Echt | MDR FERNSEHEN | 15.07.2020 | 21:15 Uhr Die nie gebauten Autos - Made in GDR

Der Trabant 603 und der Wartburg 355 sind Autos, die kaum jemand kennt. "Echt" macht sich auf die Suche nach den geheimen Autos "Made in GDR".

Grafik Automodell
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Trabi das Vorbild des VW Golf?

Im schicken Design kam der Trabi 603 daher. Schon Mitte der 1960er-Jahre, als im Westen der VW Käfer Kult war, hatte dieser Prototyp ein Fließheck, so wie der spätere VW Golf. Insider meinen, die VW Designer seien vom Trabi 603 inspiriert worden. Andere behaupten gar, die Idee für das Fließheckmodell sei devisenbringend verkauft worden und deshalb durfte in der DDR kein fortschrittliches Auto gebaut werden.

Ideen landen auf dem Schrott

Auch der Wartburg 355 sticht 1968 durch sein Design ins Auge. Ebenfalls mit Fließheck ausgestattet und seine Kunststoffkarosse gilt sogar heute noch als fortschrittlich. Außerdem war da noch das Projekt "RGW Auto", an dem viele DDR Ingenieure mittüftelten. Eines haben all diese Prototypen gemeinsam: Sie wurden nie gebaut. Verzweifelte Ingenieure und Designer mussten mit ansehen, wie ihre Ideen verschrottet wurden. "Da sind Menschen dran zerbrochen", erinnert sich Klaus-Dieter Fiesinger, der bis zu seinem Ruhestand 2013 Leiter der AWE in Eisenach tätig war.

Bildergalerie Die DDR und ihre Autos

Trabi und Wartburg prägten das Bild der Straßen in der DDR. Doch auch wenn die Auswahl gering war, wer ein Auto besaß, genoss individuellen Freiraum.

W 311-2 Kabrio
Der Wartburg 311/2 Kabrio wurde von 1956 bis 1960 gefertigt. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und kostete 16.370 Mark. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
W 311-2 Kabrio
Der Wartburg 311/2 Kabrio wurde von 1956 bis 1960 gefertigt. Er erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 115 km/h und kostete 16.370 Mark. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
Wartburg W 313-1 auf der Leipziger Frühjahrs Messe 1957
Wartburg 313/1 1957 auf der Leipziger Messe. Von diesem schnittigen Sportwagen wurden bis 1960 nur insgesamt 469 Exemplare gefertigt. Er erreichte mit seinem Zweitaktmotor bei einer Leistung von 50 PS eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h. Bildrechte: Wartburg-Museum Eisenach
AWE W 1.3 XXX. Wartburg Rallye 1988
Wartburg Rallye 1988. Sie wurde seit 1955 veranstaltet und entwickelte sich mit den Jahren zur erfolgreichsten Rallye in der DDR. Anfänglich als Zwei-Schleifen-Fahrt über 850 Kilometer, später dann auf einer Strecke von bis zu 1.700 Kilometer. An der ersten Rallye nahm auch Rennfahrerlegende Heinz Melkus teil. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
W 353 Limousine und Tourist am Strand
Die Wartburg 353 Limousine und der Wartburg Tourist wurden ab 1966 produziert. Samt Nachfolgemodell 353 W rollte er bis 1988 mit einem Zweitaktmotor vom Band. Bildrechte: Archiv Museum "automobile welt eisenach"
Ein Neubrandenburger Trabant mit ungewöhnlicher Front-Ansicht findet am 29.06.1996 Interessenten auf dem Volksfest "Trabi total" in Rostock.
Nach der Wende begannen viele Trabi-Liebhaber, ihre "Rennpappe" aufzupeppen. Hier findet ein Neubrandenburger Trabant mit ungewöhnlicher Front-Ansicht am 29. Juni 1996 Interessenten auf dem Volksfest "Trabi total" in Rostock. Bildrechte: dpa
Volkspolizistin auf einer Kreuzung.
Der Barkas B 1.000 wurde ab 1961 vom VEB Barkas-Werke Karl-Marx-Stadt hergestellt. Es gab ihn u. a. als Kasten-, Krankentransport-, Pritschenwagen oder als Kleinbus. Er wurde bis 1988 mit einem Wartburg-Zweitakter gefahren und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 100 km/h. Bildrechte: dpa
Trabant P 50 Limousine zweifarbig
Der Trabant P 50 wurde von 1958 bis 1959 vom VEB Sachsenring Zwickau gefertigt. Den Zweitakter gab es als Limousine und Kombi. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Trabant P 601 Limousine blau
Der Trabant P 601 ging 1964 in Serienproduktion und wurde mit kleineren Verbesserungen bis 1990 in Zwickau gefertigt. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Blick auf verschiedene DDR-Autos
Den Zweitakter gab es als Limousine, als Kombi und ab 1967 als Kübelwagen. Bildrechte: DDR-Museum, Berlin
Trabis parken vor Häusern
Viele DDR-Bürger beschafften sich ihr Auto auf dem privaten Gebrauchtwagenmarkt. Bildrechte: DDR-Museum, Berlin
DDR auf vier Rädern: Der millionste Trabant
Im November 1973 rollte der millionste Trabi vom Band. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Der letzte Trabant in Pink.
Am 30. April 1991 rollte der letzte von insgesamt drei Millionen PKW der Marke "Trabant" vom Band. Es war dieses pinkfarbene Exemplar. Bildrechte: August Horch Museum Zwickau
Ein Wartburg 1.3 im Museum.
Dieser Wartburg 1.3 dokumentiert den Abschluss eines Kapitels im Eisenacher Automobilbau. Der mit einer VW-Viertaktmaschine ausgestattete Wagen war am 10. April 1991 als letzter seiner Art vom Band gelaufen und hat nun einen Platz im Museum gefunden. (Über dieses Thema berichtete MDR SPUTNIK im Radio, 07.11.2017, 8.47 Uhr) Bildrechte: dpa
Alle (13) Bilder anzeigen

Berlin befahl den Zweitaktmotor

Ein weltmarktfähiges Auto, das im Export reichliche Devisen garantiert hätte, passte irgendwie nicht in die Welt der Planwirtschaftler. Mehrfach konstruierten die Autobauer in Zwickau und Eisenach Viertaktmotoren. Es half nichts. Berlin befahl den Zweitakter.

Wiege des deutschen Automobilbaus

Wartburg W 313-1 auf der Leipziger Frühjahrs Messe 1957
Bildrechte: Wartburg-Museum Eisenach

Die Konstrukteure in den DDR-Auto-Schmieden waren zu viel mehr in der Lage als Trabant und Wartburg. Schließlich haben sie ihr Handwerk nach Kriegsende nicht schlagartig verlernt. Die Wiege des deutschen Automobilbaus liegt in Sachsen. Und Eisenach war eines der ersten Autowerke in dem nach Kriegsende, in dem ein BMW mit Viertaktmotor vom Band lief. Und so ist es gewiss kein Zufall, dass der Autobau in Sachsen und Thüringen heute wieder boomt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | ECHT | 15. Juni 2020 | 21:15 Uhr