Drei Tote, sieben Verletzte Der aktuelle Stand zur Messerattacke in Würzburg

Bei einem Messerangriff sind in Würzburg am Freitagabend drei Frauen getötet und mehrere Menschen verletzt worden. Der mutmaßliche Täter sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt derzeit zum Tatmotiv, es gibt erste Hinweise auf einen möglicherweise islamistischen Hintergrund. Das ist der aktuelle Stand.

Polizisten stehen in der Innenstadt von Würzburg
Die Polizei konnte den mutmaßlichen Täter noch am Abend festnehmen. Bildrechte: dpa

Etwa gegen 17 Uhr war der Notruf bei der Polizei eingegangen. Ein unbekannter Mann hatte am Barbarossaplatz in der Würzburger Innenstadt scheinbar wahllos Passanten angegriffen. Bei seiner Festnahme wurde dem mutmaßlichen Täter in den Oberschenkel geschossen. Die Polizei geht nach wie vor von einem Einzeltäter aus.

Bei dem Angriff wurden drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren getötet. Mit einem Messer aus der Auslage hatte er auf eine Verkäuferin eingestochen und anschließend zwei weitere Frauen getötet, sagte Polizeipräsident Gerhard Kallert bei der Pressekonferenz am Samstagnachmittag. Zunächst war man davon ausgegangen, dass die Verkäuferin auch in dem Kaufhaus gearbeitet hatte, in dem die erste Attacke stattgefunden hatte.
Der Täter griff dann weitere Personen in einer Bank und auf der Straße an. Schwerverletzt wurden drei Frauen zwischen 39 und 73 Jahren, ein elfjähriges Mädchen sowie ein 16-jähriger Jugendlicher. Eine 26-Jährige und ein 57-Jähriger wurden leicht verletzt, sie konnten das Krankenhaus zwischenzeitlich wieder verlassen. Der Zustand einer der schwerverletzten Frauen habe sich gebessert, sie schwebe nicht mehr in akuter Lebensgefahr, teilte die Polizei am Sonntag mit. Warum der Täter vor allem Frauen verletzt hat, müssen die Ermittlungen erst noch zeigen.

Kurz nach 19 Uhr meldete die Polizei Unterfranken auf Twitter, dass die Gefahrenlage vorbei sei.


Mutmaßlicher Täter lebte in Obdachlosenunterkunft

Der festgenommene Mann ist ein 24-jähriger Mann aus Somalia, der seit 2015 in Würzburg lebt. Er steht unter subsidiärem Schutz. Das heißt, er konnte stichhaltige Gründe dafür vorbringen, dass ihm "in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht". Der Mann hält sich demnach legal in Deutschland auf. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, ist der Mann in der jüngsten Vergangenheit immer wieder durch Gewaltbereitschaft aufgefallen. Im Januar hatte er bei einem Streit in einer Obdachlosenunterkunft zu einem Messer gegriffen. Verletzt wurde dabei aber niemand, sagte Wolfgang Gründler von der Generalstaatsanwalt Bamberg. Alle bisherigen Vorfälle würden nun routinemäßig noch einmal überprüft.

Wegen "psychischer Auffälligkeiten" sei er auch zwangsweise in psychiatrischer Behandlung gewesen. Der 24-Jährige war zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft gemeldet, die im Rahmen der Ermittlungen auch durchsucht worden ist. Dabei ist ein Handy gefunden worden, das noch ausgewertet werden muss. "Das gestaltet sich schwierig, weil die Nachrichten natürlich nicht auf deutsch sind", sagte Kriminaldirektor Armin Kühnert. Außerdem wurden Hassbotschaften sichergestellt. Dass es sich dabei um Propagandamaterial des sogenannten "Islamischen Staats" handelt, konnte nicht bestätigt werden.


Motive noch unklar

Aus welchem Motiv der mutmaßliche Täter auf die Passanten eingestochen haben könnte, muss erst noch ermittelt werden. Die Polizei prüft nach eigenen Angaben einen möglichen islamistischen Hintergrund. Der Angreifer soll einer Zeugenaussage zufolge "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Der Mann war den Behörden nicht als Extremist bekannt. Es gebe außerdem keine Hinweise auf eine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfern, sagte Innenminister Herrmann im Bayerischen Rundfunk.

Polizeiautos stehen am gesperrten Tatort.
Die Hintergründe der Attacke müssen noch ermittelt werden. Bildrechte: dpa

Gegenüber Beamten soll der Angreifer vom "Dschihad" gesprochen haben, bestätigte Polizeipräsident Gerhard Kallert. Hinweise auf Kontakte zu militanten Salafisten gibt es bisher jedoch nicht. Die Ermittler schließen eine psychische Erkrankung als Hintergrund der Tat nach wie vor nicht aus.

Mittlerweile ist Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Täter erlassen worden. Dieser lautet auf dreifachen Mord und sechsfachen versuchten Mord, außerdem auf vorsätzliche Körperverletzung in mindestens einem Fall. Das gab die Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz am Nachmittag bekannt. Der Mann sei mittlerweile in eine bayerische Justizvollzugsanstalt gebracht worden. Er hat bisher keine weiteren Angaben zur Sache gemacht.

Die Ermittlungen hat das bayerische Landeskriminalamt in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft übernommen.


Polizei bittet um Mithilfe

Die Polizei Unterfranken bittet nun in den sozialen Netzwerken um die Mithilfe der Bevölkerung. Wer Video- oder Fotomaterial von der Tat gemacht hat, wird gebeten, die Daten auf einen Server der Behörden hochzuladen. Erste Handy-Videos, die kurz nach der Tat in den Netzwerken kursierten, zeigen, wie sich Menschen einem barfüßigen Mann mit Messer in der Hand entgegenstellen. Die Authentizität der Aufnahmen war zunächst nicht zu überprüfen.

Am Samstagmorgen hat die Polizei einen der Tatorte weiter abgeriegelt. Vor dem betroffenen Geschäft haben Menschen Blumen niedergelegt und Kerzen für die Opfer aufgestellt. Augenzeugenberichten zufolge sind die Läden und Cafés in unmittelbarer Nähe aber geöffnet. Die Polizei ist derzeit verstärkt im Stadtgebiet unterwegs. Es bestehe aber keine Gefahr, der Einsatz diene dazu, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken.

Ein Polizist steht neben Kerzen und Blumen vor einem geschlossenen und abgesperrten Geschäft in der Würzburger Innenstadt
Mit Blumen und Kerzen gedenken die Menschen der Opfer. Bildrechte: dpa

Politik reagiert betroffen

Um der Toten des Angriffs zu gedenken, sollen die Flaggen in Bayern auf halbmast wehen. "Die Ereignisse sind unfassbar und schockierend", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Samstag in Nürnberg. Bayern trauere um die Opfer. "Wir bangen, beten und hoffen mit den Verletzten und den Angehörigen." Die Trauerbeflaggung soll bis einschließlich Montag gelten.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich bestürzt über den tödlichen Messerangriff. Er forderte, den Täter "für diese menschenverachtende Tat durch den Rechtsstaat zur Verantwortung" zu ziehen. Sein Dank galt den Einsatzkräften, die den Angreifer überwältigt haben. "Ich bin in Gedanken bei denen, die ihre Nächsten verloren haben. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung."


Gottesdienst für die Opfer geplant

Am Sonntag soll im Kiliansdom in Würzburg eine Gedenkfeier für die Opfer stattfinden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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