Damals im Osten | Porzellanmanufaktur Meißen Rudi Stolle – Der Maler

Er war das älteste Mitglied des "Kollektivs Künstlerische Entwicklung". Rudi Stolle malte und zeichnete Dekore, die sich heute in den bedeutendsten Museen der Welt befinden.

Osteuropa

Rudi Stolle im Interview 4 min
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"Wir waren eine verschworene Gemeinschaft, in der alle Dinge besprochen wurden und jeder hat beim andern reingeredet. Manchmal gab’s auch Streit, aber der gehört dazu", erinnert sich der Dekormaler Rudi Stolle an die Arbeit im "Kollektiv Künstlerische Entwicklung". "Wir haben ja oft auch Sachen gemacht, die einer allein gar nicht hätte bewältigen können, große Wandgestaltungen etwa, da mussten jeder mitmachen. Oder das berühmte 'Jagdservice', da mussten Figuren modelliert, neue Formen entwickelt und Dekore gemalt werden. Das war eine riesige Arbeit, die sich über zwei Jahre hinzog."

Rudi Stolle, der nur malte, wenn er Lust hatte, wurde 1919 in Meißen geboren. 1934 absolvierte er eine Lehre zum Lithograf und besuchte nebenher die Kurse der Malerklasse der Porzellanmanufaktur. 1940 musste er als Soldat in den Krieg ziehen – nach Polen, in die Ukraine, nach Frankreich und Italien. 1944 geriet er in amerikanische Gefangenschaft und wurde in die USA gebracht. Nach Kriegsende hielt er sich in England auf – in Liverpool und Birmingham, bevor er 1947 nach Meißen zurückkehrte.

Im selben Jahr begann er als Blumenmaler in der Porzellanmanufaktur zu arbeiten und wurde 1960 das älteste Mitglied des "Kollektivs Künstlerische Entwicklung". In diese Jahre fallen auch seine ersten eigenen Dekor-Entwürfe, denen unzählige weitere folgten.

Ich habe mein Leben dem Porzellan gewidmet. Und anders geht’s auch gar nicht: entweder man macht das ganz oder gar nicht.

Rudi Stolle

1985 verließ Rudi Stolle die Staatliche Porzellanmanufaktur und ging in Rente. "Doch ich werde nie aufhören zu arbeiten", sagte er damals. Er malte und zeichnete und entwarf Dekore für die Manufaktur, die sich heute in den bedeutendsten Museen der Welt befinden. "Ich habe mein Leben dem Porzellan gewidmet. Und anders geht’s auch gar nicht: entweder man macht das ganz oder gar nicht", sagte Rudi Stolle am Ende seines Lebens. Er starb 1996 in Meißen.

Weitere Kollektiv-Mitglieder:

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2010, 15:17 Uhr