Echt | MDR FERNSEHEN | 12.06.2019 | 21:15 Uhr Ernstfall im Bielatal – Risiko Höhlenrettung

Hunderte von Höhlen gibt es in Mitteldeutschland. Viele werden von professionellen Höhlenforschern erkundet, einige aber sind für jedermann zugänglich. Sie sind faszinierend und geheimnisvoll, aber nicht ungefährlich.

Am 27. April 2013 erkunden zwei Wanderer das herrliche Bielatal in der Sächsischen Schweiz. Einer der beiden will die Kluft am Benno auf eigene Faust entdecken. Nach den ersten vier Metern rutscht er ab, findet keinen Halt mehr und stürzt in die Höhle. Der Mann kann sich nicht mehr bewegen, steckt fest und ist schwer verletzt. ECHT-Moderator Sven Voss rekonstruiert die dramatische Rettungsaktion und trifft Erik Wypior, den Einsatzleiter der Sächsischen Bergretter:

Höhlenretter der Bergwacht Sachsen bei einem Rettungseinsatz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Kluft am Benno ist nur acht Meter tief, aber trotzdem kann sie zur Todesfalle werden: Da unten funktioniert kein Handy. Hilfeschreie hört niemand. Und vor allem ist es dort unten kalt. In der Höhle, bei drei oder vier Grad, ist der Mensch schnell unterkühlt.

Einsätze für Höhlenretter sind selten, aber im Ernstfall geht es immer ums Ganze. Die Retter müssen möglichst schnell handeln. Dabei bringen sie sich oft selbst in tödliche Gefahr. So im Juni 2014 als Johann Westhauser in der 1000 Meter tiefen RIESENDING-Höhle bei Berchtesgaden verunglückt. Ein Steinschlag hatte den Höhlenforscher am Kopf schwer verletzt. Die 200 besten Höhlenretter aus ganz Europa eilen zum RIESENDING, denn in dieses 21 Kilometer lange Labyrinth trauen sich nur ganz wenige hinein. Gleich nach dem Abstieg geht es 300 Meter senkrecht in die Tiefe, nach einer kurzen Pause, weitere 400 Meter tief. Erst nach vier Tagen erreicht der erste Arzt den Schwerverletzten. Erik Wypior von der Sächsischen Bergwacht macht die Schwierigkeit des Einsatzes deutlich:

In einer Höhle gibt es keine Autos oder Rettungshubschrauber, noch nicht einmal feste, sichere Wege. Alles, was den Rettern ÜBER TAGE das Leben einfach macht, - gibt es unter TAGE nicht. Alles, was man braucht, muss per Hand reingeschleppt werden.

Nach sechs Tage kann der verunglückte Johann Westhauser endlich transportiert werden. Festgeschnallt auf einer Liege geht es über Abgründe und Felsklüfte. Um sich auszuruhen werden in der Höhle extra sieben BIWAKS zum Übernachten für die Höhlenretter errichtet. Der Weg ins Freie durch die Höhle wird zu einer unglaublichen Odyssee, die weitere sechs Tage dauert. Am 19. Juni dann endlich wieder Tageslicht.

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 11:57 Uhr