Behörden beraten über weiteres Vorgehen Vergewaltigungsfall von Mülheim wirft viele Fragen auf

BRISANT | 09.07.2019 | 17:15 Uhr

Fünf Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren sollen in Mülheim eine Frau vergewaltigt haben. Zur Schule werden sie vor den Ferien nicht mehr gehen. Über das weitere Vorgehen stimmen sich Behörden jetzt ab.

In der Nähe dieses Spielplatzes ist eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden.
In der Nähe dieses Spielplatzes soll eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden sein. Bildrechte: dpa

Zuständigkeiten auf dem Prüfstand

Im Mülheimer Vergewaltigungsfall mit fünf minderjährigen Tatverdächtigen wollen Polizei und Stadt am Dienstag (09.07.) ihr weiteres Vorgehen besprechen. Es gehe darum, sich gegenseitig zu informieren und um nachvollziehen zu können, wer welche Aufgaben übernimmt. An dem Gespräch sollten unter anderem Oberbürgermeister Ulrich Scholten (SPD), Vertreter des Jugendamts und Vertreter der Polizei teilnehmen. Hier gibt es die Mitteilung der Staatsanwaltschaft Duisburg zum Fall.

14- und 12-Jährige werden verdächtigt

Drei 14-Jährige und zwei 12-Jährige stehen im Verdacht, eine junge Frau am vergangenen Freitag (05.07.) in einem Waldstück vergewaltigt zu haben. Nachdem zunächst alle fünf wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, kam am Montag (08.07.) einer der drei 14-Jährigen wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Er soll bereits im strafunmündigen Alter wegen zwei sexuellen Belästigungen aufgefallen sein, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Verdächtige dürfen vorerst nicht zur Schule

Die Bezirksregierung Düsseldorf erklärte, dass die fünf Verdächtigen bis zu den Sommerferien ihre Schulen in Mülheim nicht mehr besuchen werden. "Entsprechende Verfügungen werden derzeit vorbereitet", hatte eine Behördensprecherin mitgeteilt. Alle Verantwortlichen würden die Sorgen der Eltern der Mitschüler sehr ernst nehmen.

Herabsetzen des Alters für Strafmündigkeit?

Angesichts des jungen Alters der Tatverdächtigen hatte unter anderem der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, gefordert, das Alter für die Strafmündigkeit in Deutschland auf 12 Jahre herabzusetzen.

Deutscher Richterbund hält an Regelung fest

Der Deutsche Richterbund wies das Ansinnen zurück. "Die Gleichung mehr Strafrecht gleich weniger Kriminalität geht bei den Jugendlichen nicht auf", teilte der Vorsitzende Jens Gnisa mit. Das Jugendstrafrecht habe sich im Grundsatz bewährt. "Es hat durch den darin niedergelegten Erziehungsauftrag zu einem deutlichen Rückgang der Jugendkriminalität geführt", so Gnisa. Man sehe daher auch keine Notwendigkeit, das Alter für Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre herabzusetzen.

Interview: Wie konnte es zu der Tat kommen?

Auch Kinder-Psychotherapeut Christian Lüdke aus Essen sieht diese Notwendigkeit nicht, plädiert aber für ein entschiedenes Vorgehen auch bei sehr jungen Straftätern im Einzelfall. Das hat er in einem Interview mit dem WDR deutlich gemacht. Zum kompletten Interview (Audio) geht es hier.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 09. Juli 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2019, 18:04 Uhr

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