Tote Hosen, Kraftklub, Marteria & Co. Zehntausende bei #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz

BRISANT | 04.09.2018 | 18:10 Uhr

Die Toten Hosen, Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet haben sich gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt zusammengetan: Zum Konzert kamen rund 65.000 Zuschauer nach Chemnitz.

Das war der Konzerttag in Chemnitz

Campino
Der Sänger der Band "Die Toten Hosen", Campino, hat das Mini-Festival in Chemnitz als Mutmacher bezeichnet. Er sei sich sicher, dass sich die Leute durch ihren Konzertbesuch auch solidarisch zeigten mit denen, die in Chemnitz jeden Tag gegen Rassismus "durchhalten und gegenhalten". Mit der Konzertteilnahme wollte er all jene ermutigen. Bildrechte: dpa
Campino
Der Sänger der Band "Die Toten Hosen", Campino, hat das Mini-Festival in Chemnitz als Mutmacher bezeichnet. Er sei sich sicher, dass sich die Leute durch ihren Konzertbesuch auch solidarisch zeigten mit denen, die in Chemnitz jeden Tag gegen Rassismus "durchhalten und gegenhalten". Mit der Konzertteilnahme wollte er all jene ermutigen. Bildrechte: dpa
Zehntausende Menschen auf dem Platz neben der Chemnitzer Johanniskirche zum Konzert "Wir sind mehr"
Im Laufe des Abends drängten sich immer mehr Menschen vor der Bühne. Die Stadtverwaltung schätzt, dass 65.000 Besucher zusammengekommen waren. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Ein Veranstaltungstechniker installiert auf dem Parkplatz an der Johanniskirche in Chemnitz eine LED-Leinwand
Am Mittag war es noch ruhig in der Chemnitzer Innenstadt. Ein Veranstaltungstechniker installierte auf dem Parkplatz an der Johanniskirche eine LED-Leinwand. Bildrechte: dpa
Zuschauer stehen vor dem Konzert unter dem Motto #wirsindmehr auf dem Parkplatz vor der Johanniskirche
Schon Stunden vor dem Konzertbeginn am späteren Nachmittag standen Zuschauer auf dem Parkplatz vor der Johanniskirche Bildrechte: dpa
Konzertbesucher waren auch aus Bayern nach Chemnitz gekommen und zeigten ihre ganz besonders typische Flagge am 3.9.3018.
Extra aus München waren diese Besucher angereist, um Flagge zu zeigen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Menschen stehen am Taort in der Chemnitzer Innenstadt am 3.9.2018, an der Stelle, an der Daniel H. vor einer Woche getötet wurde. Viele Menschen gehen danach zum Konzert auf den Parkplatz vor der Johanniskriche.
Bevor sie zum Konzert gingen, trauerten viele Besucher am Tatort in der Chemnitzer Innenstadt, wo der 35-jähirge Daniel H. niedergestochen wurde. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Immer noch strömen die menschen zum Konzertplatz in der Chemnittzer Innenstadt am 3.9.2018.
Zuerst waren die Veranstalter von 10.000 Besuchern ausgegangen. Aber schon zu Beginn des Konzerts um 17 Uhr korrigierten sie die Schätzungen nach oben. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Auf der Feuertreppe des Hochhauses gegenüber des Konzertgeländes sammelten sich viele Menschen - auch Journalisten - um das Geschehen im Überblick zu sehen.
Begehrt waren alle Plätze mit Aussicht auf die Konzertbühne rings um die Johanniskirche. Hier nutzten Besucher die Feuertreppe des Hochhauses gegenüber des Konzertgeländes. Bildrechte: MDR/Katrin Tominski
Auf einem Parkhausdach stehen hunderte Menschen und hören dem Konzert zu.
Apropos Überblick: Dafür musste auch ein Parkhaus herhalten, auf dem sich Hunderte am Abend versammelten. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Junge Leute mit Transparenten. Darauf steht 'Lieber Gutmensch als Arschloch' und 'Nazis sind Scheiße!'
Demonstranten mit selbstgebastelten Transparenten in Chemnitz. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Vor dem Marx-Monument tanzen Menschen und schwenken Fahnen aus Silberfolie. Am Haus hinter dem Monument ist ein großes Transparent angebracht. 'Chemnitz ist weder grau noch braun'.
Vor dem Karl-Marx-Monument tanzten die Menschen und schwenkten Fahnen aus Silberfolie. Am Haus hinter dem Monument hing ein großes Transparent. Titel: Chemnitz ist weder grau noch braun. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Zuschauer stehen bei einem Konzert unter dem Motto #wirsindmehr an einer Bühne vor dem Karl-Marx-Denkmal, auf der DJs Musik machen.
Als es dunkel wurde, kamen immer mehr Leute zum Marx-Denkmal und feierten dort mit DJ-Musik ihre eigene Party - abseits der großen Hauptbühne. Bildrechte: dpa
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Mehrere Zehntausend Menschen haben in Chemnitz bei einem Open-Air-Konzert ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gesetzt. Zu der Veranstaltung unter dem Motto "Wir sind mehr" in der Innenstadt hatten verschiedene Bands eingeladen, darunter Die Toten Hosen, Feine Sahne Fischfilet, die Chemnitzer Band Kraftklub und die Rapper Marteria und Casper. Die Veranstaltung war eine Reaktion auf den gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen Deutschen vor gut einer Woche sowie die folgende Vereinnahmung der Bluttat durch rechtspopulistische Kräfte wie "Pro Chemnitz" beziehungsweise AfD und "Pegida".

Wir waren einfach mal 65.000 Leute! Wir sind immer noch fassungslos angesichts der vielen Leute, die heute mit aufgestanden sind gegen rechte Hetze und für Solidarität statt Rassismus.

Bündnis #wirsindmehr | 03.09.2018

"Wichtig zu zeigen, dass man nicht allein ist"

"Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert nur der Anfang sein kann und dass wir alle den Arsch hochkriegen müssen", rief der Sänger der Rostocker Band Feine Sahne Fischfilet den Tausenden zu und erntete Jubel. Kraftklub-Sänger Brummer sagte: "Wir geben uns nicht der Illusion hin, dass man ein Konzert macht und dann ist die Welt gerettet." Doch manchmal sei es wichtig, zu zeigen, dass man nicht allein sei. Vor der Bühne tanzten und jubelten tausende zumeist junge Leute.

Kein Kampf links gegen rechts

Campino, Leadsänger der Toten Hosen, erklärte vor dem Konzert, die Musiker wollten jenen Menschen in Chemnitz und Sachsen Mut machen, die sich für eine solidarische Gesellschaft einsetzen. Es gehe nicht um einen "Kampf links gegen rechts", sondern darum, sich den Ausschreitungen eines "Rechtsaußenmobs" entgegenzustellen.

Zehntausende Menschen auf dem Platz neben der Chemnitzer Johanniskirche zum Konzert "Wir sind mehr"
Zehntausende zumeist junge Leute waren zum Konzert "Wir sind mehr" nach Chemnitz gekommen. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Die  Innenstadt wurde zur Party-Location

Durch den riesigen Besucheransturm waren auch die angrenzenden Straßen rund um das Konzertgelände voller Menschen. Die Besucher waren aus ganz Deutschland angereist. Auch noch Stunden nach Konzertbeginn strömten Menschenmassen in die Chemnitzer City. Die Innenstadt wurde zur Party-Location. Vor der Stadthalle stellten Flüchtlingsinitiativen und Bündnisse gegen Rechtsradikalismus ihre Arbeit vor. Aus unzähligen Ecken drang Musik. Vor dem Karl-Marx-Monument tanzten hunderte Menschen zu Techno-Klängen, während weitere Menschenmassen zum Konzert strömten. Im Kampf um möglichst gute Beobachterpositionen wurden höhergelegene Punkte geentert. Balkons und Terrassen waren voller Menschen. Selbst auf dem Dach eines Parkhauses in der Nähe standen und jubelten hunderte Menschen.

Vor dem Marx-Monument tanzen Menschen und schwenken Fahnen aus Silberfolie. Am Haus hinter dem Monument ist ein großes Transparent angebracht. 'Chemnitz ist weder grau noch braun'.
Vor dem Karl-Marx-Monument tanzten Hunderte Menschen zu Techno-Beats. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Gedenken für den Toten

Auch am Tatort der Messerattacke drängten sich die Besucher. Viele wollten Daniel H., der dort am 26. August niedergestochen worden war, die letzte Ehre erweisen. Um Zusammenstöße zwischen verschiedenen Lagern zu vermeiden, erhöhte die Polizei am Abend ihre Präsenz. Einheiten aus Berlin sicherten den Gedenkort ab. Auch vor Beginn des Konzertes hatten die Menschen des Toten mit einer Gedenkminute gedacht.

Junge Leute mit Transparenten. Darauf steht 'Lieber Gutmensch als Arschloch' und 'Nazis sind Scheiße!'
Manche Plakate waren einfach nur einfach. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel

Die Toten Hosen mit Überraschungsgästen

Den Schlusspunkt setzten die Altpunker von den "Toten Hosen". Frontmann Campino sagte nach den ersten umjubelten Songs: "Wir waren im letzten Jahr dreimal in Chemnitz. Aber dieses Konzert heute ist mit Abstand das beste". Die Zuschauer riefen "Alerta Antifascista" und "Wir sind mehr!". Zusammen mit Überraschungsgast Rodrigo González von den "Ärzten" sangen die Toten Hosen den Ärzte-Song "Arschloch". Darin geht es um die Gefühlswelt eines jungen, verklemmten Mannes, der zum Nazi wird. Unter viel Jubel und Beifall beendeten die Musiker überpünktlich, wie vom Veranstalter angekündigt, 21:15 Uhr das Chemnitzer Konzert-Highlight des Jahres und wünschten den Besuchern noch einen schönen und gewaltfreien Abend.

Tausende Demonstranten in Chemnitz

Unter dem Motto "Herz statt Hetze" sind in Chemnitz Tausende Menschen zusammengekommen, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" haben sich ebenfalls Tausende angeschlossen.

01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben,in Stellung. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Um die Veranstaltungen in Chemnitz abzusichern, sind Polizisten aus neun Bundesländern sowie der Bundespolizei vor Ort. Hier bringen sich die Wasserwerfer bei der Demonstration von AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" in Stellung. Bildrechte: dpa
AfD-Demo Chemnitz
Gegen 18 Uhr setzte sich der sogenannte Trauermarsch von AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" in Bewegung. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
Teilnehmer der AfD-Demonstration in Chemnitz zeigen Bilder von Gewaltopfern.
Teilnehmer der AfD-Pegida-Bilder zeigen Plakate mit Männern und Frauen, die Opfer von Asylbewerbern geworden sein sollen. Bildrechte: MDR/Christian Essler
Ein Demonstrant wird von der Polizei in Gewahram genommen, weil er geschubst und provoziert haben soll.
Nicht alle Demonstranten waren friedlich. Manche provozierten und schubsten auch die Polizei und wurde in der Folge abgeführt. Bildrechte: Christian Essler
Politiker Herz-statt-Hetze-Demo
Unter den Demonstranten bei "Herz statt Hetze" waren auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, der Linken-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch, Sachsens stellvertretender Ministerpräsident Martin Dulig, Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir und seine Nachfolgerin Annalena Baerbock sowie die ehemalige Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD). Bildrechte: Christian Essler
Bilder der Kundgebung "Herz statt Hetze"
Weitere Eindrücke von "Herz statt Hetze". Bildrechte: Christian Essler
01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Wasserwerfer bringen sich bei der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben,in Stellung. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Um die Veranstaltungen in Chemnitz abzusichern, sind Polizisten aus neun Bundesländern sowie der Bundespolizei vor Ort. Hier bringen sich die Wasserwerfer bei der Demonstration von AfD, Pegida und "Pro Chemnitz" in Stellung. Bildrechte: dpa
Sachsen, Chemnitz: Teilnehmer der Demonstration von AfD und dem ausländerfeindlichen Bündnis Pegida, der sich auch die Teilnehmer der Kundgebung der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz angeschlossen haben, ziehen zum  Karl-Marx-Denkmal. Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt.  Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Davor haben Polizisten ihre Wagen zu einer Sperre aufgestellt. Bildrechte: dpa
AfD-Demo Chemnitz
Der Zug formierte sich auf der Theaterstraße/Innere Klosterstraße. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer
AfD-Demo nimmt in Chemnitz Aufstellung.
Der gemeinsame "Trauermarsch" von AfD und Pegida beginnt. In der ersten Reihe stehen unter anderem die AfD-Landeschefs aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen. Die Veranstalter haben zu einer friedlichen Veranstaltung angerufen. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Blick auf die Pro-Chemnitz-Demo.
Mehrere Tausend Menschen sind zum "Schweigemarsch" angereist. Bildrechte: Christian Essler
Pro Chemnitz
Die Botschaften sind eindeutig. Bildrechte: xcitePRESS
Teilnehmer der "Pro Chemnitz"-Demo versammeln sich am Marx-Monument. Gegen 16 Uhr sind es mehrere hundert. Auch ein Teilnehmer mit Migrationshintergrund läuft bei der Kundgebung mit.
Auf der "Pro Chemnitz"-Veranstaltung. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
Friedenspanzer Chemnitz
Aus Cuxhaven im Norden Niedersachsens ist ein umgebautes Wohnmobil als Friedenspanzer nach Chemnitz gerollt. Bildrechte: Uta Deckow
Der Chemnitzer Unternehmer und Stadtrat Lars Fassmann blockiert mit Grundgetzen die Route der rechten Demonstration. 01.09.2018, Sachsen, Chemnitz: Zahlreiche Grundgesetzbücher stehen auf der Bahnhofstraße in der Nähe der Kundgebung des Bündnisses Chemnitz Nazifrei unter dem Motto «Herz statt Hetze». Am 28.08.2018 war in Chemnitz ein 35 Jahre alter Deutscher durch Messerstiche getötet worden. Bei den für den 01.09.2018 angekündigten Demonstrationen rechnet die sächsische Polizei mit einer hohen Zahl von Teilnehmern.
Der Chemnitzer Unternehmer und Stadtrat Lars Fassmann von der Piraten/Volkssolidarität-Fraktion blockiert auf der Bahnhofstraße mit Grundgesetzen die Route der rechten Demonstration. Bildrechte: Mario Unger
Blick auf die Herz-statt-Hetze-Demo in Chemnitz.
Am Nachmittag sind bereits mehrere Hundert Menschen zusammengekommen, um unter dem Motto "Herz statt Hetze" gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Bildrechte: Christian Essler
Menschen sammeln sich zur Herz-statt-Hetze-Demo in Chemnitz.
Auf einem Parkplatz bei der Johanniskirche versammelten sich die Teilnehmer. Bildrechte: MDR/Matthias Wetzel
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | BRISANT | 04. September 2018 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2018, 20:06 Uhr

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