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Zensur in der DDR Falsche Fährten in der Literatur

Von "Weißen Elefanten"und "Scheren im Kopf"

Theoretisch versprach die DDR-Verfassung das Recht auf freie Meinungsäußerung. Praktisch regelte die Zensur, was gedruckt wurde. Doch die Literaten wussten sich zu helfen.

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Das Monopol über die rund 80 DDR-Verlage oblag der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur. Sie hob den Daumen oder senkte ihn, wenn es um die Zustimmung, beziehungsweise Ablehnung einer Veröffentlichung ging. Sie bestimmte die Auflagenhöhe, wies Papier und Druckkapazitäten zu und hatte zudem Einfluss auf Verlagsleitung und Lektoren. Durchaus gängige Praxis war, dass ein wohlgelittener Autor eine Auflage von 30.000 Exemplaren genehmigt bekam, ein kritischer Schriftsteller, wenn überhaupt, von nur 10.000 Exemplaren.

Einheitliche Regeln fehlten

Jedes Buch musste dem Kulturministerium zum Begutachten vorgelegt werden - auch jede Neuauflage. Zusammen mit dem Manuskript waren mindestens zwei Gutachten einzureichen: ein vom Lektor erstelltes, sowie ein Außengutachten. Beide beurteilten sowohl die literarische Qualität als auch die politische Aussage des Manuskriptes und galten der Hauptverwaltung als Empfehlung. Daran gebunden war sie jedoch nicht. Das Problem dabei: Es gab keine einheitlichen Regeln, das machte die Zensur unberechenbar. Ein Ja oder Nein war abhängig von den aktuellen politischen Vorgaben genauso wie vom Geschmack des jeweiligen Funktionärs und konnte sogar von Ort zu Ort ganz unterschiedlich ausfallen. Man wusste also nie, was die Uhr gerade geschlagen hatte. So passierte es eben auch, dass selbst dem Sozialismus eng verbundene Schriftsteller Opfer der Zensur wurden, wenn sie das "falsche" Thema gewählt hatten.

Opfer der Zensur

Zu Opfern der Zensur gehörten so bekannte Autoren wie Stefan Heym, Irmtraut Morgner und Werner Bräunig. So wird unter anderem Heyms Roman über Ferdinand Lassalle als Kritik am real existierenden Sozialismus verstanden und zunächst nicht zum Druck zugelassen. Genau wie Irmtraut Morgners "Rumba auf einen Herbst", Heiner Müllers "Hamletmaschine" oder Werner Bräunigs "Rummelplatz".

Falsche Fährten: Die "Weißen Elefanten"

Bei so manchem Schriftsteller führte die "Genehmigungspraxis" zur Selbstzensur, auch "Schere im Kopf" genannt, mit der er das eigene künstlerische Werk so beschnitt, dass es eine Chance zur Veröffentlichung erhielt. Aber es gab auch das Spiel mit der Zensur. Dabei schrieben Autoren ganz bewusst so genannte "weiße Elefanten" in ihre Bücher - Sätze, von denen klar war, dass sie dem Zensor sofort ins Auge fallen und ihn provozieren würden. Sie sollten ihn von anderen, subtil verfassten kritischen Sätzen ablenken.

Alternative Künstler pfeifen auf offizielle Genehmigungen

Seit dem Ende der 70er-Jahre etablierte sich in Leipzig, Dresden, Chemnitz und vor allem im Berliner Prenzlauer Berg eine alternative Kunstszene. Die jungen Künstler - unter ihnen A.R. Penck, Helge Leiberg, Jan Faktor und Bert Papenfuß - scherten sich nicht mehr um staatliche Restriktionen. Sie hatten mit dem System abgeschlossen und versuchten gar nicht erst, ihre Werke in den offiziellen Verlagen zu veröffentlichen - sie gaben ihre Künstlerbücher in kleinen Auflagen selbst heraus. Unterstützt wurden sie dabei von etablierten Autoren wie Christa und Gerhard Wolf, von Heiner Müller, Karl Mickel und Adolf Endler. Freilich – die Staatssicherheit wusste Bescheid. Auch in der Szene hatte sie ihre Zuträger...

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2011, 09:52 Uhr