Fuhrpark SMH Rostock
Bildrechte: Hoferichter & Jacobs

Das Rettungswesen in der DDR Die "Schnelle Medizinische Hilfe" (SMH)

Wer zu DDR-Zeiten einen Notfall hatte, rief die "Schnelle Medizinische Hilfe". Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde der zentrale Rettungsdienst der DDR aufgebaut. Sein Ziel: Jeder Bürger müsse zu jeder Zeit und an jedem Ort notfallmedizinisch betreut werden können.

Fuhrpark SMH Rostock
Bildrechte: Hoferichter & Jacobs

Um die Notfallversorgung von bedrohlich erkrankten oder durch Unfälle zu Schaden gekommenen Menschen kümmerten sich in der DDR bis 1967 ausschließlich praktische Ärzte. Eine zentrale Struktur der Notfallversorgung existierte nicht. Das änderte sich erst 1967, als das Gesundheitsministerium mit der "Anweisung zur dringlichen medizinischen Hilfe" erstmals Strukturen für ein einheitliches Rettungssystem schuf. Von nun an war ein Notarztsystem für die notfallmedizinische Betreuung zuständig. Von einem wirklich effizienten Rettungswesen konnte allerdings noch immer keine Rede sein.

1976 Schaffung der "SMH"

Erste Hilfe bei einem Unfallopfer
Erste Hilfe bei Insassen eines verunglückten Trabants. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs

Erst als auf der 15. Konferenz der Gesundheitsminister der RGW-Staaten im Juni 1974 in Budapest der "medizinische Notfall" verbindlich definiert und Richtlinien für die Notfallmedizin vom ärztlichen Hausbesuch bis zum Einsatz bei lebensbedrohlichen Notfällen verabschiedet wurden, unternahm das Gesundheitsministerium der DDR weitere Schritte zur besseren Versorgung von Notfallpatienten. Die entscheidende Neuerung war der weitreichende Beschluss, einen zentralen Rettungsdienst - die "Schnelle Medizinische Hilfe" (SMH) - ins Leben zu rufen. 

1976 nahm die "SMH" ihren Dienst zunächst in zehn der insgesamt 14 Bezirksstädte sowie in vier Kreisstädten auf. Drei Jahre später, am 12. Juni 1979, erteilte das Gesundheitsministerium die Anweisung, dass jeder Bürger zu jeder Zeit und an jedem beliebigen Ort zügig die nötige notfallmedizinische Hilfe erhalten müsse. Das vor allem in ländlichen Regionen durchaus noch löchrige Netz der "SMH" wurde daraufhin in den folgenden Jahren auf die gesamte Republik ausgedehnt.

Gesundheitswesen der DDR Einblicke in den Notfalldienst

"Schnelle Medizinische Hilfe" nannte sich der Notrettungsdienst der DDR. Frank von Olszewski war 1976 am Aufbau des Rettungsdienstes in Jena beteiligt und zeigt hier Bilder aus jener Zeit.

Frank von Olszewski und seine Mannschaft stehen neben ihrem Rettungswage.
"Schnelle Medizinische Hilfe" nannte sich der Notrettungsdienst der DDR. Frank von Olszewski (li.) war 1976 am Aufbau des Rettungsdienstes in Jena beteiligt und gibt hier Einblick in die Arbeit damals. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Frank von Olszewski und seine Mannschaft stehen neben ihrem Rettungswage.
"Schnelle Medizinische Hilfe" nannte sich der Notrettungsdienst der DDR. Frank von Olszewski (li.) war 1976 am Aufbau des Rettungsdienstes in Jena beteiligt und gibt hier Einblick in die Arbeit damals. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Innenansicht eines Rettungswagens.
Blick ins Innere des Rettungswagens Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Ärztin mit Oberpfleger Frank von Olszewski
Oberpfleger Jürgen von Olszewski mit einer Notfallmedizinerin. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Fuhrpark SMH Rostock
Der Fuhrpark der Schnellen Medizinischen Hilfe Rostock: ein Wartburg und zwei Barkas B1000 Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Rettungswagen SMH Jena   DSC 3194 Bild liegt im Tagesordner vom gestern,05.09./damals bitte alle Größen  Quelle: Frank von Olszewski  Rechte: Hoferichter&Jacobs Einstelldauer: offen danke, Liane 8546
Der erste Rettungswagen der Dringlichen Medizinischen Hilfe (DMH) Jena – ein Barkas B 1000. Teams dieser Einheit rückten in lebensbedrohlichen Notfällen aus. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Blick ins Innere
Blick ins Innere des Rettungswagens. Die Wände hatten Olszewski und seine Kollegen selbst tapeziert - mit täuschend echter Kachel-Imitat-Tapete. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Sauerstoffflasche
Sauerstoffgerät im Barkas B 1000. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Erste Hilfe bei einem Unfallopfer
Ärzte und Pfleger der Dringlichen Medizinischen Hilfe Jena versorgen den Fahrer eines verunglückten Trabant. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
Trabant mit Totalschaden
Der verletzte Fahrer ist ins Krankenhaus abtransportiert, zurückgeblieben das Auto mit Totalschaden. Bildrechte: Hoferichter & Jacobs
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Notrufnummer 115

Die "SMH" hatte in jeder Stadt der DDR eine Leitstelle und war der Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen zu jeweiligen Rat des Kreises oder Rat des Bezirks unterstellt. Die in der gesamten DDR gültige Notrufnummer wusste jedes Kind: 115. Bei der "SMH" gingen die Notrufe ein und es wurde entschieden, ob ein Fahrzeug der "SMH" oder eines der "Dringlichen Medizinischen Hilfe" (DMH) ausrücken muss. Die "DMH" kam zum Einsatz bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen. Das Team eines solchen Fahrzeugs bildeten ein Notfallmediziner, eine Fachkrankenschwester beziehungsweise ein Fachkrankenpfleger sowie ein Krankentransporteur.

Ende des zentralistischen Rettungswesens

Mit dem Ende der DDR wurden sowohl die "Schnelle Medizinische Hilfe" als auch die "Dringliche Medizinische Hilfe" aufgelöst. Seither übernehmen im Auftrag von Städten, Gemeinden oder Landkreisen diverse Rettungs-Organisationen wie etwa Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe oder Malteser Hilfs-Dienst die Rettungsdienstaufgaben.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR Zeitreise | 31.07.2018 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 08:59 Uhr