Zum 53. Geburtstag der Eislaufkönigin Katarina Witt - ein Leben für den Sport

Katarina Witt während der Bambi-Verleihung am 15.12.1988 in München.
Noch im gleichen Jahr – elf Monate vor dem Fall der Mauer - wurde Katarina Witt in München als erste DDR-Bürgerin mit dem westdeutschen Medienpreis Bambi ausgezeichnet. Dafür war eigens die Kategorie "Ost-West-Bambi" ins Leben gerufen worden. Bildrechte: dpa
Katarina Witt bei der Olympiade 1988 in Calgary
Auf diesen Moment haben Millionen Eiskunstlauf-Fans wohl nicht nur aus der DDR hingefiebert: Katarina Witt wird 1988 in Calgary wieder Olympiasiegerin! Sie beweist erneut Nervenstärke und zeigt unter Druck ihr gesamtes Können in der Kür als Carmen. Katarina Witt ist spätestens mit diesem Sieg ein Weltstar, war schon zuvor vom "Time Magazine" aus den USA zum "schönsten Gesicht des Sozialismus" gekürt worden. Bildrechte: dpa
Katharina Witt
Auf der Abschiedstournee durch die ganze Republik ließ sie das Publikum nochmals ihre Begeisterung für diese Verbindung von Sport und Show spüren. Nach der Tournee war aber Schluss. Auch privat stieg sie nicht mehr auf die Kufen. Bildrechte: imago/Norbert Schmidt
Katarina Witt Buchmesse Frankfurt am Main 2015.
Ihren 50. Geburtstag 2015 ging Witt gewohnt offensiv und positiv an. Sie brachte einen Bildband von ihr unter dem Titel "So viel Leben" heraus. Die ARD drehte zudem die Doku "Eine Reise zu mir" über Witts bewegtes Leben.
(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Das sportliche Riverboat | 03.08.2018 | 22:00 Uhr.)
Bildrechte: imago/Hoffmann
Die 18-jährige DDR-Eiskunstläuferin Katarina Witt aus Karl-Marx-Stadt zeigt bei den XIV.
Sprungkraft, Körperbeherrschung und Eleganz – gepaart mit Ausdauer und Ausstrahlung: Die Kombination dieser Eigenschaften auf höchstem Niveau machten Katarina Witt zu einer der bisher erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen. An ihr kam in den 1980er-Jahren selten eine andere Konkurrentin vorbei. Witt wurde ab 1983 sechs Mal Europameisterin, gewann vier WM-Titel und zwei olympische Goldmedaillen. Die erste 1984 in Sarajevo als 18-Jährige, hier im Bild bei der Kür. Dass die Karl-Marx-Städterin zu Hause das Abo auf den DDR-Meistertitel von 1981 bis 1988 hatte, verstand sich fast von selbst. Bildrechte: dpa
Katarina Witt Schaulaufen Karl-Marx-Stadt 1987.
Die Eislaufkönigin Katarina Witt hätte es ohne die Erfolgstrainerin Jutta Müller (links im Bild bei einem Schaulaufen 1987 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) nicht gegeben. Müller hatte mit Witt ein neues großes Talent unter ihre Fittiche genommen und nach Gabriele Seyfert, Jan Hoffman und Anett Pötzsch zu höchsten internationalen Triumphen geführt. Sie verstand es auch bei Witt, im Training in der Eissporthalle im Küchwald von Karl-Marx-Stadt zu motivieren und den Sportlern bei den Wettkämpfen in der ganzen Welt Rückhalt zu geben. Bildrechte: imago/Ulli Winkler
Katarina Witt zeigt am 13.03.1987 bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft in Cincinnati (Ohio) als Maria in der "Westside Story" eine ausdrucksstarke WM-Kür, mit der sie sich den Weltmeister-Titel sicherte und Beifallsstürme beim amerikanischen Publikum entfesselte.
Katarina Witt und ihr Team setzten im Eiskunstlauf der Damen immer wieder modische Akzente. In diesem grünen Kostüm mit Federboa und Hütchen trat sie zwar nicht zum Wettkampf an, aber in den üblichen Schaulaufen bei den großen internationalen Meisterschaften, etwa 1987 im US-amerikanischen Cincinnati. Witt hatte da gerade mit ihrem Hauptprogramm als Maria aus der "West Side Story" WM-Titel Nr. 3 erkämpft. Sie selbst bezeichnete die Kür später als die schwierigste und beste ihrer Karriere. Show und Glamour lagen der Ausnahmeathletin. Sie erschien als das Gegenteil ihres Heimatlandes DDR und war dennoch dessen Aushängeschild – nach außen und innen. Bildrechte: dpa
Katarina Witt FDJ-Delegiert 1986 SED-Parteitag
Die Partei- und Staatsspitze schmückte gern sich mit der jungen erfolgreichen und sympathischen Frau. 1986 nahm Kati, wie sie oft genannt wurde, zum Beispiel als Delegierte der Jugendorganisation FDJ am XI. Parteitag der SED teil. Und Katarina Witt war überzeugte DDR-Bürgerin, wusste zu schätzen, welche Möglichkeiten ihr dieser Staat in puncto Leistungssport bot. Sie war sich auch ihrer Privilegien bewusst. Als erfolgreiche Leistungssportlerin sah sie viel von der Welt. Ihr wurden materielle Wünsche erfüllt, sie bekam u.a. einen der begehrten VW Golf. Und sie durfte 1988 als Profiläuferin zur Eisshow "Holiday on Ice" nach Übersee, glitt dort für Devisen für den DDR-Staatshaushalt weiter übers Eis, wurde gefeiert. Bildrechte: dpa
Katarina Witt während der Bambi-Verleihung am 15.12.1988 in München.
Noch im gleichen Jahr – elf Monate vor dem Fall der Mauer - wurde Katarina Witt in München als erste DDR-Bürgerin mit dem westdeutschen Medienpreis Bambi ausgezeichnet. Dafür war eigens die Kategorie "Ost-West-Bambi" ins Leben gerufen worden. Bildrechte: dpa
Katarina Witt
So nachdenklich wie hier auf einer Pressekonferenz am 9. Oktober 1989 in München sah man die Strahlefrau Katarina Witt selten. Sie, der Star mit Reisefreiheit, erlebte die Massenflucht aus der DDR und die Auflösung ihres sozialistischen Heimatlandes weitgehend im westlichen Ausland. Auf der Pressekonferenz in München sagte sie: "Mit tut es sehr weh. Ich bin traurig, dass vor allem so viele junge Leute ihre Heimat verlassen." Dass sie in den Zeiten des Umbruchs und später die DDR und deren Sportsystem nicht in Bausch und Bogen verdammte, wurde ihr immer wieder vorgeworfen. So hatte sie weiterhin glühende Fans, aber auch starke Kritiker und so mancher sieht ihn ihr nur die staatstreue DDR-Olympiasiegerin. Witt gab später selbst zu, dass sie Vieles, darunter auch ihre Kontakte zur DDR-Staatssicherheit und die Bespitzelung ab dem achten Lebensjahr, hinter die Eisbande ausgeblendet habe. Witts Akten bei der Stasi umfassen am Ende rund 3.000 Seiten. Sie habe alles kopiert, weggepackt und verdrängt, resümierte sie später. Bereits mit 28 Jahren veröffentlichte sie dennoch schon eine Autobiografie. In "Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür" von 1994 schildert sie ihre Sicht der Dinge. Bildrechte: dpa
Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt (r) und der kanadische Eiskunstlauf-Weltmeister Brian Orser (l) posieren am 7.2.1990 in Dresden vor einem Plakat für die bevorstehende Weltpremiere ihres neuen Films "Carmen on Ice".
Nach dem zweiten Olympiasieg 1988 und ihrem Wechsel ins Profi-Eiskunstlaufen verlagerte sich Witts Lebensmittelpunkt zunächst mehr nach Amerika. Neben den Eisrevues und Auftritten als Eiskunstlauf-Expertin im deutschen und US-Fernsehen stieg sie ins Filmgeschäft ein, drehte den Eistanzfilm "Carmen on Ice" mit den beiden Weltmeistern Brian Orser (hier links im Bild vor einem Plakat zur Weltpremiere 1990 in Dresden) und Brian Boitano. Witt bekam noch im selben Jahr den US-Fernsehpreis "Emmy" dafür. Bildrechte: dpa
Katarina Witt als Ella und Christopher Barker als Prinz, 1995.
Nach "Carmen on Ice" wirkte Katarina Witt fünf Jahre später erneut an einem Film auf Kufen mit. In Deutschland wurde in Zusammenarbeit von ARD und dem US-Sender HBO "Die Eisprinzessin" gedreht, basierend auf der Geschichte von Aschenputtel bzw. Cinderella. Witt war 1995 nicht nur Hauptdarstellerin, sondern produzierte den Streifen mit ihrem eigenen gerade gegründeten Unternehmen mit. Witt spielte im Film "Ronin" von 1998 außerdem an Robert De Niros Seite die russische Eisläuferin Natascha, sie hatte 1996 bereits in "Jerry Maguire" einen kleinen Gastauftritt. 2013 trat sie in einer größeren Rolle im Stalking-Drama "Der Feind in meinem Leben" auf. Bildrechte: MDR/Winkler
Katarina Witt und Jutta Müller bei den Olympischen Spielen in Lillehammer 1994.
Zwischenzeitlich meldete sich Katarina Witt mit einem Paukenschlag im Wettkampfsport zurück. Sie ließ sich wieder in den Amateur-Status zurückversetzen und kündigte im Januar 1993 ihr Comeback an mit dem Ziel, an den Olympischen Spielen 1994 im norwegischen Lillehammer teilnehmen. Für dieses Projekt holte sie ihre frühere Trainerin Jutta Müller ins Boot. Und ihnen gelang in bewährter Manier die Qualifikation, diesmal in einer Delegation des wiedervereinten Deutschlands. Witt begeisterte in Lillehammer wie immer das Publikum - als Robin Hood in der Kurzkür und erst recht mit ihrer Kür im hochgeschlossenen roten Kleid zum Anti-Kriegs-Song "Where have all the flowers gone (Sag mir, wo die Blumen sind)". Damit erinnerte sie zehn Jahre nach ihrem Triumph von Sarajevo an die Zerstörungen durch den ersten Jugoslawien-Krieg. Witt konnte zwar sprungtechnisch und athletisch mit den jüngeren Eisläuferinnen nicht mehr ganz mithalten, überzeugte aber mit ihrer künstlerisch-ästhetischen Darbietung und belegte den 7. Platz. Bildrechte: dpa
Blick auf das Cover der amerikanischen Dezember-Ausgabe des Playboy mit der früheren zweifachen Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt auf dem Titel
Die Eislaufkönigin hat in ihrer Karriere schon so manches Titelblatt geziert. Doch mit den Aufnahmen für den "Playboy" gelang Katarina Witt ein wahrer Coup. Die Dezember-Ausgabe des US-Magazins von 1998 war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Das hatte vor ihr nur Marilyn Monroe geschafft. Bildrechte: dpa
Katarina Witt Preisträgerin Goldene Henne 2003
Nach der Jahrtausendwende war Katarina Witt auch in Deutschland wieder präsenter, lief und produzierte Eisshows, war im Fernsehen als Gast und Moderatorin zu sehen. 2003 erhielt sie den ostdeutschen Medien- und Gesellschaftspreis Goldene Henne. Bildrechte: MDR/Winkler
Katarina Witt
Vom Eis auf den roten Teppich ist es für Katarina Witt in all den Jahren immer nur ein kleiner Schritt gewesen – ob bei Preisverleihungen, Werbekampagnen oder Charity-Veranstaltungen. Bildrechte: dpa
Katharina Witt
Eiskunstlaufen ist ihr Leben. Lange blieb Katarina Witt dem Sport treu, trat in ihren eigenen Shows auf. Der Abschied fiel ihr schwer, doch im März 2008 hängte sie die Schlittschuhe an den berühmten Nagel. Bildrechte: imago/Schöne
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