Eine goldfarbene Justitia-Figur steht im Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg vor Aktenbergen.
Bildrechte: dpa

Gewalt statt Ruhm Youtuber vor Gericht: Minderjährige Fans sexuell missbraucht?

Schminktipps, Lebenshilfe, Nachrichten: Auf Youtube finden Nutzer Videos zu fast allen Themen. Ein Youtuber soll die Plattform allerdings missbraucht haben, um sich an junge Mädchen heranzumachen - mit schlimmen Folgen.

Eine goldfarbene Justitia-Figur steht im Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg vor Aktenbergen.
Bildrechte: dpa

Der 25-jährige Junus W. war auf Youtube als "Yo Oli" und "King Oli" bekannt, hatte rund 300.000 Follower. Seit August sitzt er in Berlin in Untersuchungshaft. Nun muss sich der frühere Youtuber und Influencer vor Gericht verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Mann schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vor, Vergewaltigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Über soziale Netzwerke verabredet

Nach Angaben der Behörde hatte sich der bekannte Berliner Youtuber mit den späteren Opfern über soziale Netzwerke verabredet. Unter dem Vorwand, mit ihnen ein Video für einen seiner Social-Media-Kanäle drehen zu wollen, soll der Mann drei damals 13, 14 und 16 Jahre alte Mädchen in sein Auto gelockt haben.

Das ist ja eine große Bewunderung, wenn mich so ein Youtube-Star auserwählt, mit in seine Welt zu kommen. Damit fühl ich mich als Fan natürlich wahnsinnig gewertschätzt und bin dann bereit, sehr viel dafür zu tun.

Julia von Weiler | Innocence in Danger

Fünf mutmaßliche Taten werden verhandelt

Den Ermittlungen zufolge ist Junus W. mit den Mädchen zu entlegenen Parkplätzen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gefahren, wo er die Teenager missbraucht habe. Fünf mutmaßliche Taten zwischen August 2018 und Juni 2019 werden dem 25-Jährigen zur Last gelegt.

Prozess hinter verschlossenen Türen

Weil sich Junus W. nicht fotografieren lassen wollte, wurde der Ex-Influencer erst in den Saal geführt, als die Kameraleute bereits ausgeschlossen waren. Mit Blick auf den Boden und blassem Gesicht bestätigte er seine Angaben zur Person. Da gleich am ersten Verhandlungstag eines der mutmaßlichen Opfer des Angeklagten vernommen werden sollte, schloss der Vorsitzende Richter die Öffentlichkeit mit Zustimmung der Anwälte aus. "Der Opferschutz gebietet das", so der Richter. Schon in der Anklage würden Namen genannt und detailliert die Tatvorwürfe geschildert. Das würde die intimsten Persönlichkeitsrechte der mutmaßlichen Opfer verletzen.

Klägerinnen von Fans angefeindet

Nach den Vorwürfen gegen den Angeklagten wurden seine Kanäle auf Youtube abgeschaltet. Das stieß in der Youtuber-Gemeinde auf viel Zuspruch. Allerdings hat W. auch eine rege Fangemeinde. Bis heute haben die drei mutmaßlichen Opfer mit Anfeindungen zu kämpfen: Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) aus Ermittlerkreisen erfuhr, würden die Namen der Nebenklägerinnen in den sozialen Medien veröffentlicht - einschließlich ihrer Wohnanschriften. Einen regelrechten "Shitstorm" müssten sie zeitweise ertragen, weil sie aus Sicht anderer User daran schuld seien, dass Youtuber W. aus dem Verkehr gezogen wurde.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2019, 18:59 Uhr

Das könnte sie auch interessieren