Waffengesetz Welche Waffen darf man besitzen, wofür benötigt man einen Waffenschein?

Im Schwarzwald wird nach einem Mann gefahndet, der - mit Schusswaffe, Messer, Pfeil und Bogen bewaffnet - gleich vier Polizisten die Pistolen abgenommen hat. Wie kann ein Privatmann derart bewaffnet sein, mag sich so mancher fragen. Welche Waffen darf man in Deutschland ganz legal besitzen - und welche sind generell verboten? Für welche Schusswaffen benötigt man einen Waffenschein - und wie bekommt man den? BRISANT hat nachgehakt.

Auslage eines Waffengeschäfts mit frei verkäuflichen Waffen
Welche Waffen darf man besitzen - und welche in der Öffentlichkeit mit sich führen? Wann benötigt man einen Waffenschein? Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Für welche Waffen benötigt man einen Waffenschein?

Das deutsche Waffenrecht schreibt für das Führen bestimmter Schusswaffen den Besitz eines Waffenscheins vor. Das Deutsche Waffengesetz (WaffG) unterscheidet dabei zwischen dem kleinen und dem großen Waffenschein. Der große Waffenschein erlaubt das Mitführen erlaubnispflichtiger Waffen in der Öffentlichkeit, der kleine Waffenschein beschränkt sich auf die erlaubnisfreien Waffen. Entsprechend unterschiedlich sind die Anforderungen, die zur Erteilung des jeweiligen Waffenscheins erbracht werden müssen.

Beantragen kann man einen Waffenschein bei der Waffenbehörde, die - je nach Bundesland - zum Landratsamt, Ordnungsamt oder auch dem Landeskriminalamt gehört.

Schusswaffe, Automatik-Pistole, verschiedene Arten von Waffenscheinen, Waffenbesitzkarten
Wer mit Schusswaffe unterwegs ist, benötigt einen Waffenschein. Bildrechte: dpa

Der kleine Waffenschein

Den sogenannten kleinen Waffenschein benötigt man, um erlaubnisfreie Waffen in der Öffentlichkeit mitzuführen: Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Diese Waffen müssen ein sogenanntes PTB-Siegel aufweisen. Das belegt, dass die Waffen von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt geprüft und abgenommen worden sind. Haben sie dieses Siegel nicht, sind sie verboten. Töten kann man mit diesen Waffen in der Regel nicht. Dennoch benötigt man einen gesonderten Schießerlaubnisschein, wenn man die Waffen benutzen möchte.

Um einen kleinen Waffenschein zu erwerben, müssen Antragsteller volljährig sein, eine körperliche und geistige Eignung sowie die fachgerechte Aufbewahrung der Waffen nachweisen können.

Der große Waffenschein

Ein großer Waffenschein berechtigt seinen Inhaber, erlaubnispflichtige Waffen - d.h. Schuss- oder Reizgaswaffen - in der Öffentlichkeit dabei zu haben. Das bedeutet, dass eine Schusswaffe geladen und zugriffsbereit am Körper oder in einem Behältnis mitgeführt werden darf. Zum Besitz einer solchen Waffe berechtigt der Waffenschein nicht. Dafür ist zusätzlich eine Waffenbesitzkarte notwendig.

Damit ein großer Waffenschein bewilligt wird, müssen potentielle Antragsteller volljährig sein, ein einwandfreies Führungszeugnis vorweisen können, eine Zuverlässigkeitsprüfung absolvieren, einen Nachweis über die persönliche Eignung zum Führen einer Waffe erbringen sowie die Notwendigkeit, eine Waffe mit sich zu führen, nachweisen. Vor allem Letzteres gestaltet sich besonders schwierig. Daher werden in Deutschland große Waffenscheine nur in Ausnahmefällen ausgestellt.

UND: Ohne zusätzliche Ausbildung gibt's den großen Waffenschein nicht. Grundvoraussetzung für die Antragstellung ist ein sogenannter Sachkundenachweis. Der ist mit der Teilnahme an einem Lehrgang mit abschließender staatlicher Prüfung verbunden.

Schreckschusspistole mit Platzpatronen.
Je nach Waffe ist ein kleiner oder auch großer Waffenschein notwendig. Bildrechte: imago/Ralph Lueger

Diese Waffen darf man in Deutschland besitzen

Für Messer und weitere Hieb- oder Stichwaffen gibt es keinen Waffenschein. Diese Waffen dürfen, wenn sie nicht grundsätzlich verboten sind, bis zu einer Klingenlänge von 12 cm mitgeführt werden. Auch der Besitz von Waffen mit längeren Klingen kann gestattet sein, doch in der Öffentlichkeit sind sie in der Regel untersagt.

(Küchen)Messer, Gabel, Schere, Licht ... darf man selbstverständlich besitzen. Bei sämtlichen haushaltsüblichen Geräten ist das keine Frage. Auch Messer mit langer Klinge sind am heimischen Herd erlaubt. Ist man unterwegs, darf die Klinge jedoch maximal zwölf Zentimeter lang sein. Nur am Flughafen gelten noch einmal strengere Regeln.

Softair-Waffen sind bis zu einer Geschossenergie unter 0,5 Joule frei verkäuflich, werden in der Regel jedoch erst an Personen ab 14 Jahren abgegeben. In der Öffentlichkeit darf man sie nur dann mit sich führen, wenn sie "echten" Waffen nicht täuschend ähnlich sehen. Denn dann zählen sie nämlich zu den sogenannten Anscheinswaffen.

Liegt der Joulewert einer Softair-Waffe zwischen 0,5 und 7,5 sind die Waffen zwar frei erhältlich, jedoch erst ab einem Alter von 18 Jahren. Waffe und Zubehör dürfen beim Transport weder schuss- noch zugriffsbereit sein. Zusätzlich muss das Prüfzeichen "F" in einem Fünfeck vermerkt sein. Außerdem darf es sich bei diesen Waffen um keine Vollautomaten handeln. Die dürfen in Deutschland nämlich weder erworben, noch besessen oder geführt werden.

Softair-Typen mit einer Geschossenergie von über 7,5 Joule sind erlaubnispflichtige Waffen, die unter das Waffengesetz fallen. Sie dürfen nur erworben und besessen werden, wenn eine Waffenbesitzkarte vorhanden ist.

Elektroschocker sind gestattet, wenn sie mit einem PTB-Prüfzeichen gekennzeichnet sind. Vor allem bei als Alltagsgegenstände getarnten Geräten sollte man darauf achten.

Dolche, Schwerter, Wurfmesser und Säbel: Diese Waffen darf man ab einem Alter von 18 Jahren besitzen, jedoch nicht in der Öffentlichkeit dabei haben. Das gleiche gilt für feststehende Messer mit einer Klinge über zwölf Zentimeter Länge. Taschenmesser sind dagegen erlaubt. ABER: Egal, was für ein Messer man in Deutschland mit sich führt, man muss es begründen können.

Dekorationswaffen: Alte Pistolen, die nicht mehr funktionstüchtig sind, oder sogenannte Waffenattrappen sind erlaubt - allerdings nur als Deko an der Wohnzimmerwand. In der Öffentlichkeit sind sie als sogenannte Anscheinswaffen verboten, da man andere Menschen damit in Angst und Schrecken versetzen könnte. Ein Waffenschein ist für Dekowaffen trotzdem nicht vorgeschrieben.

Historische Waffen: Morgensterne und Kampfschlegel sind zur Zierde im Wohnzimmer gestattet. In der Öffentlichkeit darf man sie nicht mit sich führen - auch nicht zur Kostümierung auf Mittelaltermärkten oder bei Ritterspielen.

Pfeil und Bogen: Der Bogen ist eine Waffe, allerdings (laut Waffengesetz) keine Schusswaffe. Zu "Sportzwecken" darf er benutzt werden. Doch wer in der freien Natur mit Pfeil und Bogen schießen möchte, benötigt dafür die Genehmigung des Grundstückeigentümers.

Ein Mann beim Bogenschießen
Ein Bogen ist laut Waffengesetz keine Schusswaffe. Bildrechte: Colourbox

Armbrust: Anders als Pfeil und Bogen zählt die Armbrust als ein "Schusswaffen gleichgesteller Gegenstand", da sie feste Körper verschießen kann, diese jedoch nicht durch einen Lauf getrieben werden. Im Gegensatz zum Bogen verfügt die Armbrust außerdem über eine Energiehalteeinrichtung. Für Besitz und Erwerb muss man zwar volljährig sein, eine gesonderte Erlaubnis oder ein kleiner Waffenschein sind nicht notwendig. Dennoch gilt es, sowohl Pfeil und Bogen als auch Armbrust in der Öffentlichkeit nur gesichert und verpackt zu transportieren - und nur dort damit zu schießen, wo es ausdrücklich erlaubt ist.

Diese Waffen sind in Deutschland verboten

Messer: Nach deutschem Recht verboten sind Faustmesser, Fallmesser, Butterflymesser, Wurfsterne und Springmesser, deren Klinge nach vorne herausschnellt.

Wurfstern
Sogenannte Wurfsterne sind in Deutschland verboten. Bildrechte: IMAGO

Schlagringe sind in Deutschland generell verboten. Werden sie zur Dekoration an einer Designer-Handtasche oder als Griff einer Kaffeetasse genutzt, gelten Ausnahmen.

Totschläger kann man zwar im Internet erwerben, der Besitz ist nach deutschem Waffengesetz dennoch verboten.

Quellen: bussgeldkatalog.net, bogenundpfeile.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 13. Juli 2020 | 17:15 Uhr

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