-Verlauf sind vor Long Covid nicht gefeit. Zwischen fünf und 30 Prozent der Betroffenen leiden unter Langzeitfolgen.

Long Covid kann auch Menschen erwischen, die nur leichte Corona-Symptome hatten. Bildrechte: IMAGO / Martin Wagner

Eine Frage des Alters?

Lang anhaltende Beschwerden nach einer Corona-Infektion können Menschen jeden Alters treffen - auch Kinder. Einer Studie aus Großbritannien zufolge treten Long-Covid-Symptome jedoch am häufigsten bei Patienten zwischen 35 und 49 Jahren (27 Prozent) auf, dicht gefolgt von den 50- bis 69-Jährigen (26 Prozent) und den Ü-70-Jährigen (18 Prozent).

Frauen leiden häufiger als Männer an Long Covid

Frauen erkranken seltener schwer an Covid-19 als Männer. Bei Long Covid scheint es genau andersherum zu sein. Gleich mehrere Studien zeigen, dass Frauen, insbesondere zwischen 40 und 60 Jahren, ein größeres Risiko dafür haben als Männer gleichen Alters.

Wissenschaftler mutmaßen, dass der Grund dafür im weiblichen Immunsystem liegt. Denn das neigt eher dazu, gegen den eigenen Körper zu arbeiten, als das von Männern.

Frauen sind häufiger als Männer von Long Covid betroffen. Bildrechte: IMAGO / Rolf Poss

Autoantikörper im Blut erhöhen Long-Covid-Risiko

In eine ähnliche Richtung zielt folgende Beobachtung: Personen, die während oder nach der Corona-Diagnose Antikörper im Blut haben, die sich gegen körpereigene Zellen oder Gewebe richten, sogenannte Autoantikörper, haben ein höheres Risiko für Long Covid.

Hohe Viruslast zu Beginn der Erkrankung erhöht Risiko für Long Covid

Infizierte, die zu Beginn ihrer Covid-19-Erkrankung eine besonders hohe Viruslast in sich tragen, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für einen chronischen Verlauf.

Die Betroffenen könnten sich mit einer besonders großen Virusmenge angesteckt haben oder aber ihre Immunabwehr konnte das Virus nicht ausreichend kontrollieren. Mittlerweile gibt es Medikamente, die die Viruslast senken können.

Mehr Krankheitssymptome, höheres Risiko

Mithilfe einer COVID-App, deren Nutzer Daten zu Krankheitssymptomen angegeben haben, konnten britische Wissenschaftler feststellen: Covid-19-Erkrankte, die in der ersten Krankheitswoche mehr als fünf Symptome festgestellt haben, leiden dreieinhalb mal häufiger an Long Covid als Menschen mit weniger Symptomen.

Welche Rolle spielen Vorerkrankungen?

Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind durch das Coronavirus besonders gefährdet. Das scheint auch für Long Covid zu gelten.

Asthma, psychische Erkrankungen, Adipositas und ein Diabetes-Typ-2 erhöhen ebenfalls das Long-Covid-Risiko. Ein Grund dafür könnte sein, dass einige dieser Vorerkrankungen Entzündungsprozesse fördern.

Impfstatus und mehrfache Infektionen

Impfungen scheinen nicht nur vor einem schweren Krankheitsverlauf, sondern auch sehr effektiv vor langfristigen Folgen einer Erkrankung zu schützen. Zu diesem Ergebnis kommen gleich mehrere Studien. Mehr als die Hälfte der infizierten Personen, die zuvor zweimal gegen das Virus geimpft worden sind, berichteten seltener über die typischen Long-Covid-Symptome.

Eine Untersuchung aus Großbritannien hat ergeben: Selbst nach der Erkrankung soll eine Corona-Impfung Long-Covid-Symptome lindern können.

Verlust von Darmflora

Auch die Zusammensetzung des Darmmikrobioms (umgangssprachlich als Darmflora bezeichnet) kann dafür verantwortlich sein, ob eine vormals mit Sars-CoV-2 infizierte Person Long Covid entwickelt.

Menschen, die während einer akuten Corona-Infektion an Fülle und Vielfalt ihres Darmmikrobioms verlieren, tragen ein höheres Risiko für lang anhaltende Beschwerden. Zu diesem Ergebnis sind Forschende der Chinese University of Hong Kong gekommen.

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Dieses Thema im Programm:Das Erste | BRISANT | 20. Mai 2022 | 17:15 Uhr