Staatsstreich oder Volksaufstand?

Blutiger Systemwechsel

Ceausescu 4 min
Bildrechte: Deutsches Rundfunk Archiv
Trügerische Ruhe in Bukerest 2 min
Bildrechte: Deutsches Rundkunkarchiv

Ceausescus "Casa Poporului"

Er ist das größte Gebäude Europas - der Parlamentspalast in Bukarest. 1983 begannen die Bauarbeiten für Nicolae Ceausescus "Volkspalast", in dem er aber nie residieren konnte.

Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
Er ist das größte Gebäude Europas und das nach dem Pentagon zweitgrößte der Welt - der "Palatul Parlamentului" (Parlamentspalast) in Bukarest. Seine Maße: 270 mal 250 Meter, zwölf Etagen hoch. In seinem Innern mehr als 5.000 Räume und etwa 30 Konferenzsäle, riesige Flure und Treppenhäuser. "Unser Pendant zum Kaiser-Augustus-Forum in Rom", unsere "Akropolis", schwärmte der Parteidichter Eugen Barbu Mitte der 1980er-Jahre. Damals war der gigantische Bau noch in Arbeit und hieß "Casa Poporului", Volkspalast. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
Er ist das größte Gebäude Europas und das nach dem Pentagon zweitgrößte der Welt - der "Palatul Parlamentului" (Parlamentspalast) in Bukarest. Seine Maße: 270 mal 250 Meter, zwölf Etagen hoch. In seinem Innern mehr als 5.000 Räume und etwa 30 Konferenzsäle, riesige Flure und Treppenhäuser. "Unser Pendant zum Kaiser-Augustus-Forum in Rom", unsere "Akropolis", schwärmte der Parteidichter Eugen Barbu Mitte der 1980er-Jahre. Damals war der gigantische Bau noch in Arbeit und hieß "Casa Poporului", Volkspalast. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Nicolae Ceausescu
"Ich brauche etwas Großes, etwas sehr Großes, das zeigt, was wir bereits erreicht haben", beschwor Nicolae Ceausescu seine Getreuen Anfang der 1970er-Jahre. Er wollte sich als Führer, als "Conducator" gerieren und sich eine säkulare Kathedrale schaffen, einen Monumentalbau, der noch in Jahrhunderten an ihn erinnern würde. 1983 war es dann soweit: Die Bauarbeiten an seinem Schloss im Zentrum der rumänischen Hauptstadt begannen. Bildrechte: IMAGO
Ein Haus in Bukarest wird abgerissen.
Zuvor musste freilich Baufreiheit geschaffen werden - für das Schloss selbst sowie für Aufmarschplätze und breite Alleen, die rund herum entstehen sollten. Sprengkommandos und Baumaschinen beseitigten rund 40.000 Häuser, ein Dutzend Kirchen, drei Synagogen und Teile eines berühmten Klosters im altehrwürdigen Uranusviertel, gelegen am südlichen Rand des Bukarester Zentrums. Durch den Abriss verschwand die ungeliebte bourgeoise Bausubstanz samt ihren Bewohnern. Die Erinnerung an das alte Bukarester Bürgertum konnte ausgelöscht werden. Die einstigen Bewohner des Uranusviertels wurden samt und sonders in Plattenbauten am Stadtrand umgesiedelt. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
20.000 Arbeiter schufteten sechs Jahre lang im Drei-Schicht-System auf der Schloss-Baustelle. Ceausescu kam jeden Samstag vorbei. Immer musste im Laufe der Woche etwas Neues entstanden sein: eine Treppe, ein Raum, ein Saal. Insgesamt verschlang der Palast Jahr für Jahr 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des klammen Staats, während die Rumänen für "ihren" Palast hungerten und froren. Schätzungen zufolge sollen die Kosten bei etwa zwei bis drei Milliarden US-Dollar gelegen haben. Genaue Zahlen sind nie veröffentlicht worden. Bildrechte: MDR/Annett Müller
Ein Zimmer mit Marmor, historischen Möbeln und dickem Teppich im Parlamentspalast in Bukarest
Mehr als 3.000 Zimmer und Säle befinden sich in dem Palast. Im größten Saal würden zwei Fußballfelder Platz finden. Die Deckenhöhe: 20 Meter. Bildrechte: IMAGO
Eine große Marmortreppe im Parlamentspalast in Bukarest
Für seinen Palast war Ceausescu das Edelste gerade gut genug: Türen und Wände sind aus Kirsch- und Nussbaumholz gefertigt, an den Decken hängen riesige Kristallleuchter, die Böden und Treppen sind aus Marmor. Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceausescu (Staatspräsident Rumänien) in Bukarest. 1989
Den Prunk seines Schlosses hat Ceausescu jedoch nie genießen können. Er hat nie in ihm residiert. Als der Diktator im Dezember 1989 fluchtartig die Hauptstadt Bukarest verließ, war der Bau noch nicht gänzlich fertiggestellt. Eigentlich aber hatte dem Conducator nichts Ungewöhnliches vorgeschwebt - schließlich hatten Herrscher zu allen Zeiten ihrer Macht durch Monumentalbauten Ausdruck verliehen. Bildrechte: imago/Milestone Media
Der ehemalige Präsidentenpalast Ceausescus in Bukarest
Im Mai 1991 beschloss die Regierung, dass der Volkspalast "planmäßig" fertiggestellt und für "soziale Zwecke" genutzt werden würde. Die Rumänen durften also auch weiterhin für ihren in seiner Monumentalität inhumanen Palast zahlen. Als er drei Jahre später offiziell eröffnet wurde, war von "sozialen Zwecken" keine Rede mehr. Stattdessen zogen beide Kammern des rumänischen Parlaments – Senat und Abgeordnetenhaus - in den Volkspalast ein. Freilich benötigen die Parlamentarier nur einen Bruchteil der Zimmer und Säle des Palastes. Der Unterhalt des Palastes verschlingt horrende Summen. (Über dieses Thema berichtete der MDR auch im: TV | 18.04.2017 | 21:15 Uhr) Bildrechte: MDR/Annett Müller
Alle (8) Bilder anzeigen