Corona Zero Covid oder No Covid? Darum geht es bei den Strategien

Der monatelange Lockdown bringt keinen Erfolg. Doch welcher Weg ist der einzig richtige im Umgang mit der Corona-Pandemie? Das No Covid-Ziel? Oder gar die Zero Covid-Strategie? BRISANT erklärt den Unterschied.

Stempel mit der Aufschrift Corona-Lockdown
Stempel mit der Aufschrift Corona-Lockdown Bildrechte: Colourbox.de

Sowohl Zero Covid als auch No Covid verfolgen das Ziel, die Infektionszahlen drastisch zu senken. 

Mehrere Gruppen und Interessensvertreter unterstützen Zero Covid. Die einen fassen mehr Enteignungs-Utopien ins Auge, die anderen einen Drei-Stufen-Plan.

Vorbilder für Zero Covid sind Australien und Neuseeland. Die Länder haben sich monatelang abgeschottet, dadurch nur wenige Corona-Tote. Und dass dieser Weg funktionierte, liegt nicht nur an der Tatsache, dass es Inseln sind.

Eine klare Kommunikation, eine Exit-Strategie und das tatsächliche Lockern bei erreichten Inzidenzzahlen scheinen ein ganzes Land zum Mitmachen motiviert zu haben. Weil es gerade in Perth einen einzigen Corona-Fall mit der englischen Mutante gibt, schließt die gesamte Stadt für fünf Tage alle Türen.

Rettungssanitäter führen in Broadmeadows Corona-Tests an Personen durch, bei denen zuvor Mitarbeiter von Gesundheits- und Sozialdiensten der Regierung des Bundesstaates Victoria an die Haustüren geklopft haben, um zu erfahren, ob sie irgendwelche Corona-Symptome haben und einen Covid-19-Test wünschen.
Mobile Test-Teams waren in Australien unterwegs. Bildrechte: dpa

#ZeroCovid: Betriebe schließen, Reiche zahlen

Die #ZeroCovid-Initiative hat am 12. Januar im Netz einen entsprechenden Appell veröffentlicht. Mehr als 92.000 Menschen haben bereits unterzeichnet.

Ihre Idee: Ein Knallhart-Lockdown in ganz Europa, bis sich kaum mehr jemand infiziert. Bis zu fünf Wochen könnte dieser Zustand dauern. Die Inzidenz soll in dieser Zeit auf nahezu Null gedrückt werden.

Das Problem jetzt: Zu viele Menschen seien noch unterwegs, begegnen sich im öffentlichen Nahverkehr, weil sie zur Arbeit fahren, so die Fordernden. Also soll in einer sogenannten solidarischen Pause europaweit das gesamte Leben zum Stillstand kommen. "Gesellschaftlich nicht dringend erforderliche Bereiche der Wirtschaft" eingeschlossen. Welche das sein sollen, wird nicht gesagt. Krankenhäuser sollen verstaatlicht werden, der Impfstoff "für alle da sein".

Dass dann ein umfassendes Rettungspaket nötig sei, haben die #ZeroCovid-Befürworter allerdings auch erkannt. Finanziert werden soll der Knallhart-Lockdown von den Reichen. Sie sollen die Maßnahmen in Form einer "Covid-Solidaritätsabgabe" finanzieren. Die Zwangssteuer entfiele auf hohe Vermögen, Unternehmensgewinne, Finanztransaktionen und die höchsten Einkommen.

Viele Hundert Euro Scheine
Die Idee: Wer viel hat, soll davon abgeben. Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Zero Covid: Der Drei-Stufen-Plan

Drei Experten - ein US-Amerikaner, ein Australier und ein Deutscher - haben einen Drei-Stufen-Plan vorgeschlagen, der als Zero Covid bekannt wurde. Ihr Ziel im übertragenen Sinn: den Flächenbrand einzudämmen, um dann nur noch kleine Feuerchen zu löschen. Ob die Betriebe schließen müssten, sagen sie nicht.

  • Erste Phase: So schnell wie möglich auf den Inzidenzwert Null kommen. In jedem einzelnen Landkreis und die Bevölkerung mit einem "Wettlauf zur Null" anspornen. Wichtig seien auch striktere Regeln an Grenzen sowie etwa Quarantäne-Unterkünfte in Hotels für Pendler.
  • Zweite Phase: Das Konzept der Grünen Zonen, in denen man sich frei bewegen und alles öffnen kann, sobald die Infektionszahlen auf null seien. Die Gegenden können zur Normalität zurückkehren – mithilfe von flächendeckendenTests und einer Kontakt-Nachverfolgung.
  • Dritte Phase: Die grünen Zonen können jetzt immer mehr erweitert werden, mit jedem Kreis, der virusfrei wird. Damit ließen sich dann auch Reisekorridore einrichten, Mobilitätskontrollen, Tests und Quarantänemaßnahmen immer vorausgesetzt. So können neue Ausbrüche sofort im Keim erstickt werden.

Verschlossenes Rolltor eines geschlossenen Geschäfts in der Einkaufsstraße und Fußgängerzone Planken in der Innenstadt Mannheim.
Einmal komplett runterfahren für den Erfolg? Bildrechte: imago images/Ralph Peters

No Covid-Strategie: Wirtschaft bleibt offen

Im Grunde eine ähnliche Strategie wie Zero Covid, aber nicht ganz so knallhart. Eine Gruppe europäischer Wissenschaftler will eine europaweite Inzidenz von unter zehn auf 100.000 Einwohner pro Woche erreichen.

Die Anhänger von No Covid sehen auch keinen Widerspruch zwischen einer offenen Wirtschaft und dem Gesundheitschutz. Aber auch sie streben an, dass Europa an einem Strang zieht. Die Expertengruppe schlägt vor, den Lockdown überall dort so lange beizubehalten, bis die Inzidenz von zehn unterschritten wird. In sogenannten lokalen "Grünen Zonen" könnten dann erste Lockerungen stattfinden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Februar 2021 | 17:15 Uhr

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