Echt | MDR FERNSEHEN | 13.11.2018 | 21:15 Uhr Die Gotha-Bomber – Riesenflugzeuge aus Thüringen

Der erste Langstreckenbomber der Welt – und warum aus Gotha Windsor wurde: Es ist ein spannendes, bisher nicht erzähltes Kapitel legendärer deutscher Ingenieurskunst, das heute noch Flugenthusiasten auf der ganzen Welt beschäftigt und die Kriegsführung verändert hat. Selbst weit entfernt von der eigentlichen Front erreicht der Schrecken des Krieges jetzt die Menschen.

Animation Gotha Bomber G.III 30 min
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Thüringen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: In der Waggonfabrik in Gotha entwickeln kühne Konstrukteure eine völlig neue Art von Flugzeugen. Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha protegiert die Entwicklung dieser ersten Langstreckenbomber. Bekannt werden sie unter der Bezeichnung "Gotha-Bomber". Mitten im ersten Weltkrieg, am 13. Juni 1917, erreicht erstmals eine Staffel von 21 "Gothas" London.

Hans Ulrich von Trotha vor seinem Gotha-Bomber
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Einer der besten Piloten in der Staffel ist ein 28-jähriger aus Schkopau bei Halle: Hans Ulrich von Trotha entstammt einer Mitteldeutschen Adelsfamilie, die ein halbes Jahrtausend die Geschicke der Region um Merseburg und Halle geprägt hat. Seit 1860 führt die Familie penibel ihre Familienchronik. Die Geschichte hinter einem Foto – Hans Ulrich stolz vor einem Gotha-Bomber – war der Familie bisher nicht bekannt. Als Bomberpilot ist es sein Auftrag, mit dem stärksten Flugzeug seiner Zeit London zu erreichen und strategische Ziele zu treffen: die London-Docks, die Häfen an der Themse, mitten in der Stadt. Wolf von Trotha, der heute das Familienarchiv verwaltet, geht der tragischen Geschichte seines Vorfahren nach.

Animation Gotha Bomber beim Anflug auf London
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Die Bomben treffen die Docklands im Themsebogen, den Hafen, die Brücken, die Tanks. Aber auch eine Grundschule. Eine 50-Kilo-Bombe durchschlägt das Dach der Mayflower Primary School. Die Splitter der Sprengbombe töten 18 Kinder sofort. Überall in London trifft es Zivilisten, über 160 Tote und mehr als 400 Verletzte, die Stadt steht unter Schock.

Einhundert Jahre später besucht die Queen die Schule und enthüllt eine Gedenktafel, die an die Bombardierung erinnert. Darauf die Mahnung:

Aus unserer Geschichte zu lernen, kann zu einer friedvolleren Zukunft führen.

Der 13. Juni 1917 gilt den Engländern bis heute als historischer Tag. „The Gothas“ aus Thüringen sind eine Zäsur für den Krieg. Es ist die erste Bombardierung einer Großstadt durch Flugzeuge. Und sie tragen den Namen des englischen Königshauses. "Sachsen Coburg und Gotha". Georg V. änderte seinen Namen am 17. Juli 1917 in das bis heute verwendete "Windsor".

Animation Gotha Bomber G.III 1 min
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Echt | MDR FERNSEHEN | 13.11.2018 | 21:15 Uhr Die Rekonstruktion der Gotha-Bomber

Die Rekonstruktion der Gotha-Bomber

Di 13.11.2018 21:15Uhr 00:51 min

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Video

Einen erhaltenen Gotha-Bomber gibt es nicht mehr. Echt erweckt die legendären Flugzeuge aus Thüringen wieder zum Leben. Die 3D-Animationen zeigen die hochgerüsteten Riesen-Propellermaschinen, Doppeldecker, die die Welt noch nicht gesehen hatte. Die nach ihrem hochriskanten Flug über den Ärmelkanal, die Besatzungen ohne Kanzel, aber mit mobilen Sauerstoffgeräten, Schwimmwesten und kältefester Kleidung, ihre tödliche Fracht über London abwarfen.

Mehr als 3000 Menschen sterben in Großbritannien durch deutsche Luftangriffe im ersten Weltkrieg. Im April 1918 gründen die Briten deshalb ihre vereinigte Luftwaffe – die Royal Airforce. Mit der Aufgabe, deutsche Städte im Kriegsfall zu bombardieren. Es ist die Antwort auf die „Gothas“ aus Thüringen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 13. November 2018 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2018, 12:20 Uhr