Umschau-Quicktipp: Das richtige Fahrradschloss
Bildrechte: MDR JUMP

Expertentipps Was macht ein gutes Fahrradschloss aus?

BRISANT | 22.06.2017 | 18:10 Uhr

Drei Minuten versuchen statistisch gesehen Diebe, ein Fahrradschloss zu knacken. Wer sie abschrecken oder zumindest möglichst lange aufhalten will, braucht ein gutes Schloss. Doch was macht ein gutes Fahrradschloss aus?

Umschau-Quicktipp: Das richtige Fahrradschloss
Bildrechte: MDR JUMP

Möglichst lange aufhalten

Es gibt kein bezahlbares Fahrradschloss, das sich nicht knacken lässt. "Mit brutalen Methoden bekommt man jedes auf", erklärt Michael Koswig von der Stiftung Warentest. In deren Prüflabor wurden aktuell 30 Schlösser von Markenherstellern und auch unbekannteren Anbietern getestet (Stand: April 2015). Gute Schlösser halten einen Dieb möglichst lange auf, so dass ihm am Ende das Risiko zu hoch ist. "Bügelschlösser sind tendenziell die sicherste Möglichkeit, ein Fahrrad anzuschließen", sagt Redakteur Koswig. Allerdings gebe es auch hier Qualitätsunterschiede, die Laien aber in der Regel nicht erkennen können. So ließ sich im Test ein Bügelschloss von Sekura für 15 Euro schon in drei Minuten knacken. Eher am anderen Ende der Preisskala liegt der Testsieger, ein Bügelschloss von Abus für 83 Euro.

Falt- und Kettenschlösser sind meist weniger sicher, dafür aber flexibler

ein Fahrradschloss 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bügelschlösser sind massiv gebaut und damit häufig ein echtes Problem für Diebe. Allerdings sind sie durch ihre Bauweise auch sperrig und bieten weniger Möglichkeiten, das Fahrrad an festen Gegenständen zu sichern. Einen guten Kompromiss zwischen Sicherheit und Flexibilität bieten laut Stiftung Warentest Faltschlösser, sagt Michael Koswig: "Die sind in der Regel nicht so sicher wie Bügelschlösser, aber wir hatten im Vergleich auch ein gutes Modell dabei". Allerdings kostet das von den Testern empfohlene Faltschloss von Abus auch gleich 125 Euro. Im Test wurde aber auch ein deutlich preiswerteres Faltschloss mit "gut" bewertet: das nur 25 Euro teure "Cherto Compact 95" des eher unbekannten Herstellers Axa.

Kettenschlösser sind aufgrund ihrer Länge sehr praktisch. "Gute und sichere Ketten sind aber sehr schwer und damit eher was, wenn man sein Fahrrad stationär anschließen will", erklärt Experte Koswig. Dann lasse man die Kette am Arbeitsplatz oder am Wohnhaus zurück und nutze unterwegs leichtere Schlösser.

Kein Verlass auf Angaben der Hersteller

"Sicherheitsstufe 5/5", "Sicherheitslevel 13 (von 15)": Mit solchen und ähnlichen Aussagen wollen die Hersteller Käufern die Orientierung etwas erleichtern und natürlich auch für ihre Modelle werben. "Auf die Einstufungen der Anbieter sollte man besser nichts geben, weil die Skalen nicht vergleichbar sind", warnt Michael Koswig. Er hält auch wenig davon, als Käufer grundsätzlich auf das laut Hersteller sicherste und damit oft auch teuerste Modell zu setzen: "Unser Test zeigt ja, dass man auch mit einem günstigen Schloss guten Schutz bekommen kann". Auch auf einheitliche Gütesiegel wie "Vertrauen durch Sicherheit" (kurz: VdS) können sich Käufer nicht zu hundert Prozent verlassen. Die VdS -Tests werden laut Stiftung Warentest im Auftrag der Hersteller gemacht. Damit könnten Käufer auch nicht erfahren, ob ein Modell durchgefallen ist.

Auf die Einstufungen der Anbieter sollte man besser nichts geben, weil die Skalen nicht vergleichbar sind.

Michael Koswig, Stiftung Warentest

Zwei Schlösser – doppelte Zeit

Einfacher Tipp vom Experten: Am besten sichert man das Fahrrad immer mit zwei Schlösser unterschiedlicher Bauarten. Damit erhöht sich für Diebe der Aufwand fürs Knacken. Damit steigt auch das Risiko, erwischt zu werden. "Ein anderer Grund ist, dass man neben dem Rahmen dann noch beide Laufräder mit abschließen kann", sagt Michael Koswig. "Zudem sollte man das Fahrradschloss immer so weit wie möglich oben anbringen: Dann kann der Täter beispielsweise den Bolzenschneider nicht am Boden abstützten, um das Schloss aufzuhebeln".

Gut abgesichert für den Ernstfall?

Viele Hausratversicherungen enthalten immer noch eine sogenannte Nachtklausel. Danach ist das Fahrrad nicht versichert, wenn man damit zwischen 22 und 6 Uhr morgens unterwegs ist. In solchen Fällen sollten sich Fahrradbesitzer einen Tarif ohne diese Nachtklausel suchen oder zusätzlich eine spezielle Fahrradversicherung abschließen.

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2015, 02:10 Uhr