Lexikon Intershop

Devisen | Forumschecks

"Intershop-Läden sind selbstverständlich keine ständigen Begleiter des Sozialismus." Doch so selbstverständlich, wie Erich Honecker dies im September 1977 vor seinen Genossen in Dresden beteuerte, blieben die Geschäfte bis zum Ende ein wichtiger Teil der DDR-Volkswirtschaft. Die 1962 gegründete staatliche Handelsorganisation Intershop schöpfte an Grenzübergängen und Transitstrecken, in Bahnhöfen und größeren Hotels die Devisen westlicher Besucher ab. Infolge der innerdeutschen Entspannung und der Liberalisierung des Reiseverkehrs kamen in den siebziger Jahren auch immer mehr DDR-Bürger zu den begehrten Devisen.

Ab 1974 - bis dahin war der Besitz von Westgeld offiziell verboten - durften auch sie in den Intershops Genussmittel, Kleidung, Schmuck, Spielzeug und Elektrogeräte einkaufen. Um die Kontrolle und Planungssicherheit über den Geldfluss zu behalten, musste die D-Mark ab 16. April 1979 bei der Staatsbank der DDR in "Wertschecks der Forum Außenhandels GmbH" umgetauscht werden. Nur mit diesen Forumschecks war der Einkauf im Intershop möglich.

Dass Bürger ohne D-Mark einen "gewissen Nachteil" hätten, räumte Honecker in Dresden ein. Ohne Forumschecks konnte man sich in den parfümierten Verkaufsräumen allenfalls ein eigenes Bild vom "verfaulenden Kapitalismus" machen. Die Unzufriedenheit der benachteiligten Bevölkerung wurde von vornherein eingeplant. Gleichzeitig mit den ersten Intershops eröffneten "Exquisit"-Läden für hochwertige und importierte Mode; ab Mitte der Siebziger Jahre konnte man im "Delikat" Nahrungs- und Genussmittel aus dem "Nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet" kaufen, die es in der Kaufhalle nicht gab - zu hohen Preisen, aber für DDR-Mark.

DDR-Witze zum Thema: "Was ist dort, wo ein Genosse ist? Ein Weg. Was ist dort, wo zwei Genossen sind? Eine Straße. Was ist dort, wo alle Genossen sind? Der Intershop..."

"Lieber rückwärts aus dem Intershop als vorwärts zum Parteitag..."

Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2010, 09:26 Uhr