Türkei, Italien, Griechenland und Co. Waldbrände in Touristengebieten Südeuropas toben weiter

Evakuierte Häuser, zerstörte Dörfer, verbrannte Wälder - seit Tagen versetzen heftige Wald- und Buschbrände die Menschen in Südeuropa in Angst und Schrecken. Ein Ehepaar aus Deutschland soll in der Türkei ums Leben gekommen sein.

Feuerwehrleute versuchen einen sich ausbreitenden Brand zu löschen. In der Türkei kämpfen Tausende Einsatzkräfte den sechsten Tag in Folge gegen Wald- und Buschbrände in der Mittelmeerregion.
Tausende Feuerwehrleute sind im Einsatz um den Waldbränden in der Türkei Herr zu werden. (Archiv) Bildrechte: dpa

In Teilen Südeuropas und der Türkei kämpfen die Menschen weiter gegen heftige Waldbrände und extreme Hitze. In der Türkei, wo bisher acht Menschen ums Leben kamen, starb auch ein deutsch-türkisches Ehepaar, wie türkische Medien berichteten. Der Mann und die Frau seien leblos auf einem Weg in der Nähe ihres Hauses in Manavgat in der Region Antalya gefunden worden, schrieb die türkische Nachrichtenagentur Demirören Haber Ajansi (DHA). Das Auswärtige Amt bestätigte die Berichte am Dienstag jedoch nicht.

Ganze Landstriche in der Türkei zerstört

156 Brände sind laut der türkischen Kommunikationsdirektion in der vergangenen Woche in der Türkei ausgebrochen. Davon seien am Dienstagmorgen 146 unter Kontrolle gebracht worden. Die Brände toben vornehmlich an der Mittelmeerküste, besonders betroffen sind die Regionen Antalya, Mugla aber auch Adana. Etliche Regionen wurden evakuiert, viele Dörfer und Landstriche wurden von den Flammen zerstört, zahlreiche Tiere konnten nicht gerettet werden.

Unterdessen dauert in Griechenland eine historische Hitzewelle an. Seit mehr als einer Woche klettern die Temperaturen dort für mehrere Stunden täglich auf über 40 Grad. In Mittel-Griechenland und auf der Halbinsel Peloponnes werden von Dienstag bis Freitag (3. - 6. August) weiterhin Spitzenwerte von bis zu 46 Grad erwartet. Die Feuerwehr kämpfte in der Nacht zum Dienstag auf der Insel Rhodos gegen einen Wald- und Buschbrand in einer Schlucht nahe des Dorfes Maritsa, das Dorf musste evakuiert werden. Touristische Anlagen waren nicht bedroht.

Durch einen Waldbrand zerstörte Häuser. In der Türkei kämpften Tausende Einsatzkräfte den sechsten Tag in Folge gegen Waldbrände.
Ganze Landstriche sind in der Türkei durch Waldbrände dem Erdboden gleich gemacht worden. (Archiv) Bildrechte: dpa

Brandstifter in Italien festgesetzt

In Italien, wo zuletzt im Süden des Landes, auf den großen Inseln und teilweise an der Adriaküste ebenfalls heftige Waldbrände tobten, besserte sich die Situation etwas, wie die Feuerwehr mitteilte. Am Dienstagmorgen wurden landesweit 1.130 Einsätze in den zurückliegenden 24 Stunden wegen Buschfeuern gemeldet. Die Polizei nahm derweil am Montag zwei Brandstifter auf Sizilien fest. Die Carabinieri hätten die beiden Männer im Alter von 80 und 25 Jahren auf frischer Tat in der zentralen Provinz Enna ertappt, hieß es in einer Mitteilung.

In der Küstenstadt Pescara in der Region Abruzzen brannten zuletzt Pinien und Kiefern in einem bekannten Naturreservat. Die Polizei nahm hier die Ermittlungen zu Ursache auf. Häuser wurden evakuiert und zahlreiche Menschen in Sicherheit gebracht. Auch in Apulien kämpften die Einsatzkräfte Tag und Nacht gegen Flammen in der Stadt Gravina in Puglia. In der kleinen Region Molise mussten bei Campobasso am Montag ungefähr 1.000 Menschen zeitweise wegen der Flammen ihre Häuser verlassen.

Dichter Rauch steigt von einem Waldbrand eines Pinienwaldes auf. Viele der Bewohner mussten evakuiert werden, nachdem das Feuer gefährlich nah an die Küstenorte gerückt war.
Waldbrände haben zahlreiche Touristengebiete in Italien bedroht. (Archiv) Bildrechte: dpa

Bulgarien und Spanien kämpfen mit Trockenheit und Hitze

Auch in Bulgarien toben bei Temperaturen um 40 Grad und Trockenheit weiter Wald- und Flächenbrände. Betroffen war am Dienstag vor allem der Süden des Balkanlandes, wo die zweithöchste Alarmstufe Orange ausgerufen wurde. Die Brände wurden zwar unter Kontrolle gebracht, das Feuer konnte aber nicht ganz gelöscht werden, wie Medien in Sofia berichten. In dem entlegenen Dorf Dolno selo im Süden brannten etwa 20 verlassene Häuser aus. Menschen wurden nicht verletzt. Im Raum Pernik vernichtete das Feuer rund 100 Hektar Wald, Gebüsch und Trockengras.

In Spanien kämpft die Feuerwehr seit dem Wochenende gegen einen Brand in der Nähe des rund 70 Kilometer östlich von Madrid gelegenen Stausees San Juan. Die Behörden riefen die Bevölkerung auf, sich von der beliebten Badestätte fernzuhalten.

Ein Hubschrauber wirft Wasser über einem Waldgebiet bei den Löscharbeiten eines Waldbrandes in der Gemeinde Santa Maria do Monte ab.
Auch in Spanien wird noch gegen Waldbrände gekämpft. (Archiv) Bildrechte: dpa

Waldbrände als Storno-Grund für den Urlaub?

Wenn die eigene Urlaubsregion von Bränden betroffen ist, können Pauschalreisen aufgrund außergewöhnlicher Umstände kostenlos storniert werden, schreibt das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Bei einer Pauschalreise muss der Veranstalter dann den Preis zurückzahlen", wird Reise-Rechtsanwalt Paul Degott vom RND zitiert. Das sei im Fall von Waldbränden allerdings nur der Fall, wenn diese tatsächlich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Urlaubsort auftreten, heißt es weiter. "Die reine Angst vor Waldbränden rechtfertigt noch keinen kostenlosen Rücktritt", so Degott.

Bei Individualreisenden, die Reise und Flug getrennt voneinander gebucht haben, ist die Lage anders. Degott zufolge müssten die Betroffenen die jeweiligen AGB der Anbieter heranziehen und selbst herausfinden, ob Stornierungen möglich seien. Das Risiko für An- und Abreise sowie die Kosten für den Flug würden Individualreisende nach Angaben des Reise-Rechtsanwalts allein tragen.

(BRISANT/dpa/afp/rnd)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. August 2021 | 17:15 Uhr

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