RasenBallsport Leipzig Mateschitz' Ziel ist die Bundesliga

2009 schuf sich der österreichische Brause-Hersteller "Red Bull" in Leipzig den RB Leipzig. Statt der Leipziger Traditionsclubs verkörpert der als "Retortenclub" gescholtene RB nun die Hoffnung auf Bundesligafußball in der Messestadt. Interview mit Sportreporter Sven Kups.

Wie kam es zur Gründung des RB Leipzig?

Die besonders in den Trendsportarten aktive Firma "Red Bull" wollte sich auch im deutschen Fußball engagieren. Also suchte man nach einem geeigneten Verein, um den dann entsprechend umzugestalten. 2006 hatte Red Bull den FC Sachsen Leipzig im Visier. Doch die Sache scheiterte unter anderem an Fanprotesten. 2009 gründete man dann selbst einen Verein: RasenBallsport Leipzig. Die Mannschaft stieg damals in der Oberliga ein.

Wie war das möglich?

RB Leipzig übernahm die Oberliga-Mannschaft und das Oberliga-Spielrecht des SSV Markranstädt. Für die beiden Klubs war das von Vorteil: Der RB musste sich nicht erst von der Kreisklasse nach oben kämpfen, Markranstädt konnte sich finanziell sanieren.

 Wie stehen Sie zu dem sogenannten "Retortenverein"?

Sven Kups
Sven Kups Bildrechte: MDR/Axel Berger

Ich sehe RB Leipzig vorwiegend positiv. Keine Frage, es gab und gibt Dinge, die man kritisch sehen kann und vielleicht auch muss. Kritisiert wird etwa, dass RB keine Mitglieder aufnimmt, damit sozusagen eine "geschlossene Gesellschaft" ist und kein echtes Vereinsleben möglich ist. Ein bisschen relativiert sich das aber, wenn man betrachtet, dass die wenigsten Fußballfans Vereinsmitglied werden wollen. Und dann muss man sich mal das reale Fußballleben in Leipzig anschauen: Beim damaligen FC Sachsen zahlten viele Mitglieder ihre Beiträge nicht und schaufelten dem Traditionsverein damit das Grab. Und beim 1. FC Lok kenne ich einige sehr engagierte Leute, die sich frustriert zurückgezogen haben.

Welchen Plan verfolgt Red-Bull-Boss Mateschitz mit RB Leipzig?

Natürlich in erster Linie ein wirtschaftliches Interesse: Die Marke "Red Bull" soll im deutschen Spitzenfußball etabliert werden. Ziel ist also mindestens die Bundesliga.

RB Leipzig ist also ein reiner "Kommerzklub"?

Das kann man sicher so sagen, aber diese Bezeichnung ist eher ein abwertender Begriff der Gegner und wird dem Klub nicht vollkommen gerecht. Schon auf mittlerer Führungsebene geht es den Leuten um Fußball und Erfolg. Wer Sportdirektor Ralf Rangnick oder Marketingleiter Jörg Kurzeja allein kommerzielle Interessen unterstellt, hat keine Ahnung. Der Slogan "Kommerz vs. Tradition" hat was von blindem Klassenkampf und geht meiner Ansicht nach an den Realitäten vorbei.

Aber RB Leipzig ist mit Gedeih und Verderb an Red Bull gekettet. Wenn Gelder ausbleiben, was passiert dann?

Wahrscheinlich das gleiche wie in fast jedem anderen Verein: Dann gehen die Lichter aus, oder es müssen deutlich kleinere Brötchen gebacken werden. Ich halte die Gefahr, dass Mateschitz "sein Spielzeug" weglegt, für einigermaßen absurd. Dafür wurde schon zu viel Geld in den Verein investiert, etwa in das Trainingsgelände.

Wie reagierten die Leipziger Fußballclubs resp. die Sportpolitiker der Stadt auf die Gründung des RB Leipzig?

Die Stadt ist natürlich dankbar, dass sich "Red Bull" in Leipzig engagiert. Wie gesagt, es wurden ja schon viele Millionen investiert und das Zentralstadion wieder mit Leben erfüllt. "Sorgenkinder" hat Leipzig genug.

Kann man RB Leipzig etwas vorwerfen?

In den letzten fünf Jahren gab es durchaus einige Vorkommnisse, für die ich jedenfalls kein Verständnis hatte. Meist handelte es sich Personalentscheidungen. Da wurde Trainer Tino Vogel gleich nach dem Aufstieg in die Regionalliga degradiert. Und das an seinem Geburtstag. Auch die Absetzungen von Geschäftsführer Andreas Sadlo und Pressesprecher Enrico Bach gehören in die Kategorie "unschön". Bei der Inthronisierung von Trainer Peter Pacult wurde der direkte Einfluss von Dietrich Mateschitz offensichtlich und führte dazu, dass Sportdirektor Thomas Linke nach nur kurzer Zeit seinen Hut nahm. Ich kenne niemanden, der das damals begrüßt hat.

Wie ist das Zuschauerinteresse an den Spielen des RB?

Auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen: Was die Zuschauer betrifft, ist RB in Leipzig klar die Nummer eins. Durchschnittlich 7.500 Zuschauer kamen in der Regionalliga pro Spiel, am Ende der Drittliga-Saison waren über 40.000 im Stadion. Das spricht für sich.

RasenBallsport Leipzig - die Anfänge 2009

Vereinsfahne von RB Leipzig
Die Vereinsfahne des RB auf dem Trainingsgelände am Leipziger Cottaweg. Bildrechte: MDR/Sven Kups
Vereinsfahne von RB Leipzig
Die Vereinsfahne des RB auf dem Trainingsgelände am Leipziger Cottaweg. Bildrechte: MDR/Sven Kups
RB Leipzig bei der Teampräsentation 2009
von links nach rechts: Teampräsentation 2009 mit Sportdirektor Joachim Krug, Ingo Hertzsch, Thomas Kläsener, und Tino Vogel. Bildrechte: MDR/Sven Kups
Großes Interesse bei RB-Teampräsentation 2009
Schon bei der Teampräsentation zeigte sich, dass das Interesse der Leipziger an einer neuen Mannschaft groß ist. Bildrechte: MDR/Sven Kups
neues Trainingsgelände von RB in Leipzig
Das Trainigsgelände am Cottaweg in Leipzig hat mehrere Plätze, sowohl Rasen als auch Kunstrasen. Bildrechte: MDR/Sven Kups
Die provisorische Geschäftsstelle von RB Leipzig in Makranstädt
Die provisorische Geschäftsstelle von RB Leipzig 2009 in Makranstädt: schnell aufbaubare Büroräume, "gezaubert" aus einem Truck. Inzwischen hat Red Bull jedoch seine Geschäftsstelle in der Leipziger Innenstadt. Bildrechte: MDR/Sven Kups
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Wer sind die Fans?

Bei RB haben sich viele "Heimatlose" gesammelt. Ich meine damit Fußballfans, die mit den ehemaligen Platzhirschen Lok und Chemie nie etwas anfangen konnten. Das mag auch mit dem tendenziell negativen Image der Traditionsklubs zusammenhängen. Viele haben sich auch von ihrem früheren Lieblingsklub abgewandt und mit RB auch selbst einen Neuanfang gemacht. Und dann sind da noch die Leute, die einfach guten Fußball sehen wollen und sich nach Bundesligaspielen sehnen.

Dann gibt es das Klischee mit den Familien, die lieber zu RB gehen.

Da ist zumindest teilweise etwas dran. In der Anhängerschar von RB sind noch keine Chaoten sichtbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ewig so bleibt. Aber derzeit ist die Atmosphäre ausgesprochen friedlich. Der Vater-Sohn-Anteil ist relativ hoch. Das gute Sicherheitsgefühl hängt aber sicherlich auch mit dem Stadion zusammen.

Gibt es bei RB Leipzig eine echte Fanszene?

Auf jeden Fall. Vielleicht ist sie noch nicht so stark ausgeprägt wie bei anderen Klubs, aber die Entwicklung ist deutlich sichtbar. Es gab inzwischen auch schon Streit und kurzzeitig eine Spaltung des Fanblocks – wie überall.

 Ist das Ziel Bundesliga realistisch?

Keine Frage. Das zeigt schon der Aufstieg in die zweite Liga. Die schwierigste Etappe war die Regionalliga mit der Relegation, aber auch diese wurde gemeistert. Grundsätzlich gilt: Um im Profifußball erfolgreich zu sein, braucht man Geld und muss die richtigen Entscheidungen treffen. RB hat in der Vergangenheit mehrfach merkwürdige Entscheidungen getroffen und damit Kopfschütteln ausgelöst. Die Personalien Ralf Rangnick und Trainer Alexander Zorniger zähle ich nicht dazu.

Zur Person Sven Kups, Jahrgang 1970, arbeitet seit 1998 als Sportreporter beim MDR. Er begleitete den RB Leipzig von seiner Gründung an und beobachtet seither regelmäßig die Spiele des Vereins. Zu DDR-Zeiten war Kups Fan von Chemie Leipzig. 2012 gehörte er zum Redaktionsteam des Buchs "neunzehn87. Der Triumphzug des 1. FC Lok Leipzig durch Europa." von Marko Hofmann und Thomas Franke.

Zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2013, 15:54 Uhr