Stiko-Empfehlung Zweiter Booster: Wer sollte sich zum vierten Mal gegen Corona impfen lassen?

Die Omikron-Untervariate BA.5 hat das Pandemie-Geschehen in Deutschland weiter im Griff. Um den Impfschutz für gefährdete Gruppen und ihre Kontaktpersonen weiter hoch zu halten, spricht die Stiko Impf-Empfehlungen aus. Für wen ist die vierte Impfung wichtig und wie effektiv ist sie?

Fotomontage: Aufschrift 4. Impfung und vier Spritzen auf einem Schild
Die Ständige Impfkommission in Deutschland hat für bestimmte Gruppen die vierte Corona-Impfung empfohlen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Angesichts der weiter hohen Infektionszahlen sollten besonders stark gefährdete Menschen sowie Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich nach Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) eine zweite Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten.

Eine entsprechende Empfehlung veröffentlichte das unabhängige Gremium bereits Anfang Februar 2022. Doch nur 12,1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hat die zweite Booster-Impfung bisher erhalten (Stand: 01.11.22).

Vulnerable Gruppen und Gesundheitspersonal

Die Stiko-Empfehlung für eine zweite Boosterimpfung gilt generell für alle ab 60 Jahren, für Bewohner und Betreute in Alten- und Pflegeheimen sowie Personen mit einem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe (zum Beispiel Behindertenwerkstätten).

Ebenfalls sollen Menschen mit Immunschwäche-Krankheiten ab fünf Jahren den zweiten Booster bekommen. Die Empfehlung gilt weiterhin für die Beschäftigen in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen insbesondere mit direktem Patientenkontakt.

Eine Pflegerin schiebt einen Mann in einem Rollstuhl. Beide tragen einen Mundschutz.
Die vierte Corona-Impfung ist nach der neuen Stiko-Empfehlung vor allem für ältere und kranke Menschen relevant. (Archiv) Bildrechte: imago images / localpic

Die zweite Booster-Impfung soll frühestens sechs Monate nach der ersten Booster-Impfung oder der letzten Corona-Infektion erfolgen - vorzugsweise mit einem mRNA-Impfstoff, der an die Omikron-Untervarianten BA.4/5 angepasst ist. In begründeten Ausnahmefällen könne der Abstand auf vier Monate verringert werden, heißt es in den offiziellen Stiko-Empfehlungen im "Epidemiologischen Bulletin".

Effektivität und Verträglichkeit des Doppel-Boosters

Eine erneute Auffrischungsimpfung zielt in erster Linie darauf ab, die Wirksamkeit der Impfung zu erhalten. Das ist vor allem für ältere Menschen relevant, da Über-80-Jährige nach Angaben einer Studie der Universität Marburg oft vier Impfungen benötigen, um eine gute Immunantwort zu bilden. Zudem liegt die Booster-Impfung bei älteren Menschen oft schon viele Monate zurück.

Eine behandschuhte Hand hält ein Fläschchen mit der Aufschrift "Booster".
Der Schutz nach einfachem Booster soll bei den betroffenen Gruppen rasch nachlassen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Daten aus Israel: Besserer Schutz für zweifach Geboosterte

Dass der Doppel-Booster den betroffenen Gruppen etwas bringt, legt eine Studie aus Israel nahe. Demnach seien zweifach Geboosterte Über-60-Jährige dreimal besser vor schweren Krankheitsverläufen geschützt, als Menschen in derselben Altersklasse, deren dritte Impfung mehr als vier Monate zurücklag. Außerdem sei der Schutz vor einer Infektion zweimal höher als bei den dreifach Geimpften. 

Immunsystems erschöpft nicht

Bedenken zu einer möglichen Erschöpfung des Immunsystems durch eine weitere Impfung, die von Marco Cavaleri von der Europäischen Arzneimittel-Agentur ins Spiel gebracht wurden, können Experten entkräften. "Man müsste schon einige Male hintereinander im Abstand von nur wenigen Monaten boostern, bis eine Erschöpfung einsetzt. Mit einer vierten Dosis macht man erst einmal nichts kaputt", erklärt Immunologin Christine Falk im Magazin "Der Spiegel".

Bislang sind 76,3 Prozent der Menschen vollständig grundimmunisiert, 62,3 Prozent zusätzlich bereits geboostert. Etwa 22,1 Prozent der Bevölkerung sind noch ungeimpft, was einer Zahl von 18,4 Millionen Menschen entspricht. (Stand: 01.11.22)


BRISANT/dpa/afp/tagesschau

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. März 2022 | 17:15 Uhr

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