Hätten Sie es gewusst? Wie heißt es richtig: Stolle, Stollen oder Striezel?

Die Leipziger sagen die "Stolle", die Dresdner der "Stollen" oder "Striezel". Was ist richtig? Ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Wortes zur Eröffnung des 583. Dresdner Striezelmarktes am 29. November 2017.

Alles ist richtig. Die Leipziger sagen "die Stolle", während die Dresdner "der Stollen" oder "der Striezel" sagen. Die Bezeichnung "Striezel" geht zurück ins Mittelhochdeutsche: "Struzel" oder "Striezel" bedeutet längliches Heftgebäck. Es gibt wenige schriftliche Belege für die frühe Zeit, man nimmt an, dass der Stollen aus den mittelalterlichen Klosterbäckereien hervorging und ein Fastenbrot aus Hefe, Mehl und Wasser war. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gibt es den ersten archivalischen Nachweis in Naumburg. Die Bäcker dieser Stadt mussten ihrem Bischoff zu Weihnachten eine Abgabe leisten, ein Weihnachtsbrot oder einen Striezel.

Butterbackverbot während der Adventszeit

Um 1450 gab es ein päpstliches Butterbackverbot. Die Stolle musste mit Butter gebacken werden, aber da Fastenzeit war durfte man nicht mit tierischen Fetten, also auch nicht mit Butter arbeiten. Es wurde versucht mit Leinöl oder mit Rübenöl zu backen. Vermutlich wird es fürchterlich gestunken haben. Und wanden sich die Kurfürsten Ernst und August an den Papst und baten ihn, dieses Butterbackverbot aufzuheben. Und der Papst antwortete: "Als sind wir in den Dingen zu eurer Bitte geneigt und bewilligen in päpstlicher Gewalt, in Kraft dieses, dass ihr, eure Weiber, Söhne, Töchter und all eure wahren Diener und Hausgesinde der Butter anstatt des Oehls gebrauchen möget."

Dresdner Striezelmarkt

Auf dem ältesten deutschen Weihnachtsmarkt wurde bereits Mitte des 15. Jahrhunderts am Heiligen Abend Stollengebäck verkauft. Und der Anschnitt des Riesenstollens am zweiten Adventssonntag ist ein Tribut an ein ganz besonderes Ereignis. Unter dem Motto: "Nicht nur schießen – auch genießen", zeigte August der Starke den preußischen Militärberatern, was sächsische Lebensart ist. Über 30.000 Soldaten saßen an kilometerlangen Tischreihen, verspeisten 162 Ochsen und tranken 54.000 Kannen Wein. Und dann kam das Dessert: siebeneinhalb Meter lang, dreieinhalb Meter breit, eineinhalb Meter hoch und 1,8 Tonnen schwer und sechs Stunden lang in einem eigens dafür errichteten Ofen gebacken.

Die Dresdner Bäcker lassen diese Tradition bis heute aufleben und backen alljährlich einen Riesenstollen. Der Verkaufserlös wird für wohltätige Zwecke und Bedürftige gespendet.

Brauchtum

Um den Stollen ranken sich Legenden. Eine lautet: Wenn der Stollen zerbricht oder wenn der Hefeteig empfindlich ist und nicht aufgeht, dann stirbt die Hausfrau. Dem Fluch eines zerbrochenen Stollens kann man nur entgehen, wenn man im darauffolgenden Jahr zwölf verschiedene Sorten Stollen isst.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Radio: MDR SACHSEN | 13.11.2017 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2017, 09:32 Uhr