Gefahren und Folgen Diese Auswirkungen hat die Hitze auf uns

Hitze strengt an, strapaziert Körper und Geist: Sie erschöpft, verschlimmert Grunderkrankungen und kann zu Hautschäden und zum Hitzschlag führen. Ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Herz- und Nierenproblemen sind besonders gefährdet. Senioren sterben in Hitzezeiten eher - rund 7.600 vorzeitige Todesfälle hat es im Rekordsommer 2003 in Deutschland gegeben. Gefährliche Hitzefallen lauern auch im Alltag - eine davon ist das Auto.

Mit Sonnenhüten auf dem Kopf genießen zwei ältere Menschen auf dem Aussichtspunkt am Niederrheindenkmal bei Rüdesheim die Fernsicht.
Bei Hitze sind besonders ältere und kranke Menschen gefährdet. Die Sterberate steigt. Bildrechte: dpa

Hitzefalle Auto

In einem stehenden Auto steigen die Temperaturen an heißen Tagen innerhalb kürzester Zeit derart rasant, dass es bereits nach 15 Minuten lebensgefährlich für Insassen werden kann. Wie schnell die Temperaturen steigen, hat der US-Forscher Andrew Grundstein ermittelt. Demnach kann die Temperatur in einem geschlossenen Wagen in nur fünf Minuten um etwa vier Grad und nach zehn Minuten um bis zu sieben Grad ansteigen.

Tabelle mit Zeit- und Temperaturangaben
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei 30 Grad Außentemperatur sind in einem Auto schnell 50 Grad und mehr erreicht, auch ein leicht geöffnetes Fenster kann dies nicht verhindern. Auch ein Schattenparkplatz hilft da nicht. Insbesondere für Babys und Kleinkinder ist Hitze gefährlich. Ihr Körper kann die andauernde Wärmezufuhr nicht ausgleichen und zudem schnell austrocknen.

Unfallursache Hitze

Bei Hitze ereignen sich laut ADAC mehr Unfälle. Wie ein Sprecher dem Mitteldeutschen Rundfunk sagte, geht aus Daten der ADAC-Unfallforschung hervor, dass sich jeder siebte schwere Unfall an Tagen mit Temperaturen von mehr als 25 Grad Celsius ereignet. Gerade in Verkehrssituationen, die hohe Konzentration erforderten, krache es bei Hitze häufiger.

Während der Anteil konzentrationsrelevanter Unfälle an kühleren Tagen bei 47 Prozent liegt, steigt er an sehr warmen Tagen auf 63 Prozent an.

ADAC-Sprecher

Das Unfallforschungsinstitut der Versicherungswirtschaft warnt allerdings davor, diese Zahlen überzubewerten. Zu viele Parameter spielten in das Unfallgeschehen hinein, erläuterte ein Sprecher. So ändere sich die Verkehrslage zum Beispiel zu Pfingsten, Ostern oder mit dem Beginn der Sommerferien.

Das sollten Sie nicht machen, wenn es heiß ist

Eine Flasche und ein Glas Cola, davor liegen Eiswürfel
Eiskalte Getränke zur Abkühlung Eiskalte Getränke müssen im Körper erst erwärmt werden. Sie aktivieren den Stoffwechsel, und das lässt uns noch mehr schwitzen. Warme (nicht heiße!) Getränke kühlen den Körper effektiver. Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr die Lust auf etwas Kühles verderben lassen. Sich zu etwas zu zwingen, macht nur unglücklich und ignoriert essenzielle Körperbedürfnisse. Bildrechte: Colourbox.de
Eine Flasche und ein Glas Cola, davor liegen Eiswürfel
Eiskalte Getränke zur Abkühlung Eiskalte Getränke müssen im Körper erst erwärmt werden. Sie aktivieren den Stoffwechsel, und das lässt uns noch mehr schwitzen. Warme (nicht heiße!) Getränke kühlen den Körper effektiver. Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr die Lust auf etwas Kühles verderben lassen. Sich zu etwas zu zwingen, macht nur unglücklich und ignoriert essenzielle Körperbedürfnisse. Bildrechte: Colourbox.de
Wasser
Nicht genug trinken Trinken ist das A und O an heißen Tagen. Es ist wichtig, nicht erst dann zu trinken, wenn man unter Durstgefühl leidet und der Mund schon ganz ausgetrocknet ist. Den ganzen Tag sollte man sich kontinuierlich Flüssigkeit zuführen, etwa 1,8 bis zwei Liter Wasser, wenn man stark schwitzt, sogar 2,5 bis drei Liter. Am gesündesten ist Quellwasser. Bildrechte: Colourbox
Heißes Wasser sprudelt aus Duschkopf
Sich von einer kühlen Dusche erfrischen lassen Wenn man eiskalt duscht, ziehen sich die Gefäße zunächst zusammen, um die Wärme im Körperinneren zu halten. Danach steigert sich die Durchblutung der Haut und wir werden umso wärmer. Lauwarm zu duschen ist besser, auch ein absteigendes Bad nützt mehr. Bildrechte: imago/AFLO
Sonnencreme statt Sonnenbrand: Verschmieren nicht vergessen und schon ist wieder Platz für das nächste Kunstwerk.
Sich nicht eincremen, damit man braun wird Selbst mit einer Creme mit sehr hohem Lichtsschutzfaktor wird man braun, nur sanfter und gleichmäßiger. Und das ganz ohne Sonnenbrand. Das Braunwerden ist eigentlich eine Schädigigung der Haut, daher ist hier weniger mehr. Bildrechte: MDR JUMP
Eine Frau liegt auf einer Sonnenbank
Sich vorbräunen um sich vor Sonnenbrand zu schützen Es ist ein gefährlicher Irrtum, dass bereits gebräunte Haut keinen Sonnenschutz benötigt. Auch Solariumbesuche helfen nicht. Die meisten Solarien arbeiten mit UV-A-Strahlung, was in der Haut zu einer Sofortpigmentierung führt. Für eine Verdickung der Hornhaut und damit einen wirksameren Schutz sowie für die länger andauernde Bräunung der Haut sind aber UV-B-Strahlen nötig. Und dennoch gilt: jede Belastung der Haut mit UV-Licht fördert die Alterung und erhöht das Hautkrebsrisiko. Bildrechte: Colourbox.de
Eine Person macht ein Fenster auf
Lüften um die Hitze erträglicher zu machen Über die Fenster - ob geöffnet, oder geschlossen - kommt am meisten Hitze in den Raum. Wird dann noch tagsüber das Fenster geöffnet, lässt man nur die warme Luft hinein. Lüften macht nur morgens und abends Sinn, wenn die Luft sich draußen noch nicht so stark erwärmt hat. Sehr effektiv ist ein heller, außen angebrachter Sonnenschutz, der die Hitze reflektiert. Bildrechte: MDR/Mayte Müller
Eine junge Frau steht am Strand und breitet die Arme aus
Weniger oder enge Klamotten im Sommer anziehen Eng anliegende Sachen und synthetische Materialien sollte man meiden. Lange Hosen und langärmelige Hemden aus Baumwolle oder Seide sind besser als hautenge Leggings und körperbetonendes T-Shirt. Bildrechte: Colourbox.de
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Hitze macht krank

Hitze, Sonne und das verstärkt auftretende bodennahe Ozon überlasten das körpereigene Kühlsystem und greifen die Gesundheit an. Grundkrankheiten werden schlimmer, hitzebedingte Krankheiten wie Hitzschlag und Sonnenstich, Hitzesynkope, Hitzekrampf durch den Wasser- und Elektrolytverlust, Hitzeerschöpfung durch Wasser- oder Salzverlust, Hitzeermüdung, Hitzeödem oder Sonnenbrand und Hitzeausschlag treten auf - und zwar zunehmend, wie eine Auswertung der Krankenkasse Barmer für den MDR ergeben hat.

Hitze verkürzt Leben

Während Hitzewellen sterben Menschen eher. Nach einer zuletzt vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Studie gab es im vergangenen Rekordsommer 2018 allein in Berlin und Hessen zusammen 1.230 vorzeitige Todesfälle. Während der Hitzewellen in den Jahren 2000 bis 2010 stieg allein die Sterblichkeit an koronaren Herzkrankheiten im Mittel um 10 bis 15 Prozent, wie eine Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für das Umweltbundesamt (UBA) ergab.

Noch deutlicher war das Phänomen im Rekordsommer 2003 mit zehntausenden Todesopfern zu beobachten. Nach einer umfangreichen EU-Auswertung starben in dem Jahr in zwölf untersuchten Ländern mehr als 80.000 Menschen vorzeitig: 70.000 davon im Sommer, mehr als 7.000 danach. Schätzungen gehen von 7.600 Todesopfern allein in Deutschland aus. Der Grund: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen, Atemwegserkrankungen und Stoffwechselstörungen.

Nach Hitzewellen gibt es weniger Todesfälle. Diese sogenannte Untersterblichkeit führen Forscher darauf zurück, dass in 20 bis 30 Prozent der Fälle der Todeszeitpunkt von schwerkranken oder gebrechlichen Menschen um wenige Tage vorverlegt wurde, heißt es in einer aktuellen Analyse des Robert Koch-Institutes und des Deutschen Wetterdienstes "Schätzung hitzebedingter Todesfälle in Deutschland zwischen 2001 und 2015".

Demnach ist in den meisten Todesfällen während Hitzeperioden das Leben um mindestens ein Jahr verkürzt worden. "Gesundheitsschädliche Auswirkungen von hohen Temperaturen werden somit als signifikant für die öffentliche Gesundheit bestätigt und nicht nur als eine kurzfristige Verschiebung von Todeszeiten", heißt es in der Studie vom März 2019.

Sterblichkeit steigt mit jedem Grad

Modell-Berechnungen zufolge steigt die Mortalität während Hitzeperioden ab einer bestimmten Temperaturschwelle mit jedem Grad Celsius. Die Fachwelt bezeichnet das Phänomen, das vor allem alte und chronisch Kranke betrifft, als Exzess-Sterblichkeit. Laut Robert Koch-Institut kann die Sterblichkeit während längerer Hitzewellen um ein bis sechs Prozent steigen. Das würde laut Umweltbundesamt mehr als 5.000 zusätzliche Sterbefälle pro Jahr bedeuten.

Andere Zahlen liefern die Politiker-Empfehlungen vom "Lancet Countdown 2018 Report: Briefing for EU Policymakers". Demnach muss im Hinblick auf den Klimawandel in besonders von Erwärmung betroffenen Regionen innerhalb der EU damit gerechnet werden, dass die Sterblichkeit um ein bis vier Prozent pro Erwärmungsgrad steigen wird. Damit würde die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle in mehr als zehn Jahren um 30.000 steigen und um 50.000 bis 110.000 in den 2080er-Jahren.

Ob diese Modelle tatsächlich zutreffen, hängt auch davon ab, wie die Menschen auf Hitze-Warnungen reagieren: Ob sie zum einen ihre Umgebung kurzfristig und langfristig hitzesicher machen und ob sie in den Hitzeperioden gut für sich sorgen oder gut für sie gesorgt wird. Gerade Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste sind in diesen Zeiten besonders gefordert.

Hautkrebsfälle durch Hitze

Durch Sonnenstrahlung steigt die Zahl der Hautkrebserkrankungen. Wie aus dem Krebsatlas 2019 der Techniker Krankenkasse hervorgeht, ist Hautkrebs mit mehr als 272.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebserkrankung in Deutschland.

Experten führen das unter anderem auf den Sonnenhunger, Strandurlaube, Sonnenstudios und gebräunte Haut als Schönheitsideal zurück.

Für den hellen Hautkrebs wird vor allem eine zunehmende Belastung durch UV-Strahlung als Risiko angesehen. Also jede ungeschützt im freien verbrachte Sonnenstunde (vor allem im Sommer) erhöht das Risiko, später einmal an Hautkrebs zu erkranken.

(Quelle: mdr)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. August 2020 | 17:15 Uhr

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