Echt | MDR FERNSEHEN | 24.06.2020 | 21:15 Uhr + Online first Dresdens geheimnisvolle Unterwelt

Crystal Meth im Abwasser. In Dresden werden deutschlandweit die höchsten Werte gemessen. Ende 2016 sorgte diese Meldung für Schlagzeilen. 137 Milligramm Crystal Meth pro eintausend Einwohner. Davon fließen jeden Tag etwa 20 Gramm in die Elbe. Dieser Wert ist ein wichtiger Indikator. Denn die gefährliche Droge wird zwar streng geheim konsumiert, im Abwasser lässt sie sich aber nicht mehr verheimlichen.

Wie gefährlich ist die Droge für uns alle im Abwasser – und welche riskanten Stoffe schwimmen da noch unter uns herum?

"Echt"-Moderator Sven Voss nimmt das zum Anlass, selbst hinabzusteigen in Dresdens Unterwelt, eine geheimnisvolle Welt von der oben kaum jemand etwas weiß. In fünf Metern Tiefe befindet sich ein 1800 Kilometer langes Kanalnetz. Schleusen, Gewölbe, Dämme, Schieber. Das Kanalnetz unter Dresden ist in 13 Bezirke unterteilt. Mehr als 100 Pumpstationen sorgen dafür, Abwasser aus Niederungen ins Netz zu bekommen. Links und rechts der Elbe verlaufen die Hauptadern, die das Abwasser ins Klärwerk Kaditz leiten. An fünf Punkten wird das Abwasser mithilfe sogenannter Düker unter der Elbe hindurch geführt. Erst wenn es im Klärwerk gereinigt ist, gelangt es von dort in die Elbe.

Sven Voss ist mit Kanalnetzmeister Frank Lieber in einem Kanal unterwegs, der per Boot befahren werden kann. Solche Inspektionsfahrten sind regelmäßig nötig, um Schäden an den Kanalwänden oder Ablagerungen im Wasser frühzeitig zu erkennen. So muss der Kanal z.B. häufig von abgelagerten Fetten befreit werden, die sonst früher oder später den Durchfluss behindern würden. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 wurde Abwasser aus den Kanälen geschwemmt. In den folgenden Jahren gab es deshalb gewaltige Umbauten, um besser vorbereitet zu sein. Riesige Speicher sorgen jetzt dafür, dass verunreinigtes Abwasser selbst bei Flut nicht in den Fluss gelangt. Der größte unterirdische See in Dresden Prohlis kann dann fast 7.000 Kubikmeter fassen.

Im Betriebslabor wird das Abwasser ständig untersucht. 20 Gramm Crystal gelangen täglich in die Elbe. Doch noch mehr Sorge macht Norbert Lucke, Leiter der Umweltanalytik der Stadtentwässerung Dresden, die beträchtliche Menge an Medikamentenrückständen: Antibiotika oder Östrogene aus der Antibabypille. Gefährliche Rückstände, die trotz modernster Abwasserreinigung immer häufiger in unserem Trinkwasser nachgewiesen werden.