Ein Smartphone mit Balkendiagrammen auf dem Display wird vor einem Computer in den Händen gehalten
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tracking – wenn Werbefirmen mitsurfen

Tracking heißt Verfolgung. Bei jedem Surfen wird gespeichert, wer wann und wo im Netz unterwegs ist. Werbetreibende wollen Zielgruppen so wirksam wie möglich ansprechen. Doch dafür werden eine Menge persönlicher Daten abgegriffen.

Ein Smartphone mit Balkendiagrammen auf dem Display wird vor einem Computer in den Händen gehalten
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Von Martin Hoferick

Bizarr ist es schon: Dort, wo einst die DDR-Staatssicherheit ihre Zentrale in Leipzig hatte, verfolgt mittlerweile ein ganz anderer Big Brother die Menschen: Heute beobachtet Google, wer zu welcher Zeit an welchen Orten ist.

Eine Google-Maps Karte von Leipzig mit markierter Gedenkstätte Runde Ecke. Am linken Rand sieht man die Besucherzahlen in einem Balkendiagramm nach Stunden sortiert
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Da fast jedes Smartphone mit Google oder einem Konto seiner Dienste verknüpft ist, kann das Unternehmen den Standort seiner Benutzer erkennen und nutzt das, um beispielsweise bei der Google-Suche die Besucherzahlen anzuzeigen – und um Daten zu sammeln. Das gilt auch für die Stasi-Gedenkstätte „Runde Ecke“. Die Standortverfolgung ist dabei nur eine der offensichtlichsten Methoden des Trackings. Und lässt sich in den Smartphone-Einstellungen einfach abschalten. Weitaus verdeckter läuft das Tracking beim Surfen.

Digitale Volkszählung

Eine Vielzahl an Verfolgungsmethoden wie Cookies, Web-Beacons und Pixel-Tags sind auf Internetseiten und in Apps eingebaut. Nicht alle Trackingmethoden sind so fragwürdig wie die verrufenen Evercookies. Die sammeln und speichern Daten, selbst wenn man vermeintlich alle Cookies und Angaben aus dem Browserverlauf gelöscht hat. Evercookies sind nur mühsam zu entfernen und daher datenschutzrechtlich umstritten.

Standard hingegen sind beispielsweise Zähler der Websitenbesucher. Doch viele Überwachungselemente zusammen sorgen für eine umfassende Verfolgung. So wird versucht, jeden Internetnutzer zu identifizieren. Das dient in erster Linie Werbeagenturen. Wenn klar ist, wer auf einer Website unterwegs ist, kann Werbung gezielt angezeigt werden.

Mehr Daten, mehr Geld

Ist Werbung personalisiert, nervt sie weniger, so heißt es. In erster Linie aber bringen individualisierten Anzeigen mehr Geld. Versteigert werden sie auf automatisierten Werbebörsen. Dort werden Alter; Geschlecht, zuvor besuchte Seiten und Interessen, all die getrackten Daten also, in Echtzeit versteigert. Die meisten gehandelten Daten kommen von den großen Plattformen Google und Facebook und ihren sozialen Netzwerken.

Tracker im Wohnzimmer

Um klar zu identifizieren, wer wann an welchem Gerät online ist, wird mit hochfrequenten Tönen experimentiert. Für das menschliche Ohr sind sie nicht wahrnehmbar. Sendet aber zum Beispiel ein Fernseher solche Ultraschalltöne, könnte das Smartphone Fernsehzuschauer und Handynutzer als ein und dieselbe Person identifizieren und erkennen, welche Sendungen gerade geschaut wird.

Werbeanzeigen könnten auf verschiedenen Geräten gekoppelt und gezielt ausgespielt werden. Ob diese Form des Trackings schon Verwendung findet, ist nicht bewiesen. Eine Studie der TU Braunschweig stellte im vergangenen Jahr aber fest, dass in 234 Apps, die im Google Play Store angeboten wurden, solche Ultraschall-Tracker eingebaut waren.

Tracking mit Augenmaß eindämmen

Auswege gibt es viele – und das ist auch das Problem. Denn Schutz vor Datensammeln kann unübersichtlich werden. Wer seinen Browser mit Adblockern und Browsererweiterungen gegen das Tracking aufrüstet, surft nicht gerade komfortabel. Wer viel blockt, blockt auch Animationen, Grafiken oder Videos, vieles von dem, was ein vielfältiges Internet ausmacht.

Data, die Datenschützerin, ist ein digitaler Avatar. Sie gibt dir Hilfe zum sicheren und datenarmen Surfen.
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So sind beispielsweise die verrufenen Evercookies häufig mit Flashplayern verknüpft. Ist das deaktiviert, können kaum noch Videos abgespielt werden. Daher gilt es abzuwägen: Wer auf Wikipedia sucht, muss den Browser nicht auf Hacker-Level bringen. Auf unbekannten oder zwielichtigen Seiten hingegen sind aktivierte Schutzerweiterungen sinnvoll.

Generell gilt: Der Internetbrowser sollte stets auf dem aktuellsten Stand gehalten werden, Add-Ons wie „ScriptSafe“ und „uBlock origin“ für sensible Datenübertragungen installiert sein. Hilfe bietet auch DATA, die Datenschützerin. Sie erklärt in kurzen Episoden, was für ein sicheres Surfen notwendig ist.

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 17:12 Uhr

Weitere Datenspuren

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