Delta-Variante Corona-Impfung: Weshalb ist die zweite Dosis so wichtig?

Die einen warten händeringend auf ihren ersten Termin für eine Corona-Schutzimpfung, andere sagen ihren Termin für die Zweitimpfung ab - oder lassen ihn einfach sausen. Einzelfälle sind das nicht. Mehrere Tausend Impftermine pro Tag sollen es sein, die in Deutschland einfach nicht wahrgenommen werden. Angesichts der sich in Europa immer weiter ausbreitenden Delta-Variante eine gefährliche Entwicklung. Warum?

Spritze liegt auf Impfpass
Bei den meisten Corona-Impfstoffen sind zwei Dosen notwendig, damit man vollständig gegen das Virus geschützt ist. Bildrechte: imago images/Eibner

Die Zahl der Corona-Impfungen in Deutschland nimmt zu: Mehr als 70 Millionen Impfdosen sind in Impfzentren, Arztpraxen und durch Betriebsärzte verabreicht worden. Mehr als jeder zweite Deutsche ist einfach, mehr als jeder dritte bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Für die meisten Impfstoffe bedeutet das, dass die Impflinge zwei Impfdosen erhalten haben. Noch im Juli soll allen impfwilligen Erwachsenen ein Impfangebot gemacht werden, stellt Gesundheitsminister Jens Spahn in Aussicht.

Dennoch beklagen sowohl Impfzentren als auch Hausärzte, dass vor allem Termine für die Zweitimpfung abgesagt oder einfach nicht wahrgenommen werden. Ob der Grund dafür bei den Nebenwirkungen nach der ersten Impfdosis oder den stetig sinkenden Inzidenzen liegt, darüber kann nur spekuliert werden.

Vollständiger Impfschutz nur bei zwei Impfdosen

Eine Infektion mit dem Coronavirus können auch die Corona-Schutzimpfungen nicht zwingend verhindern, wohl aber einen schweren, lebensbedrohlichen Covid-19-Verlauf. Allerdings nur, wenn man den vollen Impfschutz hat - und für den sind zwei Pikse notwendig. Eine Ausnahme bildet der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson. Hier ist eine Impfdosis ausreichend.

Bei den Vakzinen von Biontech und Moderna soll die Zweitimpfung drei bis vier Wochen nach der Erstimpfung erfolgen, beim Astrazeneca-Impfstoff vier bis zwölf Wochen danach.

Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe im Vergleich

Hersteller Empfohlener Impfabstand Wirksamkeit 14 Tage nach erster Impfung Wirksamkeit nach vollständiger Impfung Dauer bis zur vollen Wirksamkeit
Biontech/Pfizer 3-6 Wochen 80 % 95 % 7 Tage
Moderna 4-6 Wochen 80 % 95 % 14 Tage
Astrazeneca 12 Wochen 60 % 80 % 15 Tage
Johnson und Johnson Einmalimpfung 65 % 65 % 14 Tage

Quelle: Robert-Koch-Institut

Dauer des Impfschutzes durch Zweitimpfung verlängert

Wie lange ist man nach erfolgter Schutzimpfung vor dem Coronavirus sicher? Eine Frage, an der sich nach wie vor die Geister scheiden. Fest steht: Nach der zweiten Impfung ist die Antikörperantwort zehn- bis zwanzigmal stärker als nach der ersten Impfung. Daraus schließen Wissenschaftler, dass der Impfschutz ohne zweite Impfung nicht so lange anhalten könnte.

Bei älteren Menschen kommt hinzu, dass die Immunantworten meist geringer ausfallen als bei Jüngeren. Auf die zweite Impfung sollte also auf keinen Fall verzichtet werden.

Was tun, wenn man den zweiten Impftermin verpasst hat?

Kann man seinen Termin für die zweite Impfung nicht wahrnehmen, sollte man ihn zumindest absagen und einen neuen Impftermin vereinbaren. Das verhindert, dass der nach wie vor knappe und wertvolle Impfstoff verfällt, sondern an andere Impfwillige verimpft werden kann.

Hat man seinen zweiten Impftermin schlicht verschwitzt, sollte man sich umgehend um einen neuen Termin bemühen. Auch dann, wenn man den empfohlenen Abstand zwischen erster und zweiter Impfung bereits überschritten hat.

Gelber Impfpass neben CovPass-App
Den CoVpass bekommt nur, wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist. Bildrechte: imago images/Eibner

Delta-Variante - Weshalb ist der Schutz durch die Erstimpfung nicht ausreichend?

Zwar fallen die Corona-Zahlen aktuell schneller als sich viele erhofft haben, dennoch gibt es ein neues Corona-Sorgenkind: die Delta-Variante. Die Virusmutation, die erstmals in Indien entdeckt wurde, soll doppelt so ansteckend sein und doppelt so viele Hospitalisierungen notwendig machen, wie die bisherigen Virus-Varianten. Und: Sie ist mittlerweile auch in Deutschland und Europa auf dem Vormarsch.

Experten befürchten, dass die Delta-Variante (spätestens im Herbst) eine vierte Corona-Welle auslösen wird. Verhindern können soll das ein zügiges Impfen. Geschützt vor der neuen Variante sind vor allem diejenigen, die einen vollständigen Impfschutz haben.

Kein digitales Impfzertifikat ohne zweiten Piks

Auch rein pragmatische Gründe sprechen für einen vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus. Seit Anfang Mai gelten für vollständig Geimpfte wieder mehr Grundrechte - auch bei hohen Inzidenzen. Auch das elektronische Impfzertifikat, welches das Reisen innerhalb Europas deutlich erleichtert, bekommen nur diejenigen, die vollständig geimpft sind.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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