Hans Modrow

Hans Modrow

Geschichte

Einen Orden von Putin zum Geburtstag

Er war Ministerpräsident, als sich die DDR auflöste: Hans Modrow. Er verkörperte das SED-Regime und galt zugleich als Reformer. Später saß er für die PDS im Bundestag. Jetzt fordert er die Herausgabe seiner BND-Akten.

Hans Modrow
Hans Modrow, ehemaliger Ministerpräsident der DDR, feierte am 27. Januar 2018 seinen 90. Geburtstag. Besonderes Geburtstagsgeschenk - Bildrechte: dpa
Hans Modrow
Hans Modrow, ehemaliger Ministerpräsident der DDR, feierte am 27. Januar 2018 seinen 90. Geburtstag. Besonderes Geburtstagsgeschenk - Bildrechte: dpa
Orden der Freundschaft
Russlands Präsident Wladimir Putin schenkte ihm einen Orden, den "Orden der Freundschaft". Bildrechte: dpa
Hans Modrow fotografiert in seiner Berliner Wohnung.
Hans Modrow war in der Wendezeit einer der prominentesten früheren SED-Funktionäre, die in der DDR Verantwortung hatten. Der gelernte Schlosser war 1949 - als damals 21-Jähriger - aus sowjetischer Gefangenschaft in die DDR zurückgekehrt - als "gebildeter, junger Marxist", wie er sich selbst einmal beschrieb. Er tritt in die SED ein und verfolgt konsequent eine Politkarriere. Bildrechte: IMAGO
Hans Modrow, Ende 1989 Ministerpräsident der DDR
Modrow, der am 27. Januar 1928 bei Stettin zur Welt kam, gilt als bescheidener und geduldiger Funktionär. Im zweiten Bildungsweg studiert er in den 1950er-Jahren an der Komsomol-Hochschule in Moskau sowie an der SED-Parteihochschule "Karl Marx" und wird Gesellschaftswissenschaftler und Ökonom. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Bild vom 15.06.1986, Volksbildungsministerin Margot Honecker (Mitte), Hans Modrow – Erster Sekretär der SED-Bezirksleitung Dresden (dritter von links) - besuchen 1986 Schüler während des Unterrichts im Fach – Einführung in die sozialistische Produktion im VEB Robotron Elektronik in Dresden.
Doch in seiner Parteikarriere scheint er schnell den Zenit erreicht zu haben: 1973 wird Modrow SED-Chef in Dresden: Ein Amt, das er bis 1989 behält. In den innersten Machtzirkel der SED gelangt er in dieser Zeit nicht. Das Bild entstand 1986 bei VEB Robotron Elektronik in Dresden: Zusammen mit Volksbildungsministerin Margot Honecker (Mitte) schaut sich Modrow (dritter von links) die Schülerausbildung in der Produktion an. Bildrechte: IMAGO
Hans Modrow (rechts) zeigt westdeutschen Politikern, u.a. Gerhard Schröder - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bezirkschef von Hannover - die rennovierte Semperoper. In der Mitte Peter Struck - zu diesem Zeitpunkt SPD-Bundestagsabgeordneter
SED-Bezirkschef Modrow (rechts) bekommt in den 1980er-Jahren in Dresden häufig Besuch von westdeutschen SPD-Politikern, wie Gerhard Schröder (links) oder Peter Struck (Mitte). Die lassen sich im Juni 1985 die frisch wiederaufgebaute Semperoper zeigen. Modrow sagte einmal, die Westpolitiker wussten, bei ihm bekämen sie nicht den Leitartikel des "Neuen Deutschland" vorgelesen, sondern ein wirkliches Gespräch. Bildrechte: IMAGO
Ausreisewillige DDR-Bürger steigen Anfang Oktober 1989 auf dem Prager Bahnhof in einen bereitstehenden Zug, der sie in die Bundesrepublik bringen wird
Am 4. Oktober 1989 erhält Modrow von der Parteispitze die Weisung, die Züge mit Republiksflüchtlingen von Prag kommend ungehindert durch Dresden fahren zu lassen. Modrow lässt ein riesiges Polizeiaufgebot auffahren, um den Bahnhof abzusichern. Dabei kommt es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bürgern. Über 200 Personen werden festgenommen und dabei teils schwer misshandelt. Auch auf Seiten der Polizei gibt es viele Verletzte. Modrow sagte später darüber, er habe Schlimmeres noch verhindert. Bildrechte: dpa
Hans Modrow
Auch wenn er für das harte Vorgehen der Volkspolizei mitverantwortlich war, galt Modrow im Herbst 1989 als einer der wenigen SED-Funktionäre, die in der Bevölkerung noch Achtung und Vertrauen genossen. Modrow setzt in dieser Zeit - anders als viele andere Genossen - auf einen Dialog mit Bürgerrechtlern. Bildrechte: IMAGO
Staatsratschef Egon Krenz (links) und der damalige Ministerpräsident der DDR, Hans Modrow (rechts) am Rande einer Sitzung der Volkskammer in Berlin-Ost, 1989.
Vier Tage nach dem Mauerfall - am 13. November 1989 - kommt es in der DDR-Volkskammer zu einer turbulenten Sitzung. Modrow (rechts) wird mit nur einer Gegenstimme zum Chef einer neuen DDR-Regierung gewählt. 150 Tage darf er dieses Amt ausüben. Auf dem Bild ist er mit dem damaligen DDR-Staatsratschef Egon Krenz (links) zu sehen. Bildrechte: IMAGO
Hans Modrow anlässlich der Volkskammersitzung in Berlin Ost am 17.11.1989.
Einer seiner ersten Amtshandlungen als DDR-Regierungschef: Modrow verkleinert sein Kabinett von 44 auf 28 Minister. Die SED stellt weiterhin die Mehrheit der Mitglieder, aber erstmals sind auch die Blockparteien CDU, DBD, LDPD und NDPD im Kabinett vertreten. Bildrechte: IMAGO
Ministerpräsident Hans Modrow 1990 während einer Sitzung des Runden Tisches in Ost-Berlin
Auf Druck von Bürgerrechtlern formiert sich am 7. Dezember 1989 der Zentrale Runde Tisch in Ost-Berlin: An ihm sitzen alte und neue politische Kräfte zusammen, um die demokratische Umgestaltung der DDR zu beraten. Acht Vertreter des Gremiums nimmt Modrow am 5. Februar 1990 als Minister ohne Geschäftsbereich in sein Regierungskabinett auf. Bildrechte: IMAGO
Akten, Karteikarten und Papiere liegen in Regalen im Archiv der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR
Für großen Unmut am Runden Tisch sorgen Modrows Pläne, die Stasi in die neue Zeit zu retten und in einen Verfassungsschutz umzuwandeln. Es kommt zu Protesten vor der Stasi-Zentrale in Berlin, die am 15. Januar 1990 schließlich von Bürgern gestürmt wird. Modrow lenkt daraufhin ein und lässt die Stasi auflösen. Bildrechte: dpa
Der damalige Ministerpräsident Hans Modrow spricht 1990 zu Teilnehmern einer Montagsdemonstration in Ost-Berlin
Der SED-Ministerpräsident will die DDR reformieren, den Sozialismus erneuern - doch die Lage im Land wird immer prekärer. Die Demonstrationen reißen nicht ab, die Ausreisewelle hält an, die Autorität der Regierung ist auf dem Nullpunkt angelangt. Bildrechte: IMAGO
Bild vom 30.01.1990 - Damaliger sowjetischer Staatschef Michail Gorbatschow (links) trifft sich mit damaligen DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow (rechts)
Modrow (rechts) berät sich Anfang 1990 mehrmals mit dem damaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow (links) über eine deutsche Einheit. Der DDR-Regierungschef hat die Vision eines gesamtdeutschen Staates, jedoch in Form einer Konföderation. Bildrechte: IMAGO
Bild vom 13.02.1990 Pressekonferenz vom damaligen DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow (links) und Bundeskanzler Helmut Kohl (rechts) in Bonn. Modrow bat Kohl um Wirtschaftshilfe
Modrow aber kann in den Verhandlungen um die DDR nicht den Ton angeben, vielmehr ist er der Bittsteller. Am 13. und 14. Februar 1990 trifft er Kanzler Helmut Kohl in Bonn, um mit ihm über wirtschaftliche Hilfen für die DDR zu sprechen. Kohl aber lehnt Modrows Bitte um einen Sofortkredit in Höhe von zehn bis 15 Milliarden DM ab. Zudem drängt der Bundeskanzler auf eine deutsche Einheit unter westlicher Führung. Bildrechte: IMAGO
1990 Modrow in Bonn
Wegen der anhaltenden massenhaften Abwanderung von DDR-Bürgern beschließt die Modrow-Regierung mit dem Zentralen Runden Tisch, die Wahlen früher abzuhalten als geplant. Am 18. März 1990 wird die "Allianz für Deutschland" haushoher Wahlsieger. Die Partei, die für eine rasche Wiedervereinigung eintritt, erreicht 56,1 Prozent der Stimmen. Modrow muss deshalb wenige Tage später die Regierungsgeschäfte an den Chef der Ost-CDU, Lothar de Maizière, abgeben. Bildrechte: Looks Film & TV
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Geschichte

Hans Modrow
Hans Modrow, ehemaliger Ministerpräsident der DDR, feiert am 27. Januar 2018 seinen 90. Geburtstag. Er will sich an diesem Tag mit alten Freunden in einem Berliner Restaurant treffen, ein paar Tage später bereitet ihm die PDS dann einen Empfang. Besonderes Geburtstagsgeschenk - Bildrechte: dpa
Hans Modrow 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Fälschung der Kommunalwahlen 1989 Modrow: "Kein gerechtes Urteil"

Modrow: "Kein gerechtes Urteil"

Wegen seiner Verstrickung in die Wahlfälschungen im Mai 1989 wird Hans Modrow, der vorletzte Regierungschef der DDR, 1995 zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

MDR FERNSEHEN Mi 09.08.1995 19:30Uhr 01:35 min

https://www.mdr.de/damals/archiv/video143858.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Egon Krenz
Egon Krenz, geboren 1937, galt wegen seines ewigen FDJ-Vorsitzes (1974-1983) als der Berufsjugendliche der DDR und seit seinem Aufstieg ins Politbüro 1983 als "Kronprinz" Honeckers. Und tatsächlich wurde er im Herbst 1989 SED-Chef und Staatsratsvorsitzender. Aber die DDR war da schon am Ende. 1999 wurde Krenz wegen der Schüsse an der innerdeutschen Grenze zu sechs Jahren Haft verurteilt, von denen er vier in Berlin-Plötzensee absaß. Heute lebt er im Ostseebad Dierhagen und schreibt an seinen Erinnerungen. Bildrechte: dpa
Die Moderatoren des Zentralen Runden Tisches der Parteien und Bürgerbewegungen der DDR, Monsignore Dr. Karl-Heinz Ducke (Katholische Kirche) Pastor Martin Lange (Methodistische Kirche) und Oberkirchenrat Martin Ziegler (Bund der Evangelischen Kirchen der DDR) (l-r), aufgenommen am 22.01.1990 während einer Sitzungspause im Berliner Schloss Niederschönhausen.
Die Moderatoren des Zentralen Runden Tisches der Parteien und Bürgerbewegungen der DDR, Monsignore Dr. Karl-Heinz Ducke (Katholische Kirche) Pastor Martin Lange (Methodistische Kirche) und Oberkirchenrat Martin Ziegler (Bund der Evangelischen Kirchen der DDR) (l-r), aufgenommen am 22.01.1990 während einer Sitzungspause im Berliner Schloss Niederschönhausen. Bildrechte: dpa