Waldgebiet
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Echt | MDR FERNSEHEN | 17.10.2017 | 21:15 Uhr Der Tod der Fichte

Unser Wald, wie er sich heute zeigt, ist vielerorts eine vom Menschen angelegte Fichtenplantage. Der Thüringer Wald war ursprünglich als Bergmischwald gewachsen. Neben Nadelbäumen gab es Buchen, Bergahorn, Birken, Ulmen. Dieser Urwald wurde in den vergangenen Jahrhunderten gerodet. Für den Hausbau, die Holzkohlegewinnung, Brennholz. Der große Holzbedarf sollte auch in Zukunft gedeckt werden. Dafür setzten unsere Vorfahren vor allem auf die schnellwachsende Fichte in Reih und Glied.

Waldgebiet
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Sturm, Schneebruch, Trockenheit

Die Folge ist eine hohe Anfälligkeit für Schäden. Die flachen Wurzeln der Fichte bieten bei Sturm nicht genügend Halt. Nasser Schnee lastet auf den breiten immergrünen Ästen besonders schwer, Schneebruch ist die Folge. Da die Flachwurzler nicht an tiefer liegendes Wasser gelangen können, schwächt sie Trockenheit besonders. Mit dem Klimawandel werden die Sommer trockener, vor allem die Vegetationsperiode von April bis Juni. Und wenn es heiß ist und die Bäume geschwächt sind, hat ein Widersacher der Forstleute besonders leichtes Spiel: Der Borkenkäfer bedroht Jahr für Jahr aufs Neue die wertvollen Holzbestände.  

Nach dem Orkan kommt der Käfer

Schäden im Thüringer Wald
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Wie 1946/47, als die Kammlagen des Thüringer Waldes aussahen, wie nach einem Atomschlag. Ausgangspunkt war ein Orkan am 13. und 14. Juni 1946. Rund 1,85 Mio. Festmeter Holz, davon 92 Prozent Fichtenholz, waren umgebrochen. Die Sturmschäden konzentrierten sich auf den Mittleren Thüringer Wald. Am weitaus stärksten betroffen waren Fichtenbestände in der Höhenlage über 700 Meter. In den riesigen Mengen des am Boden liegenden Schadholzes explodierte in den folgenden Sommern die Borkenkäferpopulation. Die Orkan- und Borkenkäferschäden verursachten Kahlflächen von insgesamt 5.000 Hektar. Die Aufforstung in den folgenden Jahren geschah wiederum vor allem mit Fichten.

Kalk als letzte Rettung

Düngehubschrauber über Waldgebiet in den 1980ern
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In den 1980er-Jahren setzte den empfindlichen Fichtenwäldern noch ein weiterer Faktor stark zu: der saure Regen, im Thüringer Wald vor allem verursacht durch die Abgase der Braunkohlekraftwerke in der ČSSR. Schwere russische Hubschrauber verteilten Tausende Tonnen Kalk über den Wipfeln. Eine dramatische Rettungsaktion, bei der eine Menge Westgeld für die DDR auf dem Spiel stand. Das Fichtenholz war längst an den Westen verkauft und der saure Regen drohte den DDR-Holzverkäufern einen Strich durch die Rechnung zu machen. Die Rettungsaktion kostete Millionen.

Zapfenpflücker
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Di 17.10.2017 21:15Uhr 01:23 min

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Die Zukunft des Thüringer Waldes muss anders aussehen. Der Waldumbau ist bereits im Gange und hat zum Ziel, aus der Fichtenmonokultur einen artenreichen, strukturierten Bergmischwald zu formen. Dazu gehören auch Fichten, die aber geeignet sein müssen für das rauhe Gebirgsklima auf dem Kamm des Thüringer Waldes. Am Rand von Oberhof stehen die ältesten Fichten Deutschlands, die sog. Schlossbergfichten. Sie ähneln mehr den Fichten in der russischen Taiga als ihren anderen Verwandten im Thüringer Wald. Zapfenpflücker Sebastian Arnold, mit Lehrmeister Axel Delle, macht sich auf, das wertvolle Genmaterial für die Zukunft zu sichern. ECHT erzählt eine spannende Klima-, Umwelt- und Wettergeschichte – vom Tod der Fichte und vom Aufbruch in einen Wald, den erst unsere Kinder und Kindeskinder genießen können.

Zuletzt aktualisiert: 02. November 2017, 11:34 Uhr