Louis Armstrong
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Louis Armstrong Gastspiel einer Jazz-Legende

Von Stephan Schulz

1965 - mitten im Kalten Krieg - tourte Louis Armstrong vier Wochen lang durch Osteuropa. In der DDR gab er 17 Konzerte in fünf Städten und wurde von den Jazz-Enthusiasten begeistert gefeiert.

Louis Armstrong
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Es war im März 1965: Die USA warfen gerade Napalmbomben auf Vietnam ab, der sowjetische Kosmonaut Alexej Archipowitsch Leonow schwebte als erster Mensch für 20 Minuten frei im Weltraum, und die Bundesrepublik Deutschland stoppte ihre Wirtschaftshilfe für Ägypten, weil sich das afrikanische Land nicht davon hatte abhalten lassen, den Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, zu empfangen. In diesem weltpolitisch bedeutsamen Monat brach der Weltstar des Jazz, Louis Armstrong, zu einer ausgedehnten Konzertreise hinter den "Eisernen Vorhang" auf.

Auf dem Tourneeplan standen fünf sozialistische Länder, darunter die DDR. Die ostdeutsche Künstleragentur hatte den Musiker aus den USA als "Kämpfer gegen Rassismus" eingeladen. Seine Gage übernahm ein umtriebiger Geschäftsmann aus der Schweiz. Im Gegenzug öffnete sich für ihn ein Depot im Elbsandsteingebirge, aus dem er Jagdwaffen aus dem 30-jährigen Krieg und andere Antiquitäten erwerben konnte. Schließlich litt die DDR an chronischem Devisenmangel.

"Vergessen Sie diesen Bullshit"

Louis Armstrong war der erste US-amerikanische Showstar, der in der DDR gastierte. Als er auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld ankam, wurde er wie ein Staatsgast empfangen. Die Mauer stand seit dreieinhalb Jahren, der "Kalte Krieg" war in vollem Gange. Die DDR sonnte sich im Licht des immer lachenden Afroamerikaners. Als ihn ein westdeutscher Journalist während einer Pressekonferenz in Berlin nach der Mauer fragte, zischelte Armstrong: "Sie wissen doch ganz genau, dass ich hier nicht sagen kann, was ich sagen möchte. Aber wenn Sie es unbedingt hören wollen: Vergessen Sie diesen Bullshit." Darauf schob der Generaldirektor der Künstleragentur der DDR, Ernst Zielke, folgenden Satz nach: "Interessant ist es immerhin, dass die einzige Frage dieser Art nicht von uns, sondern von einer westlichen Gesellschaft gestellt wurde. Wir registrieren das mit Freude."

Armstrong Roadmanager Frenchy, der Fahrer beim Mafiaboss Al Capone gewesen sein soll, erwiderte daraufhin: "Herr Armstrong denkt nicht immer nur an Probleme. Er tritt in allen Staaten, auf allen Kontinenten auf. Er bläst seine Trompete für Schwarze und Weiße, für Juden, Araber, Katholiken und wie sie alle heißen. Wenn es sein muss, spielt Herr Armstrong auch für die Eskimos am Nordpol oder für die Pinguine am Südpol."