Till Hochstetter (Darsteller unbekannt li.) und Ben Gerlach (Darsteller unbekannt) im Gespräch mit Karl Fischer (Walter Lendlich) in seinem Werzeugschuppen.
Bildrechte: MDR/DRA

Die Geschichte eines Films Polizeiruf 110: "Im Alter von ..."

Der Kriminalfilm wurde bereits nach den Dreharbeitern verboten. 2011 wurde der Krimi unter großem Aufwand fertiggestellt. Die Geschichte der Filmentstehung ist ein Krimi für sich.

Till Hochstetter (Darsteller unbekannt li.) und Ben Gerlach (Darsteller unbekannt) im Gespräch mit Karl Fischer (Walter Lendlich) in seinem Werzeugschuppen.
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Zwischen 1969 und 1971 löste eine Mordserie die bis dahin größte Polizeiaktion der DDR aus. Der zur Tatzeit minderjährige Mitropa-Lehrling Erwin Hagedorn hatte drei Jungen auf brutale Weise ermordet. Die Ermittler filmten seine Geständnisse. Dieses bedrückende Filmmaterial zeigten die Fachberater vom Ministerium des Inneren (MdI) der jungen Polizeirufcrew, machten sie mit einem schrecklichen Verbrechen bekannt. Der Fall selbst sollte nicht verfilmt werden, aber Anlass sein, mit dem Polizeiruf über Sexualstraftaten aufzuklären.

Ein Film ohne Sendetermin?

Nach dem Szenarium der Krimiautorin Dorothea Kleine schrieb Heinz Seibert, der bereits bei mehreren Filmen der Reihe Regie geführt hatte, das Drehbuch, in dem er den Kriminalfall so veränderte, dass er nicht mehr an den Eberswalder Fall erinnerte und stellte die Ermittlungsarbeit der Einsatzgruppe Fuchs in den Vordergrund. Das MdI befürwortete daraufhin die Produktion. Kurz vor dem letzten Drehtag wurden die Dreharbeiten jedoch unerwartet erschwert, Material und Technik der Polizei wurden abgezogen und schließlich kam das Aus. Heinz Seibert konnte zwar noch eine erste Rohschnittfassung mit dem Titel "Im Alter von ..." fertig stellen. Aber an den internen Vorführungen, die dann folgten, durfte er schon nicht mehr teilnehmen.

Anfang November wurden wir alle zum Gespräch von dem damaligen Bereichsleiter Manfred Engelhardt eingeladen. Da war der Chefdramaturg dabei, der Regisseur Heinz Seibert, der Kameramann Tilmann Dähn, der Dramaturg und ich. Da wurde uns eröffnet, dass der Film gestoppt wird und nicht gesendet werden kann. Wir waren alle ziemlich gelähmt und betroffen, weil das nicht nachvollziehbar war.

Eberhard Görner, Dramaturg Interview zum Film

Es sollte der letzte Polizeiruf für Heinz Seibert sein, im Bereich Fernsehdramatik hatte man keine Aufgaben mehr für ihn. Er blieb zwar angestellt beim DFF, bekam hier und da mal kleinere Aufgaben, wurde jedoch gemieden und isoliert.

Die Suche beginnt

Als die Wende kam, hoffte Seibert, dass der Film aus dem Archiv wieder auftaucht. Aber er war nicht mehr da. Seibert versuchte, wenigstens in den Akten noch eine Spur zu finden, befragte frühere Kollegen, recherchierte in Archiv-Journalen, wollte wissen, warum der Film verboten wurde.

Im Deutschen Rundfunkarchiv wird eine Notiz des damals für die Reihe verantwortlichen Chefdramaturgen Lothar Dutombé aufbewahrt. Er vermerkte am 04.04.1975, dass nach Anweisung des MDI der Film so nicht gesendet werden dürfe.
Alles Material sollte vernichtet werden, Rohschnitt, Kopie, Aufzeichnungen, alle Drehbuchexemplare, einfach alles. Durch einen Zufall entging jedoch das stumme Kameranegativ der angeordneten Vernichtung. Die Filmbüchsen tauchten zur Wendezeit wieder auf. Die Aufarbeitung der Filmnegative des DDR-Fernsehens im Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg nahm Jahre in Anspruch. Erst Anfang 2009 konnte das Team um Dr. Peter-Paul Schneider die Rohmaterial-Rollen der vermissten Polizeiruffolge identifizieren. Doch da weder der Ton, noch ein Drehbuch erhalten waren, schien eine Rekonstruktion des Films nicht mehr möglich zu sein.

Die Rettung

Am Rande einer filmhistorischen Recherche stieß der Autor Thomas Gaevert 2009 bei Dorothea Kleine auf das Drehbuch. Durch diesen Fund wurde es plötzlich wahrscheinlich, dass der Film rekonstruiert werden kann. Doch wie soll man mit dem fehlenden Ton umgehen? Wichtige Darsteller aus den frühen Polizeiruf-Jahren, die auch in diesem Film die Hauptrollen spielten, leben nicht mehr. Die Redaktion des MDR entschied sich dafür, den Film trotzdem wieder zum Leben zu erwecken. Der Plan: Aktuelle Stars der Polizeirufserie leihen den Kollegen der frühen Jahre ihre Stimme.

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2011, 11:07 Uhr