Junge Talente bei "Herzklopfen kostenlos" "Ich fühlte mich als Star"

Zwei Artisten, Schlagersänger und ein Kabarettist - sie alle debütierten als "junge Talente" in Heinz Quermanns Show "Herzklopfen kostenlos" im DDR-Fernsehen. Sehen Sie hier ihre damaligen Auftritte und was aus den Talenten von einst geworden ist.

Frank Hengstmann

Als Heinz Quermann den damals 24-jährigen Kabarettisten Frank Hengstmann in seine Sendung holte, war das für ihn wie ein Ritterschlag: "Quermann war ja eine Instanz in der DDR, was die Unterhaltung betraf. Und da fühlte ich mich schon als Star, das muss ich ganz ehrlich sagen." Die Folgen seines Auftritts in der Talentshow waren enorm: In der Kaufhalle konnte Hengstmann plötzlich Bananen kaufen und das Fernsehen rief noch einmal an – dem Magdeburger wurde eine eigene Show angeboten.

Hengstmann sagte zu, schrieb ironische Texte, die sogar aufgezeichnet wurden. Aber was dann später ausgestrahlt wurde, war für Hengstmann ernüchternd – die meisten Gags waren herausgestrichen worden. "Das war ganz schön hart. Und da merkte ich zum ersten Mal, wie stark doch der Arm ist, der da zugreift." Hengstmann nahm sich vor, nur noch live aufzutreten – von Donnerstag bis Sonntag in den Kulturhäusern der Republik. Auftrittsmöglichkeiten gab es zuhauf und er verdiente gut.

Das Ende der DDR erlebte der freiberufliche Kabarettist als einen "Schnitt". "Es setzte Existenzangst ein. Mein ganzes Leben wurde umgemodelt." Hengstmann versuchte sich irgendwie über Wasser zu halten – er spielte Klavier in einer Nachtbar und sang auf Ausflugsdampfern. Später wurde er im Rahmen einer ABM Clown in einem Kulturverein. Seit 2008 betreibt Frank Hengstmann gemeinsam mit seinen Söhnen erfolgreich ein eigenes Kabarett in Magdeburg - die Vorstellungen sind fast immer ausverkauft.

Michaela Burkhardt

Michaela Burkhardt mit der Heavy Metal-Band "Plattform"
Erfolge feierte sie damals nämlich mit der Heavy Metal-Band "Plattform" ... Bildrechte: MDR/Michaela Burkhardt

Ihren Auftritt bei Heinz Quermann 1982 empfindet Michaela Burkhardt heute als "grausam": Ein Schlager! Im Rüschenkleid! Das war gar nicht die Leidenschaft der jungen Sängerin aus Cottbus. Erfolge feierte sie damals nämlich mit der Heavy Metal-Band "Plattform" und später, Ende der 1980er-Jahre, als Rocksängerin. Aber weil Heinz Quermann gerade in der Stadt auf Talentsuche war, bewarb sie sich. "Da wurde mir aber gesagt, du musst einen Schlager singen", erinnert sich Michaela Burkhardt. "Die Band hat sich kaputt gelacht." Und dann zogen ihr die Kostümbildnerinnen auch noch dieses weiße Rüschenkleid an. "Aber ich hab gesagt: Egal, ich mach das jetzt!"

Nach ihrem Auftritt tourte Michaela Burkhardt wieder mit ihrer Band durch's Land. 1989 trat sie unter ihrem Künstlernamen Micky Burgk solo bei der großen Silvesterparty des DDR-Fernsehens auf. Sie ahnte bereits, dass es die Abschiedsvorstellung sein wird, denn eine gesamtdeutsche Karriere war nicht in Sicht. "Wer wollte denn damals eine Ostsängerin hören? Keiner!" Heute ist Michaela Burkhardt 51. Ihre Haare sind weniger toupiert, eine Lederjacke trägt sie aber immer noch. Beruflich hat sie sich mittlerweile radikal verändert – aus der Rockröhre wurde eine Fußpflegerin.

Da ich mich nie als Star fühlte, war das auch kein großer Bruch für mich.

Michaela Burkhardt

Martina Berkholz

In Heinz Quermanns Show trat Martina Berkholz 1979 als schnodderige Kellnerin auf. Weil im neuen, technisch noch unausgereiften Farbfernsehen ihre blonden Haare orange wirkten, wurden sie für den Auftritt blau gefärbt. Als singende Humoristin verdiente sie nach ihrem TV-Auftritt gut in den bunten Programmen der Potsdamer "Konzert- und Gastspieldirektion". Heute ist sie 56, trägt das Haar rot und steht immer noch auf der Bühne, auch wenn die Arbeit, wie sie meint, ungleich schwieriger geworden ist.

Lothar Unterlauf

Lothar Unterlauf war ein wagemutiger Heizungsmonteur aus Döbeln, als er mit seinem Partner Wolf-Dieter Schaberg seine Artisten-Laufbahn startete. Als "Die Pewolos" bekamen sie 1967 in "Herzklopfen kostenlos" großen Applaus. Sie zeigten unter anderem Handstände in neun Metern Höhe auf einer wackligen Stuhl-Pyramide. Aber ihre Karriere als freie Artisten war dramatisch kurz: 1974 verletzte sich Wolf-Dieter Schaberg bei einer Vorstellung schwer.

"Die Stuhl-Pyramide rutschte plötzlich zusammen", erinnert sich Lothar Unterlauf. "Ich war einen Moment lang unkonzentriert gewesen. Mein Partner stürzte herunter und verletzte sich die Wirbelsäule." Wolf-Dieter Schaberg war fortan rechtsseitig gelähmt. "Er fing an zu trinken und bekam dann auch noch einen Schlaganfall. Es ging für ihn nicht mehr weiter. Er löste 100 Tabletten in einer Flasche Wodka auf und trank alles aus. Nach drei Tagen im Koma schlief er ein."

Lothar Unterlaufs Artisten-Leben war nach dem Sturz seines Partners vorbei. Er wurde wieder Heizungsmonteur in seinem alten Betrieb. Ein paar Jahre später hatte er dort einen schweren Arbeitsunfall. Seit seinem 45. Lebensjahr war der heute 71-jährige Lothar Unterlauf erwerbsunfähig.

Ekkehard Göpelt

Als er 1969 in "Herzklopfen kostenlos" auftrat, war Ekkehard Göpelt noch Lehrer – und sehr dünn. Musikerkollegen witzelten, Göpelt könne sich hinterm Mikrofonständer umziehen. Für seine Schüler gab er manchmal Schlager zum Besten – als Belohnung für gute Leistungen. Nach dem Erfolg bei der Talente–Show arbeitete Ekkehard Göpelt hart daran, das Singen zum Beruf machen zu können. Und es gelang ihm: Als Sänger und Moderator tourte er über die Bühnen der Republik. Heute moderiert der inzwischen 65-jährige Ekkehard Göpelt Schlagersendungen im Radio und tritt nur noch selten auf.

Familie Herda

Als Kammerchor verblüffte die Familie Herda 1979 Heinz Quermann mit lupenreinem Satzgesang. Für den weiteren Lebensweg der katholischen Familie aus Zeulenroda hatte ihr umjubelter Auftritt allerdings keinen Einfluss – zur Bühnenunterhaltung fühlten sich die bescheidenen Herdas nicht berufen. Vater Peter Herda arbeitete auch weiterhin als Musiklehrer, Mutter Ursula zog die Kinder groß und gab nebenbei Klavierunterricht. Aber gesungen haben sie immer.

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2016, 09:40 Uhr