Film ab! Ein Rundgang durch den Palast der Republik

Kommen Sie mit auf einen Rundgang durch "Erichs Lampenladen" – wie der "Palast der Republik" vom Volk spöttisch genannt wurde. Aus zwei Reportagen des DDR-Fernsehen aus den Jahren 1976/77 haben wir einen Videotour vom Foyer bis zur Bowlingbahn zusammengestellt.

Hauptfoyer

Als eine "Harmonie von Licht und Farben" beschrieb der Reporter des DDR-Fernsehens begeistert das 86 Meter lange und 42 Meter breite zweigeschossige Foyer des Palastes der Republik. An den Wänden hingen großformatige Gemälde, die vom "Sieg des Sozialismus künden", so der Reporter, und an den Decken Tausende Lampen, was dem Palast auch den Spottnamen "Erichs Lampenladen" einbrachte.

Plenarsaal

Vom Foyer gelangte man in den Plenarsaal der Volkskammer. Hier tagten von 1976 an die Abgeordneten des DDR-Parlaments, und alle fünf Jahre hielt die SED ihre Parteitage ab. Am 7. Oktober 1989 feierte die DDR-Staatsführung im "Großen Saal" den 40. Geburtstag der DDR, während draußen das Volk demonstrierte. Am 23. August 1990 beschlossen die Abgeordneten der ersten frei gewählten Volkskammer in diesem Plenarsaal in einer turbulenten Nachtsitzung den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.

Restaurants

Gut ein Dutzend Restaurants, Bars und Cafés gab es im Palast. Sie boten Platz für insgesamt 1.500 Gäste. Hinzu kamen noch 200 Plätze auf der Terrasse und dem Boulevardcafé. Das exklusivste "Speiselokal" war ohne Frage das "Palastrestaurant". Das Geschirr und den Wandschmuck hatten die künstlerischen Leiter der Meißner Porzellanmanufaktur eigens für den Palast kreiert.

Wein- und Bierstube

Eher volkstümlich ging es in der Wein- und in der Bierstube des Palasts zu. Das Mobiliar war rustikal und an den Wänden hingen alte Ansichten von Berlin. Es gab Unstrutweine und manchmal auch das begehrte Radeberger Bier. Die Kellner waren in jedem Fall vornehm gekleidet: dunkelgrüner Anzug, fliederfarbenes Hemd und lila Fliege.

Küche

1.800 Portionen konnten die Köche in der Palastküche pro Stunde für die verschiedenen Restaurants zubereiten. Sie kamen aus allen Regionen der DDR, um die Vielfalt der kulinarischen Traditionen im "Haus des Volkes" auch gewährleisten zu können. Und es wurde üppig aufgetafelt, kein Hauch vom Mangelland DDR. Ein kaltes Buffet für Berliner Bauarbeiter umfasste neben allerlei Südfrüchten auch diverse Braten und Kaviar.

Theater im Palast

Der Palast der Republik besaß auch ein eigenes Theater - das "Theater im Palast" (TiP). Es befand sich im vierten Geschoss und wurde vom ersten bis zum letzten Tag von der Schauspielerin und Sängerin Vera Oelschlegel geleitet. Wegen seiner zum Teil experimentellen Aufführungen genoss es in der DDR einen guten Ruf. Es fanden aber auch Lesungen, Werkstattgespräche und Jazzkonzerte statt. In den späten 1980er-Jahren spielten sogar Ostberliner Punkbands im "TiP", und Heiner Müllers lange verbotenes Stück "Quartett" erlebte hier seine DDR-Uraufführung.

Bowlingbahn

In einem Untergeschoss des Palastes, mit Blick auf die Spree, befand sich eine Bowlingbahn mit angeschlossenem Restaurant. Die Treffer "werden elektronisch" auf einer Tafel angezeigt, merkte der Reporter des DDR-Fernsehens stolz an. Von morgens 10:00 Uhr bis nachts 1:00 Uhr war die Bahn geöffnet und fast immer ausgebucht. Morgens um 7:00 Uhr entspannten sich hier noch die Mitarbeiter des Palasts.

Großer Saal

Der "Große Saal", eine Schöpfung des Architekten Manfred Prasser, galt als ein kleines technisches Wunderwerk. Die Anzahl der Sitzplätze ließ sich mittels eines "schwenkbaren Parketts" und durch "Senk- und Rollwände" jeder Zeit leicht verändern: 800 Sitzplätze waren die minimale, 3.800 die mittlere und 5.000 die "große Variante". Doch die Plätze konnte man auch gänzlich verschwinden lassen, um den "Großen Saal" in einen Ballsaal verwandeln zu können. "Erlaubt waren alle Ideen", sagt Chef-Bauleiter des Palastes, Erhard Gißke, in einem Interview. "Untersagt waren hingegen die Worte: 'Das geht nicht.'"

Getränkelager

35 Meter unter der Erde befand sich das "Getränkelager" des Palastes der Republik. Insgesamt 78 riesige Tanks standen in den Kellerräumen, gefüllt mit Berliner Bier, Club Cola und Bitter Lemon. Zweimal pro Woche kamen Laster und brachten Nachschub - "denn der Durst der Gäste kennt keine Grenzen", sagte der Reporter des DDR-Fernsehens.

Patisserie

Die "Milchbar" des Palastes der Republik war legendär in der DDR. 20 Sorten Eis waren hier ständig im Angebot. Geradezu Berühmtheit erlangte die exklusive "Stern-Sahnetorte". 28 Pâtissiers stellten alles selbst her – auch Gebäck, Pralinen und Waffeln. Und die Preise waren dabei ausgesprochen moderat: Ein Eisbecher mit Mandarinen kostete beispielsweise nur 1,80 Mark.

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2011, 13:33 Uhr