Zeitzeuge Teil 3 Karl-Heinz Krause

Karl-Heinz Krause betreibt in Leipzig gemeinsam mit drei Freunden einen Piratensender. "SFP" strahlt illegal die von der Partei verpönte Beatmusik aus.

Rock'n Roll und heiße Rhythmen gelten als dekadent, zersetzend - damals in den 60ern. Und doch haben viele Menschen Augen und Ohren nach Westen gerichtet. Karl-Heinz Krause, Wolfgang Siebedorn, Jürgen Jost, Rolf Schmidt und Gabriel Seidel sind wie viele ihrer Generation auch in der DDR begeistert von der Beatbewegung. "Wir hatten gesucht, nach irgendetwas Gemeinsamen, diese aufkommende Beatmusik war ideal." Ob verboten oder nicht – darüber machen sich die vier Freunde keine Gedanken. "Wir fingen dann an, Musiktitel zu sammeln, wir machten eine Hitparade, erst für uns, dann machten wir es schon für die Schulklasse."

Das Problem: Wie kommen sie an die aktuellen Titel aus dem Westen ran? Auch in Leipzig empfängt man je nach Wohnlage Rundfunksender des "Klassenfeindes" wie den Deutschlandfunk oder den RIAS aus Berlin. "Da haben wir mitgeschnitten auf Teufel komm raus und haben das, was einigermaßen brauchbar war, hineingesetzt in unsere Hitparaden." Bald wird die Idee des eigenen Radiosenders geboren: "Man müsste das auch eigentlich mal senden können."

Ein Telegrafiesender wird dazu "umgefriemelt", kein Problem für die findigen jungen Männer. Und wie kommt der Name des Senders zustande? Rolf Schmidt hat Glück: Dort, wo er wohnt, kann er den Sender Freies Berlin, den SFB, bestens empfangen. "Da haben wir zu ihm gesagt: 'SFB, das klingt so ein bisschen wie...' Da sind wir eben auf Sender Freies Paunsdorf gekommen." Ab 1966 senden die Jugendlichen jeden Sonnabend illegal ihre Hitparade auf der Frequenz des deutschen Soldatensenders, wenn der Sendepause hat. Außer Musik bringen sie Berichte aus Leipzig.

Aber die Wirklichkeit holt sie immer wieder ein, denn das, was sie tun, wird in der DDR strafrechtlich verfolgt. Peilwagen der Deutschen Post sind unterwegs, um den illegalen Radiosender zu entdecken. Doch knapp vier Jahre lang machen die Jugendlichen ihr eigenes Radioprogramm. Nie werden sie enttarnt, obwohl die Peilwagen ihnen mehr als einmal auf der Spur sind. 1968 wird Karl-Heinz Krause, der Moderator, zum Wehrdienst eingezogen. Bis zum Ende des Senders Freies Paunsdorf Anfang 1969 übernimmt Jürgen Jost die Moderation für ihn.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2011, 11:24 Uhr