Achtung, Rötelmaus! So gefährlich ist das Hantavirus

BRISANT | 19.07.2019 | 18:10 Uhr

Staubige Schuppen, Garagen oder Waldhütten - überall dort können Sie sich in mehreren Regionen Deutschlands mit dem sogenannten Hantavirus anstecken. Das Risiko ist dieses Jahr höher - aber warum?

Rötelmaus oder Waldwühlmaus
So niedlich und doch gefährlich: Die Rötelmaus überträgt das Hantavirus. (Archiv) Bildrechte: IMAGO

"2019 ist ein Ausbruchsjahr"

Wo sich Rötelmäuse wohlfühlen, lauert womöglich auch der Erreger: In diesem Jahr könnten laut Experten in bestimmten Gebieten Deutschlands wieder überdurchschnittlich viele Menschen am Hantavirus erkranken. "2019 ist ganz deutlich ein Ausbruchsjahr", sagt Mirko Faber, Wissenschaftler am Robert Koch-Institut in Berlin (RKI). Seit Januar wurden dem Institut gut 460 Fälle gemeldet. Besonders betroffen sind Faber zufolge die Schwäbische Alb, die Räume Stuttgart und Osnabrück, Unterfranken, der Bayerische Wald, der Osten Hessens, der Westen Thüringens und das Münsterland.

Starke Schwankungen von Jahr zu Jahr

Der aktuelle Ausbruch sei aber bisher nicht mit dem starken Hantavirus-Jahr 2012 vergleichbar, so Faber. Damals wurden im gleichen Zeitraum mehr als 1.100 Fälle registriert, im gesamten Jahr der bisherige Rekordwert von rund 2.800 Infektionen. Starke Schwankungen von Jahr zu Jahr seien beim Hantavirus üblich.

Maus ist nicht gleich Maus

Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend.
Die Rötelmaus Myodes glareolus ist größer als die Hausmaus, man erkennt sie an ihrer rötlich braunen bis fuchsroten Oberseite. Sie frisst Samen, Kräuter, Früchte und Baumrinde, aber auch Insekten und Würmer. Außerdem ist die Rötelmaus Haupt-Überträger von Hantaviren. Bildrechte: imago/blickwinke
Rötelmaus, auf Waldboden sitzend, eine Nuss fressend.
Die Rötelmaus Myodes glareolus ist größer als die Hausmaus, man erkennt sie an ihrer rötlich braunen bis fuchsroten Oberseite. Sie frisst Samen, Kräuter, Früchte und Baumrinde, aber auch Insekten und Würmer. Außerdem ist die Rötelmaus Haupt-Überträger von Hantaviren. Bildrechte: imago/blickwinke
Gelbhalsmaus, auf dem Waldboden sitzend und eine Buchecker fressend.
Die Gelbhalsmaus Apodemus flavicollis ist auf dem Rücken rostbraun und auf dem Bauch blendendweiß. Sie hat ein gelbes "Halsband" und ihr Schwanz ist länger als ihr Körper. Sehr unbeliebt in Gebäuden, denn sie zerfrisst mit Vorliebe Leitungen. Außerdem überträgt auch sie das Hantavirus. Bildrechte: imago/blickwinke
Eine Feld-Waldmaus mit Eichel im Maul
Die Feldmaus Microtus arvalis. Frisst am liebsten Wurzeln, schädigt besondes Hain-, Rotbuche und Wildobstbäume am Stamm. Zyklische Massenvermehrung alle drei bis vier Jahre. Hauptspeise für Eulen, Taggreifer und Säuger. Bildrechte: IMAGO
Haselmaus
Die winzige Haselmaus Muscardinus avellanarius ist in etwa so breit wie eine Geld-Karte und gar keine Maus, sondern ein Nagetier aus der Familie der Bilche, also verwandt mit den Sieben-, Garten- und Baumschläfern. Sie liebt Brombeergestrüpp, frisst Insekten, Würmer, Vogeleier, oder Früchte im Sommer, Haselnüsse, Eicheln, Bucheckern im Herbst. Bildrechte: imago/imagebroker
Eine Schermaus (Wühlmaus)
Die Wühlmaus heißt auch Schermaus, lateinisch Arvicola terrestis. Sie nagt sich ihre Gänge in den Boden und das kann man auch sehen. Sie verursacht rillenartige Fraßspuren an Wurzeln und Baumrinden. Sehr unbeliebt in Weinbergen, Getreidefeldern, Gärten und Obstplantagen. Außerdem kann sie die Hasenpest übertragen. Bildrechte: Colourbox.de
Eine Fledermaus der Gattung Kleines Mausohr in einer Nahaufnahme die den Kopf der Fledermaus zeigt.
Verliebte Hausmaus zeigt Kollegin Foto ihres Verlobten: "Zu mir hat er gesagt, er ist Pilot". Unverwechselbar - die Fledermaus der Gattung "Kleines Mausohr". Bildrechte: imago stock&people
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Infektionsquelle Rötelmaus

In Deutschland gilt das Einatmen von zu Staub zerfallenem Kot von Rötelmäusen (auch Waldwühlmaus genannt) als Haupt-Infektionsquelle für das Hantavirus. Aber auch mit deren Speichel oder Urin wird das Virus ausgeschieden. Anstecken kann man sich etwa beim Aufräumen oder Fegen von Garagen oder Schuppen. Zu Berufsgruppen mit einem gewissen Risiko zählten etwa Förster, Jäger und Bauarbeiter, so Faber.

Grippeähnliche Symptome

Hierzulande rufen Infektionen mit dem Hantavirus meist Erkrankungen mit grippeähnlichen Symptomen hervor: hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, zudem Übelkeit oder Erbrechen. Auch die Nieren können beeinträchtigt werden, bis hin zu akutem Nierenversagen. Nur die Symptome können behandelt werden, eine Impfung gibt es nicht. In anderen Ländern vorkommende Typen des Virus können sogar schwerwiegendere Erkrankungen auslösen.

Mehr Informationen zum Hantavirus und zur Rötelmaus gibt es hier bei MDR Wissen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. Juli 2019 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 14:26 Uhr

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