Sommerurlaub Waldbrände in Europa: Welche Länder sind betroffen - und was bedeutet das für den Urlaub?

Dürre, Hitze und Waldbrände setzen großen Teilen Süd- und Westeuropas heftig zu - auch in Deutschland rechnet man mit neuen Rekord-Temperaturen. Vielerorts müssen Menschen vor den Flammen fliehen. Welche Länder sind aktuell besonders betroffen - und was tun, wenn man ausgerechnet dort seinen Urlaub gebucht hat? Stornieren - oder trotzdem fahren?

Feuer auf der griechischen Insel Lesbos
Große Hitze und Waldbrände: Wie hier in Lesbos sieht es aktuell in vielen europäischen Urlaubsregionen aus. Bildrechte: IMAGO/ANE Edition

Waldbrandgefahr in Deutschland

Wegen der ausgetrockneten Böden besteht in Teilen Deutschlands höchste Waldbrandgefahr. Aktuell sind vor allem Brandenburg und Sachsen von mehreren Bränden betroffen. Auch im Grenzgebiet zu Tschechien schlagen die Flammen in die Höhe.


Auch wenn die Temperaturen in den meisten deutschen Regionen zwischenzeitlich gesunken sind, sind Waldbesuchende aufgerufen, sich besonders vorsichtig zu verhalten. Wie sieht es im europäischen Ausland aus?

Waldbrände in Europa - welche Länder sind aktuell betroffen?

Frankreich

Für die Brände an Frankreichs Atlantikküste gibt es mittlerweile teilweise Entwarnung: Das Feuer in La Teste-de-Buch gilt als gelöscht. Alle Bewohner durften am Wochenende in ihre Häuser zurückkehren.

Der Brand in Landiras, 40 Kilometer südlich von Bordeaux, ist zwar unter Kontrolle. Es gebe aber noch rund 30 aktive Brandherde und es bestehe die Gefahr, dass das Feuer wieder aufflamme, heißt es seitens der Behörden.

Menschen, die auf dem Campingplatz Dune du Pilat Urlaub gemacht haben, liegen in Rettungsdecken gehüllt auf Liegen, nachdem sie wegen eines Brandes von ihrem Campingplatz evakuiert wurden.
In Frankreich mussten Urlauber aufgrund der Waldbrände evakuiert werden Bildrechte: dpa

Italien

Auch Italien wird in diesem Sommer von einer großen Dürre und zahlreichen Waldbränden heimgesucht. Im Grenzgebiet der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien lodern seit Tagen ausgedehnte Waldbrände an verschiedenen Orten, etwa bei Monfalcone südlich von Görz (Gorizia).

Ein Großbrand beschäftigte auch Feuerwehrleute in der toskanischen Gemeinde Massarosa westlich von Lucca. In dem Gebiet wurden Hunderte Menschen aus ihren Häusern vor den Flammen in Sicherheit gebracht.

Aufgrund der anhaltenden Hitzewelle und Trockenheit haben die Städte Verona und Pisa bereits den Wasserverbrauch eingeschränkt. Möglich ist, dass auch in weiteren Kommunen, insbesondere in Norditalien, kurzfristig das Trinkwasser rationiert werden muss.

Spanien und Portugal

In Portugal kämpft man aktuell im Zentrum und Norden des Landes gegen brennende Wälder. Die gute Nachricht: Die meisten Brände sind mittlerweile unter Kontrolle.

In Spanien entspannte sich die Lage, doch die Serie der Waldbrände geht weiter. Sorgen bereitete vor allem ein Feuer auf Teneriffa. Auf der beliebten Kanaren-Insel haben die Flammen bisher mehr als 24 Quadratkilometer zerstört. Im betroffenen Gebiet im Norden der Insel hatte man am Samstag fast 600 Bewohner aus La Guancha und aus vier weiteren Gemeinden gerettet.

Griechenland

Ein Ende der Brände in Griechenland ist nicht abzusehen. Für Montag (25.07.) hat die Feuerwehr für Teile Mittelgriechenlands die zweithöchste Warnstufe ausgegeben - das Waldbrandrisiko gilt dort als "sehr hoch". Betroffen sind unter anderem die Hauptstadt Athen und Umgebung, die Inseln Euböa und Lesbos und der Nationalpark Dadia. Doch auch im Rest des Landes ist die Gefahr "hoch". In der vergangenen Woche registrierte die Feuerwehr täglich mehr als hundert Brandherde.

Die Trockenheit dauert Meteorologen zufolge an, die Temperaturen sollen weiterhin sehr hoch bleiben und örtlich auf bis zu 40 Grad steigen. In manchen Gegenden kommt starker Wind hinzu, der Brandherde anheizt - so etwa auf der Insel Lesbos, wo am Wochenende im Südteil der Insel Ortschaften evakuiert wurden.

Von den Flammen überrascht zu werden, muss man als Tourist nicht fürchten - zumindest wenn man ein Smartphone besitzt. Gleichgültig ob in- oder ausländisch, erhält man bei akuter Gefahr eine Warn-SMS des griechischen Bürgerschutzministeriums. Auf Griechisch und Englisch wird man aufgefordert, die Gegend zu verlassen.

Kroatien

Kroatien steht buchstäblich in Flammen. Hunderte Waldbrände überziehen das ganze Land - und das mitten in der Hauptreisezeit. In den vergangenen Tagen half das Militär beim Kampf gegen die Brände, an der Adriaküste waren Löschflugzeuge im Einsatz.

Urlaub im Waldbrand-Gebiet - was tun?

Reisewarnungen wegen Waldbränden gibt es seitens des Auswärtigen Amts noch nicht. Dennoch sollten sich Reisende vor ihrer Abreise bei den Reiseveranstaltern über die aktuelle Lage informieren und vor Ort die Anweisungen des Hotelpersonals und der Behörden befolgen.

Ein Waldbrand in der Nähe von Landiras im Südwesten Frankreichs.
Vor Antritt der Urlaubsreise sollte man sich über die Lage am Urlaubsort informieren. Bildrechte: dpa

Höhere Gewalt: Kann man wegen Waldbrand-Gefahr den Urlaub stornieren?

Eine kostenlose Stornierung des Urlaubs aufgrund höherer Gewalt ist möglich, wenn die eigene Urlaubsregion - und zwar in unmittelbarer Nachbarschaft - von den Bränden betroffen ist. Deshalb ist es wichtig, sich im Vorfeld über die Lage vor Ort zu informieren. Hat man eine Pauschalreise gebucht, ist der Reiseanbieter verpflichtet, den Reisepreis zu erstatten.

Kommt es während des Urlaubs zu Beeinträchtigungen durch Waldbrände, kann man die Reise vorzeitig beim Veranstalter kündigen. Der kommt dann für die Mehrkosten durch die verfrühte Abreise auf. Anspruch auf Schadenersatz wegen vergangener Urlaubsfreuden hat man allerdings nicht.

Ein Minderungsanspruch besteht nur dann, wenn der Veranstalter seine Fürsorgepflicht verletzt hat. Das ist der Fall, wenn der Reiseveranstalter vorgibt, dass am Urlaubsort alles in Ordnung ist, dann aber geplante Ausflüge ausfallen oder man wegen starker Rauchentwicklung sein Hotelzimmer nicht verlassen kann.

Strandbesucher baden und liegen am Strand von Pyla sur mer, während im Hintergrund eine schwarze Rauchwolke von einem Waldbrand aufsteigt.
Eine kostenlose Stornierung der Urlaubsreise ist nur dann möglich, wenn die unmittelbare Nachbarschaft von den Waldbränden betroffen ist. Bildrechte: dpa

Kaum Storno-Möglichkeiten für Individualreisende

Das Nachsehen haben in den meisten Fällen Individualreisende. Hier kommt es auf die AGBs der Ferienhausanbieter an, ob man Ansprüche geltend machen kann. In der Regel ist eine kostenlose Stornierung der Unterkunft nur dann möglich, wenn die gewählte Herberge direkt betroffen ist. Auf den Stornokosten für den Flug bleiben die Urlauber auf jeden Fall sitzen.

Auch für Campingurlauber ist es nicht möglich, kostenfrei zu stornieren: Wenn der gebuchte Campingplatz in Betrieb ist und keine unmittelbare Gefahr besteht, muss der Urlauber seine Reise antreten - oder eben die Stornokosten tragen.

BRISANT/AFP/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 19. Juli 2022 | 17:15 Uhr

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