Berge der Hohe Tatra.
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Wo der Osten Urlaub machte: Hohe Tatra Das kleinste Hochgebirge der Welt

Hochgebirgsgipfel, kristallklare Seen, romantische Täler und urige Berghütten – die Hohe Tatra war eines der beliebtesten Reiseziele für die DDR-Bürger.

Berge der Hohe Tatra.
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"Früher, zu DDR-Zeiten, konnten die Menschen aus Ostdeutschland ja nicht viel verreisen", sagt Juraj Gantner, Wirt der Berghütte am "Grünen See", die als die Schönste der Hohen Tatra überhaupt gilt. "Deshalb kamen sie zu uns in die Hohe Tatra. An einem Tag kamen manchmal 1.700 Urlauber allein nur in unsere Hütte, und davon waren gut zwei Drittel aus der DDR."

Das gesamte Repertoire der Alpen auf engstem Raum

Der größere Teil der Hohen Tatra gehört zur Slowakei und der kleinere Rest zu Polen. Es ist das kleinste Hochgebirge der Welt: kaum 50 Kilometer lang und maximal 15 Kilometer breit. Aber auf diesem engen Raum gibt es 25 Gipfel mit einer Höhe von 2.600 Metern. Außerdem gibt es kristallklare Bergseen, tosende Wasserfälle, romantische Täler, zahllose urige Berghütten und Wiesen mit Edelweiß - im Grunde genommen also das gesamte Repertoire der Alpen auf lediglich 780 Quadratkilometern. Dafür herrscht Ruhe, wie sie sonst nur noch in entlegensten Regionen der Alpen zu finden ist. Auch die Vielfalt in der Tierwelt spiegelt die Unberührtheit der Region wider: Andernorts längst ausgestorben leben hier Braunbären, Luchse, Murmeltiere, Wölfe und Auerhähne.

Das Ski- und Wanderparadies der DDR-Touristen

Die Hohe Tatra war das Wander- und Skiparadies unternehmungslustiger DDR-Bürger. In den 70er- und 80er-Jahren stillten hier Hunderttausende ihre Sehnsucht nach Bergluft, hohen Gipfeln und Hüttenromantik. Neben der bulgarischen Schwarzmeerküste und dem Balaton war die Hohe Tatra beliebtestes Reiseziel. Die Zeltplätze waren überfüllt und die Unterkünfte in Hotels und Pensionen auf Jahre im Voraus ausgebucht. Abends hockten die Wandersleute aus Neubrandenburg, Halle oder Erfurt dichtgedrängt in den Berghütten, aßen Knödel und tranken starkes tschechisches Bier. "Da saßen immer Hunderte von Menschen beisammen. Es war ein bisschen wie an der Ostsee", erinnert sich Monika Riedel, die gemeinsam mit ihrem Mann jedes Jahr Urlaub in der Hohen Tatra machte, vierundvierzig Mal bis heute. "Es war brechend voll, aber schön. Und wie hieß das früher? Auf die Freundschaft, auf den Frieden und auf die Solidarität. Und auf die Liebe, na klar".

Kraxenträger transportieren Gepäck auf Berghütte
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Familie Neutsch aus Halle-Neustadt ist begeistert von der Hohen Tatra - dem kleinsten Hochgebirge Europas. Seit 30 Jahren fahren sie immer wieder in die Slowakei.

Di 28.08.2007 11:56Uhr 10:34 min

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Die Urlauber aus Deutschland bleiben aus

Im Vergleich zu den Achtzigerjahren sind die Urlauberzahlen heute viel geringer. Juraj Gantner, Wirt der Berghütte am "Grünen See", die als die Schönste der Hohen Tatra gilt, trauert den vergangenen Zeiten nach. Die Touristen aus der DDR waren gut fürs Geschäft. Ihm zufolge kommt jetzt nur noch ein Zehntel der Besucher aus Deutschland. Die meisten sind jetzt Polen und Russen. Aber zum Glück gibt es immer noch Menschen aus Deutschland, die sich der Hohen Tatra verbunden fühlen, und die waren meistens auch früher schon hier gewesen". So wie die Familie Riedel aus Sachsen-Anhalt, die nach wie vor jedes Jahr in die Hohe Tatra reist: "Man kann es so sagen: Wenn wir hierher fahren, ist es wie nach Hause zu kommen".

(Zitate aus: "Wo der Osten Urlaub machte: Hohe Tatra – Urlaub in den Bergen", MDR 2007.)

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2011, 09:07 Uhr