Stiko-Empfehlung Zweiter Booster: Wer sollte sich zum vierten Mal gegen Corona impfen lassen?

Die Omikron-Variante des Coronavirus hat das Pandemie-Geschehen in Deutschland weiter im Griff. Um den Impfschutz für gefährdete Gruppen und ihre Kontaktpersonen weiter hoch zu halten, hat die Stiko eine Impf-Empfehlung ausgesprochen. Für wen ist die vierte Impfung wichtig und wie effektiv ist sie?

Fotomontage: Aufschrift 4. Impfung und vier Spritzen auf einem Schild
Die Ständige Impfkommission in Deutschland hat für bestimmte Gruppen die vierte Corona-Impfung empfohlen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Angesichts der Omikron-Welle des Coronavirus sollten besonders stark gefährdete Menschen sowie Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich nach Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) eine zweite Auffrischungsimpfung erhalten.

Eine entsprechende Empfehlung veröffentlichte das unabhängige Gremium bereits Anfang Februar. Doch nur 6,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hat die zweite Booster-Impfung bisher erhalten (Stand 24.6.22).

Vulnerable Gruppen und Gesundheitspersonal

Die Stiko-Empfehlung für eine zweite Boosterimpfung gilt generell für alle über 70 Jahre, für Bewohner und Betreute in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen mit einem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe (zum Beispiel Behindertenwerkstätten).

Ebenfalls sollen Menschen mit Immunschwäche-Krankheiten ab fünf Jahren den zweiten Booster bekommen. Die Empfehlung gilt weiterhin für die Beschäftigen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen insbesondere mit direktem Patientenkontakt.

Eine Pflegerin schiebt einen Mann in einem Rollstuhl. Beide tragen einen Mundschutz.
Die vierte Corona-Impfung ist nach der neuen Stiko-Empfehlung vor allem für ältere und kranke Menschen relevant. (Archiv) Bildrechte: imago images / localpic

Die EU hat noch keine Empfehlung für eine vierte Corona-Impfung für Menschen über 60 Jahren ausgesprochen. Bei gesundheitlich gefährdeten Menschen soll die erneute Auffrischungsimpfung frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung verabreicht werden, bei Beschäftigten im Gesundheitswesen frühestens nach einem halben Jahr, so die aktuelle Stiko-Empfehlung.

Booster-Schutz nimmt schnell ab

Zur Begründung der Empfehlung verwies das Gremium auf einen nachlassenden Schutz von Grund- und Auffrischungsimpfung. "Aktuelle Daten zeigen, dass der Schutz nach ersten Auffrischimpfung gegen Infektionen mit der momentan zirkulierenden Omikronvariante innerhalb weniger Monate abnimmt", heißt es in der Stiko-Erklärung.

Menschen, die nach einer ersten Auffrischungsimpfung noch einmal eine Coronainfektion durchgemacht haben, brauchen nach Einschätzung des Gremiums jedoch keinen zweiten Booster.

Effektivität und Verträglichkeit des Doppel-Boosters

Die Datenlage zu Effektivität und Verträglichkeit der neuen Auffrischungsimpfung sei noch "limitiert", merkten die Experten an. Es sei aber anzunehmen, dass es keine entscheidenden Unterschiede zum ersten Booster gebe.

Eine erneute Auffrischungsimpfung mit den aktuellen Impfstoffen zielt in erster Linie darauf ab, die Wirksamkeit der Impfung zu erhalten. Das ist vor allem für ältere Menschen relevant, da Über-80-Jährige nach Angaben einer Studie der Universität Marburg oft mindestens drei Impfungen benötigen, um eine gute Immunantwort zu bilden. Zudem liegt die Booster-Impfung bei älteren Menschen oft schon einige Monate zurück.

Eine behandschuhte Hand hält ein Fläschchen mit der Aufschrift "Booster".
Der Schutz nach einfachem Booster soll bei den betroffenen Gruppen rasch nachlassen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Daten aus Israel: Besserer Schutz für zweifach Geboosterte

Dass der Doppel-Booster den betroffenen Gruppen etwas bringt, legt eine Studie aus Israel nahe. Demnach seien zweifach Geboosterte Über-60-Jährige dreimal besser vor schweren Krankheitsverläufen geschützt, als Menschen in derselben Altersklasse, deren dritte Impfung mehr als vier Monat zurücklag. Außerdem sei der Schutz vor einer Infektion zweimal höher als bei den dreifach Geimpften. 

Immunsystems erschöpft nicht

Bedenken zu einer möglichen Erschöpfung des Immunsystems durch eine weitere Impfung, die von Marco Cavaleri von der Europäischen Arzneimittel-Agentur ins Spiel gebracht wurden, können Experten entkräften. "Man müsste schon einige Male hintereinander im Abstand von nur wenigen Monaten boostern, bis eine Erschöpfung einsetzt. Mit einer vierten Dosis macht man erst einmal nichts kaputt", erklärt Immunologin Christine Falk im Magazin "Der Spiegel".

Bundesgesundheitsminister Lauterbach: "Richtiger Schritt"

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach begrüßte die Stiko-Empfehlung zur zweiten Auffrischungsimpfung für Ältere und Risikopatienten als richtigen Schritt. Diese gebe den Betroffenen "zusätzliche Sicherheit", erklärte er.

Bislang sind 76 Prozent der Menschen vollständig grundimmunisiert, knapp 59 Prozent zusätzlich bereits geboostert. Etwa 23 Prozent der Bevölkerung sind noch ungeimpft, was einer Zahl von 19,5 Millionen Menschen entspricht.

Stiko empfiehlt Novavax-Einsatz

Neben der neuen Empfehlung für die zweite Auffrischungsimpfung befürworten die Experten zugleich den Einsatz des proteinbasierten Novavax-Impfstoffs für Menschen ab 18 Jahren.

Mit Blick auf Grundimmunisierungen mit dem neuen Novavax-Impfstoff sprach sich die Stiko für zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen aus. Von der Empfehlung ausgenommen sind vorerst Schwangere und Stillende.

(BRISANT/ten/dpa/afp/tagesschau)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. März 2022 | 17:15 Uhr

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